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Long Pond - Justin Wilsons tödlicher Unfall facht die IndyCar-Sicherheitsdebatte neu an. Ein früherer F1-Champ nennt die Serie "verrückt". Die Opferzahl nach 99 Jahren ist verheerend.

Die wilde Hatz auf dem Oval hat erneut ein Todesopfer gefordert: Der frühere Formel-1-Pilot Justin Wilson ist einen Tag nach seinem schweren Unfall bei einem IndyCar-Rennen im US-Bundesstaat Pennsylvania gestorben.

Der 37-Jährige erlag am Montag im Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen.

Der Engländer war auf dem Pocono Raceway in Long Pond kurz vor Rennende von Trümmerteilen eines vor ihm fahrenden Wagens getroffen worden.

"Das ist ein unglaublich trauriger Tag für die IndyCar-Serie und die Motorsport-Familie insgesamt", sagte IndyCar-Boss Mark Miles: "Justins Fähigkeiten am Steuer eines Autos waren ebenso groß wie seine Freundlichkeit, sein Charakter und seine Bescheidenheit. Das alles hat ihn zu einem der am meisten respektierten Fahrer gemacht."

Wilsons Organspende rettet sechs Leben

Justins Bruder Stefan, selbst Rennfahrer, twitterte am Dienstag ein emotionales Statement: Sein Bruder habe durch Organspenden an diesem Tag sechs Leben gerettet.

"Er legt die Latte noch höher. Mein Held", schrieb er. 

"Die gefährlichste Form von Motorsport"

Der Tod von Wilson löste erneut eine Debatte um die Sicherheit in der gefährlichsten Rennserie der Welt aus, bei der die Wagen eng beieinander mit Tempo 350 um einen Ovalkurs rasen.

Der Südafrikaner Jody Scheckter, 1979 Formel-1-Weltmeister, brandmarkte die Vollgasshow als "verrückt". Es sei die "gefährlichste Form von Motorsport".

Der Engländer Wilson ist seit 1916 bereits der 106. Fahrer in der Geschichte der IndyCar-Serie, der zu Tode kam.

Zuletzt war sein Landsmann Dan Wheldon am 16. Oktober 2011 auf dem Las Vegas Motor Speedway bei einem Massenunfall mit insgesamt 15 Rennwagen tödlich verunglückt. Außerdem wurden in der Vergangenheit noch zahlreiche Mechaniker und Zuschauer in den Tod gerissen.

Vom Fahrzeugteil am Helm getroffen

"Man sollte nie aufhören, in Sicherheit zu investieren, auch wenn lange Zeit nichts passiert ist", sagte der ehemalige Formel-1-Fahrer Eddie Cheever, der heute als Experte für den US-Sender ESPN arbeitet, "ich denke, es ist Zeit, nach Lösungen zu suchen. Dafür sollten sich die Fahrer zusammensetzen und nach Ideen suchen. Und ich hoffe wirklich, dass das einen Fortschritt bringen wird."

Justin Wilson war im Dallara-Honda seines Teams Michael Andretti Autosport in der 179. von 200 Runden in die Begrenzungsmauer gekracht.

Zuvor hatte sich am Wagen des vor ihm fahrenden Amerikaners Sage Karam nach einem Unfall ein Teil gelöst und Wilson am Helm getroffen.

"Vorbild, Mentor, Champion"

Der aus Sheffield stammende Wilson hatte 2003 in der Formel 1 für Minardi und Jaguar 16 Rennen (1 Punkt) bestritten.

"Schreckliche Nachrichten. Tiefstes Mitgefühl für seine ganze Familie. Ruhe in Frieden", schrieb der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell bei Twitter.

Der britische Formel-1-Rennstall McLaren, ebenfalls mit Honda-Motoren ausgestattet, äußerte seine Anteilnahme ebenfalls via Twitter: "McLaren ist zutiefst betrübt, unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden."

Wilsons jüngerer Bruder Stefan reagierte bestürzt auf die Nachricht. "Ich kann nicht ansatzweise den Verlust beschreiben, den ich gerade empfinde. Er war mein Bruder, mein bester Freund, mein Vorbild und Mentor. Er war ein Champion", twitterte er.

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