vergrößernverkleinern
Thomas Lüthi ist der beste Schweizer Fahrer der Saison 2014

Tom Lüthi profitierte in Valencia von einem Fehler des Weltmeisters Esteve Rabat und sicherte sich den Sieg - Trotzdem hat er großen Respekt vor dem Spanier

Tom Lüthi hat beim letzten Saisonlauf der Moto2 in Valencia einen ganz speziellen Sieg eingefahren. Über das ganze Rennen hinweg duellierte sich der Schweizer mit Weltmeister Esteve Rabat, der bereits im Vorfeld als Weltmeister festgestanden hatte. Bis zur letzten Kurve sah der Spanier nach dem sicheren Sieger aus, dann leistete er sich jedoch noch einen Fehler, und Lüthi ging auf den letzten Metern vorbei.

"Es kam ein bisschen überraschend am Ausgang der allerletzten Kurve", erinnert sich der WM-Vierte an die verrückte Schlussszene. "Ich konnte es im ersten Moment gar nicht glauben. Gibt es eine schwarze Flagge, oder warum hält er an? Dann habe ich gleich gesehen, dass er einen Fehler gemacht hat, und dieses Geschenk habe ich natürlich gern angenommen."

Auf so kuriose Weise habe der Schweizer noch nie gewonnen: "Nein, das war schon speziell. Ich dachte mir, okay, ich habe es noch mal probiert in der letzten Runde, aber ich bin auch im Windschatten nie wirklich neben ihn gekommen. Ich konnte nicht auf gleicher Höhe bremsen, dann sind mir die Ideen ausgegangen. Wie sollte ich ihn überholen, wenn er keinen Fehler macht? Dann dachte ich mir: Dranbleiben, es kann immer etwas passieren."

Großartiges Niveau

Und so kam es dann auch. "Er hat trotzdem ein Toprennen gezeigt", lobt Lüthi seinen Konkurrenten, "aber ich konnte die Pace auch mitgehen. Das Niveau war riesig. Ich habe die Rundenzeiten auf dem Display gesehen und konnte es selbst kaum glauben, wie schnell das permanent war." Es sei ein unglaubliches Rennen gewesen: "Tito war so stark. Er hat einfach keine Schwäche gezeigt - bis kurz vor Schluss. Ich bin sehr glücklich über den Sieg, das ist die schönste Art, meinem Team danke zu sagen."

Warum Lüthi die Pace von Rabat im Rennen von Valencia plötzlich mitgehen konnte, weiß er zu erklären. Demnach habe man den Schlüssel in der Übersetzung und Geometrie gefunden: "Die Übersetzung hängt mit der Schienenlänge zusammen, daran haben wir gestern Abend noch herumgespielt und etwas gefunden, das wollten wir ausprobieren. Dann war ich im Warm-up schon superglücklich mit dem Motorrad."

Rabat, der bereits bei der Zieldurchfahrt die Hände über dem Kopf zusammenschlug, ärgert sich über seinen Fehler: "Ich hatte einen sehr guten Start und viele schnelle Runden. Aber dann habe ich mir diesen Fehler geleistet." Nichtsdestotrotz sei er nach dem WM-Titel glücklich für sich und sein Team: "Sie haben mich die ganze Saison so gut unterstützt und keine Fehler gemacht. Danke dafür. Es tut mir nur Leid für die Leute, die heute hier waren, um einen Sieg zu sehen. Das war leider nicht möglich."

Respekt für Rabat

Den Respekt seines hartnäckigen Gegners hat der Champion trotzdem sicher: "Das nächste Jahr wird er wieder da sein. Er ist schnell, er ist stark. Er wird der Mann sein, den wir schlagen müssen", ist sich Lüthi sicher. "Er hat eine brutale Konstanz und die wird er nächstes Jahr wieder haben. In Japan war es noch so, dass er am Anfang Mühe hatte, da konnte ich noch wegfahren. Als ich dann heute gesehen habe, dass er die volle Pace fährt, war ich natürlich sofort hellwach, sodass ich mithalten konnte. Die Konstanz ist seine große Stärke, und er macht wenige Fehler."

Auf Lüthi wartet nun ein Test in Jerez, von dem er allerdings noch keine allzu genauen Vorstellungen hat: "Ich habe mich voll auf diesen Job konzentriert. Nun habe ich den so gut es ging erledigt - besser als mit dem Sieg geht es ja nicht -, und jetzt fängt eine neue Geschichte an. Morgen fliegen wir alle zusammen nach Jerez, und dann werde ich sicher ein paar Leute sehen." Zwar kenne er schon ein paar seiner künftigen Kollegen, das Große und Ganze gilt es nun aber erst zu entdecken. "Aber dazu haben wir drei Tage Zeit, da wird sich jetzt alles einspielen."

Ob der Sieg von Valencia noch gebührend gefeiert werden kann, wird sich zeigen: "Uns steht trotzdem noch eine Menge Arbeit bevor. Wir müssen alles zusammenpacken, die Jungs müssen das Motorrad fertigmachen, das wird verkauft." Trotzdem ist Lüthi hoffnungsvoll: "Es gibt ein gemeinsames Essen, und ein bisschen Feiere wird schon auch noch dazwischenpassen. Das muss schon sein."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel