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Sebastian Vettel will 2017 zur Jagd auf Mercedes ansetzen © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images/ Imago

München - Was Ferrari Mut macht, woran Mercedes noch arbeiten muss - und warum Fernando Alonso schon wieder meckert. SPORT1 analysiert die Testfahrten in Barcelona.

In acht Testtagen spulten die Formel-1-Teams über 34.000 Kilometer ab - und sammelten dabei wichtige Daten. 

Doch wie weit sind die Rennställe nach den umfangreichen Regeländerungen knapp zwei Wochen vor Beginn der neuen Formel-1-Saison 2017 in Melbourne wirklich? (DATEN: Der Rennkalender 2017)

SPORT1 benennt Gewinner und Verlierer der Testfahrten.

Der Gewinner: Ferrari

Nach einem enttäuschenden Jahr 2016 lastet ein großer Druck auf Ferrari. Jetzt scheinen die Italiener aber zu liefern, denn Ferrari beeindruckte in Barcelona mit Bestzeiten.

Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen war mit einer absoluten Bestzeit von 1:18,634 Minuten mehr als eine halbe Sekunde schneller als der Rest - einschließlich seines Teamkollegen Sebastian Vettel, der die zweitschnellste Runde der gesamten Probefahrten hinlegte.

Auffällig: Der rote Bolide war auf jeder Reifenmischung schnell und konstant unterwegs, drehte zuverlässig seine Runden.

Zudem besticht der neue Ferrari mit seiner Straßenlage. Er liege "wie ein Brett", lobte Mercedes-Teamaufsichtsratschef Niki Lauda.

Dabei holte Vettel nicht einmal alles aus seinem Renner heraus. Das Gleiche gilt für Räikkönen. "Wenn wir wollen, können wir schneller sein", sagte der "Iceman" aus Finnland.

Das gilt aber wohl vor allem auch für Mercedes. Und: Schon 2016 war Ferrari Test-Sieger - doch in den Rennen sprang kein Sieg heraus.

Trotzdem ist die Frage berechtigt: Können die Roten tatsächlich die Mercedes-Dominanz brechen? In Melbourne wird es interessant.

Die Tüftler: Mercedes

Bei Mercedes bricht man aber nicht in Panik aus.

Immerhin kamen die Silberpfeile der Bestzeit von Ferrari am nächsten und hatten dabei noch Luft nach oben, denn sie waren mit reichlich mehr Sprit unterwegs.

Der Unterschied zur schnelleren Konkurrenz lag auch darin begründet, dass Mercedes in der zweiten Testwoche neue Aerodynamik-Teile testete, die sich am Ende als zu fragil erwiesen. Ferrari und Red Bull fuhren im Vergleich dazu zwei Wochen lang quasi unverändert.

Lewis Hamilton nahm dies zum Anlass, die Favoritenrolle - und damit den Druck - an Ferrari abzugeben. Er selbst gab zu: "Ich habe noch nicht das optimale Setup gefunden."

Das Maß der Dinge bleibt Mercedes dennoch, bis die Konkurrenz im Rennen das Gegenteil beweist. Nicht nur Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist sich sicher: Mercedes ist "der absolute Favorit."

Die Wundertüte: Red Bull

Eigentlich galt Red Bull als der große Herausforderer, wurde bei den Tests aber vom Motor im Stich gelassen und musste auf einer niedrigeren Power-Stufe fahren. Probleme machte allerdings nicht nur der Antrieb, auch das Setup stimmte nicht. Max Verstappen war beispielsweise mit zwei unterschiedlichen Frontflügeln unterwegs.

Daher war es keine Überraschung, dass die ganz großen Zeiten ausblieben. In Woche zwei folgte nach dem Stotter-Beginn immerhin eine Steigerung und Max Verstappen fuhr an Tag acht insgesamt die sechstschnellste Runde.

In Sachen Aerodynamik ist Red Bull wie gewohnt eine Bank und hat mit Verstappen und Daniel Ricciardo eine der ausgeglichensten Fahrerpaarungen. Fazit: Wundertüte mit Luft nach oben.

Der Verlierer: McLaren-Honda

Unzuverlässig und langsam: McLaren-Honda war die negative Überraschung der Formel-1-Tests in Barcelona.

Das Team von Ex-Weltmeister Fernando Alonso und Neu-Pilot Stoffel Vandoorne brauchte bei den Testläufen am Circuit de Catalunya sechs Motoren in acht Tagen - absoluter Negativrekord! Da stellt sich die Frage: Wie lange kommt McLaren straffrei durch die Saison mit 20 Rennen, wenn schon beim fünften Motor eine Rückversetzung in der Startaufstellung fällig wird?

Eigentlich sollte mit einer Neukonstruktion des Antriebs der Anschluss an die Spitze gelingen, doch stattdessen fiel McLaren weiter zurück und legte einen noch schlechteren Test als 2016 hin. An den letzten beiden Testtagen konnte nicht einmal die 50-Runden-Tagesmarke geknackt werden.

"Ich bin besser vorbereitet als jemals zuvor, ich fühle mich stark und auf der Höhe meiner Fähigkeiten. Aber ich habe keine Motorleistung", kritisierte Alonso selbst seinen Rennstall und ergänzte: "Ich erwarte hier eine Reaktion."

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