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Alex Marquez (li.) und Jack Miller (re.): Wer wird in Valencia Moto3-Weltmeister?

Elf Punkte, ein Rennen und ein Weltmeister: Jack Miller und Alex Marquez starten beim alles entscheidenden Grand Prix aus der ersten Reihe

Alles ist bereit für den entscheidenden Showdown in Valencia. Die Moto3-Klasse hat im Laufe der Saison 17 spannende und dramatische Rennen geboten. Nun ist noch offen, ob sich Jack Miller oder Alex Marquez zum Weltmeister krönen wird. Australien gegen Spanien, KTM gegen Honda. Für Honda wäre es der erste WM-Titel in der kleinsten Klasse seit Tom Lüthi im Jahr 2005. Außerdem könnten die Japaner auch KTM den Herstellertitel wegschnappen. Im Qualifying schufen sich beide eine optimale Ausgangsposition: Miller (Platz zwei) und Marquez (Platz drei) stehen nebeneinander in der ersten Startreihe.

Nur elf Punkte trennen die beiden Titelkontrahenten. Schon im Vorjahr bot die Moto3-Klasse ein an Spannung kaum zu überbietendes Finale. Luis Salom warf seine Chancen durch Sturz weg. Maverick Vinales überholte Alex Rins in der Zielkurve und wurde mit diesem Manöver Weltmeister. Ein ähnliches Finale könnte sich auch heute anbahnen. In den vergangenen Rennen kämpften in der letzten Runde jeweils mehrere Fahrer um den Sieg. Alles ist möglich.

Im Mittelpunkt der spanischen Fans steht Marquez. Die Fans werden auf der stadionartigen Tribüne für Gänsehautstimmung sorgen. "Für mich wird natürlich ein Traum wahr, dass ich hier in Valencia vor meinen Fans um den WM-Titel kämpfen kann", sagt der jüngere Bruder von MotoGP-Champion Marc. "Mein Motorrad und ich sind derzeit in starker Form, auch mental fühle ich mich stark. Ich möchte es mit dem Team genießen. Hier in Valencia bin ich schon viele Rennen gefahren, auch in der spanischen Meisterschaft. Es ist eine gute Strecke für mich."

Angesprochen auf den spanischen Hexenkessel gibt sich Miller locker: "Spanien ist für mich mehr oder weniger die Heimat. Ich habe hier keinen Nachteil, abgesehen von den Fans. Vielleicht sind fünf Prozent der Fans auf meiner Seite", lacht der "Aussie." Für viel Rummel sorgte zuletzt in Sepang die Aggressivität. Miller fuhr gegen Marquez die Ellbogen aus. Strafpunkte verteilte die Rennleitung nicht.

Miller rechnet mit hartem Duell

"Jackass" sieht es auch vor Valencia locker. "Die Moto3 ist eben so. Wenn man sich die Rennen von Rossi, Biaggi und anderen Fahrern ansieht, dann war es schon immer so. Wir kämpfen um den WM-Titel. Wenn man nicht aggressiv ist, wofür kämpfen wir dann?", stellt Miller in den Raum. Deshalb ist für ihn auch nicht ausgeschlossen, dass in Valencia erneut mit harten Bandagen gefahren wird.

Marquez zog in Sepang den Kürzeren und zeigt sich auch vor Valencia zurückhaltend. "Ich möchte diesen Titel fair gewinnen", betont der Honda-Pilot. "Natürlich möchte ich dieses Rennen gewinnen. Im Rennen werden wir sehen, wie sich die Situation entwickelt." Marquez wurde seit Sepang mehrmals damit gelöchert, dass auch er die Ellbogen ausfahren soll. Er selbst will abwarten, wie sich das Rennen entwickelt. Da er in der WM führt, hat er auch mehr zu verlieren.

"In der Moto3 kann man gewinnen, aber auch rasch nur Fünfter oder Sechster werden. Hier ist die Gerade deutlich kürzer, also könnte es etwas anders als in Sepang sein", vergleicht der Honda-Pilot. "Das Rennen wird sicher so interessant werden wie in Australien und Malaysia. In der letzten Runde wird es sich entscheiden." Die Rennen in der kleinsten Klasse sind so eng, dass man sich mit den Punkten im Hintergrund kaum eine Taktik zurechtlegen kann.

"Ich konzentriere mich nur darauf, Gas zu geben", sagt Marquez. Und Miller fügt schmunzelnd hinzu: "Ich habe die Schule mit 14 beendet und kann nicht gut rechnen. Deswegen schaue ich nicht auf den Punktestand." Sollte Miller das Rennen gewinnen, dann müsste es Marquez auf das Podest schaffen, um Weltmeister zu sein. Für Miller wird dagegen wichtig, dass sich wie in Sepang so viele Fahrer wie möglich zwischen ihn und die Startnummer 12 schieben.

Stallorder? Welcher Fahrer hilft wem?

Deshalb gibt es für Miller nur volle Attacke: "Die gleiche Strategie wie in Malaysia und Australien." Offen ist, wie sich andere Fahrer verhalten werden. In Sepang wurde Danny Kent (Husqvarna) unterstellt, Miller geholfen zu haben, indem er Marquez in der letzten Runde blockiert hätte. Die Rennleitung sprach den Briten von diesem Verdacht frei. "Ich denke, die meisten Rennen waren mehr oder weniger fair", so Miller. "Es gibt keine Teamorder. Man kann jemandem eigentlich nicht helfen, denn man weiß nicht, wann wer wo sein wird. Deshalb kann man keine Strategie festlegen."

"Kent fährt sein eigenes Rennen. Es ist sehr schwierig, jemandem zu helfen. Aber auch Rins ist in Sepang für seine eigene WM gefahren. Er ist mehr eine Wildcard. Steht er auf seiner oder meiner Seite? Bei Vazquez ist es ebenso, er hat noch keinen Job für nächstes Jahr und kann machen was er will." Und alle übrigen Moto3-Fahrer werden bedingungslos den eigenen Sieg anpeilen und auf das WM-Duell wenig Rücksicht nehmen.

Auch Valentino Rossi winkt bezüglich einer Teamorder seiner KTM-Nachwuchsfahrer ab: "Romano (Fenati; Anm. d. Red.) fährt mit der KTM und Miller auch. Marquez ist also der Gegner, denn er fährt Honda. Aber da gibt es keine besondere Anweisung. Ich denke, Romano muss einfach sein Rennen fahren. Ich hoffe, dass er mit Miller und Marquez mithalten kann. Eine Stallregie gibt es aber nicht."

Die Fans dürfen sich auf ein weiteres packendes Moto3-Rennen mit einer großen Spitzengruppe freuen. "Ich kann im Moment nichts verlieren. Meine Position ist gut, aber ich wäre lieber in seiner Position", schätzt Miller die Situation vor dem letzten Start ein. "Seine Chance ist größer. Ich war lange in dieser Position und kenne sie." In Prozenten sieht Miller es "50:50 - ich gebe mir selbst eine gute Chance."

"Wir hatten in dieser Saison schon unglaubliche Zweikämpfe und er ist ein sehr guter Fahrer", findet Miller lobende Worte für seinen Konkurrenten. "Es waren spektakuläre Rennen. Er hat mich an meine Limits gebracht. Ich habe viel Respekt für ihn und will auch in Zukunft gegen ihn fahren." Sollte "Jackass" doch nicht als Moto3-Weltmeister in die MotoGP wechseln, wäre es für ihn kein großes Problem: "Wenn man diese Saison mit allen anderen Jahren meiner Karriere vergleicht, dann war sie unglaublich stark. Deshalb bin ich zufrieden, egal wie es ausgehen wird."

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