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F1 Grand Prix of Brazil - Qualifying
Sieht Sebastian Vettel auch in der kommenden Saison die Mercedes-Boliden nur von hinten? © Getty Images

München - Ferrari hinkt seit Jahren der Spitze in der Formel 1 hinterher. Auch 2017 sieht es für Sebastian Vettel düster aus - wegen der Wunderaufhängung von Mercedes.

Beim einstigen Top-Rennstall und Titel-Garanten Ferrari ist der Glanz früherer Jahre verblasst.

2007 konnte die Scuderia zuletzt den Weltmeistertitel nach Maranello holen. Damals wie heute sitzt Kimi Raikkönen im Cockpit des "roten Renners". An seiner Seite fährt der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel.

Trotz dieser Spitzenbesetzung bleibt Ferrari hinter den Erwartungen und besonders hinter der Konkurrenz zurück.

In der vergangenen Saison gelang den Italienern kein einziger Sieg. Auch für 2017 sieht es nicht gut aus, denn die Scuderia hat längst eine weitere Technik-Revolution um die "Wunderaufhängung" von Mercedes und Red Bull verschlafen.

Warum ist die Konkurrenz so viel besser?

Nun scheiterte nach einem Bericht von auto motor sport auch die Beschwerde gegen die Kontrahenten - für Vettel schon Wochen vor dem Auftakt in Melbourne ein schwerer Schlag im Titelrennen.

Doch ist die laut Ferrari "aktive" Radaufhängung überhaupt legal? Diese Frage stellt sich auch Ferrari-Chef Maurizio Arrivabene. Seit der Saison 2013 fährt sein Team Mercedes und Red Bull hinterher. Eigens entwickelte Veränderungen am Fahrzeug wie die Front beim Ferrari F14 T brachten nicht den gewünschten Erfolg.

2014 versuchte Ferrari den F14 T mit einer extrem tiefen Frontpartie schneller als die Konkurrenz zu machen © Getty Images

Mit Aerodynamik zu mehr Top Speed

Hinter der aktiven Radaufhängung, oder auch dem aktiven Fahrwerk, versteckt sich ein System das je nach Fahrzustand des Autos die Rollsteifigkeit und Bodenfreiheit kontrollieren kann. Eigentlich ist dieses Konstrukt bereits seit 1993 in den Regularien des Weltmotorsportrates FIA verboten. Glaubt man Ferrari, hat Mercedes ein ähnliches Konzept entwickelt, dass so die Aerodynamik der Silberpfeile positiv beeinflusst.

Demnach soll das Mercedes-Fahrwerk die natürlichen Wank-Bewegungen des Autos ausgleichen und sich sogar auf geraden Streckenabschnitten absenken können. Der Effekt: mehr Top Speed und ein schnellerer Wagen.

Ferrari fordert Verbot

Laut Paragraph 3.15 der technischen Formel-1-Regularien sind derartige die Aerodynamik verändernde Bauteile nicht zugelassen.

Ferrari forderte darum Anfang Februar ein Verbot der technischen Systeme von Mercedes und Red Bull. Laut auto motor sport schlossen sich lediglich drei weitere Rennteams der Beschwerde der Scuderia an.

McLaren-Renndirektor Eric Boullier äußerte sich am Rande der Pirelli-Präsentation in Turin zum Ferrari-Vorhaben: "Wir positionieren uns zum Thema Verbot in der Mitte. Einige Teams haben McLaren deswegen aber bereits kontaktiert. Ferrari hat eine andere Interpretation davon, was gemacht werden darf und sie versuchen, ihre Meinung durchzubringen."

Viel Wirbel um Nichts?

Fakt ist, die Scuderia versucht seit längerer Zeit das Geheimnis hinter dem Erfolg der schärfsten Konkurrenten Mercedes und Red Bull zu enttarnen. Dabei wollte die einstige Formel-1-Macht sogar Ingenieure der Gegner abwerben, um so das Konzept zu verstehen. Alle unternommenen Versuche scheiterten ebenso wie die Forderung nach einem Verbot.

"Wir können viele Ideen haben, es hängt dann aber von der Interpretation ab", erklärt McLarens Boullier zum Thema aktives Fahrwerk. Soll heißen: Die Rennteams könnten zwar viele Konzepte entwickeln, was am Ende aber erlaubt ist entscheidet die FIA und nicht Ferrari.

Ist der Titel für Vettel also schon dahin?

Nachdem Ferrari die Fahrwerk-Revolution verpasst hat und die Konkurrenz durch Regularien nicht geschwächt werden kann, scheint die Scuderia bereits vor Saisonstart am 26. März in Melbourne geschlagen. Sogar die erste Testfahrt des neuen Ferrari ging schief und Sebastian Vettel krachte in einen Reifenstapel. (Der Formel-1-Rennkalender 2017)

Eine letzte Möglichkeit bleibt Team-Chef Arrivabene noch. Legen die Roten beim ersten Saisonrennen in Melbourne offiziellen Protest ein, so müssten Mercedes und Red Bull ihre Baupläne offenlegen und aufzeigen, wie ihre Fahrsysteme funktionieren.

Ferrari könnte dann versuchen, diese Pläne nachzubauen. Ob die Scuderia jedoch diesen letzten Trumpf zieht und ob imitierte Fahrwerke ebenso gut funktionieren wie die von Weltmeister Mercedes, bleibt abzuwarten.

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