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Valentino Rossi (l.) und Marc Marquez (r.) werden wohl so schnell keine Freunde mehr
Valentino Rossi (l.) und Marc Marquez (r.) werden wohl so schnell keine Freunde mehr © Getty Images

Valentino Rossi gefährdet mit seinem Skandal-Manöver Ruf und Titel. Der "Doc" resigniert - die Konkurrenz fordert die Schwarze Flagge. Doch die Jury gibt auch Marquez Schuld.

Irgendwann wurde es Valentino Rossi schließlich zu bunt und ihm platzte der Kragen: Rundenlang hatte er sich zuvor mit dem Spanier Marc Marquez bekriegt, der offenbar alles versuchte, um ihn auszubremsen und so seinen Landsmann Jorge Lorenzo im WM-Kampf zu unterstützen.

Rossi ließ sich zu einem Tritt hinreißen, der Marquez zu Fall brachte und dessen Folgen immens sein könnten. Denn die Rennleitung ahndete die Aktion mit drei Strafpunkten, was zur Folge hat, dass der Italiener im letzten Saisonrennen vom letzten Platz starten muss – und das bei nur sieben Punkten Vorsprung auf den WM-Zweiten Lorenzo.

Doch sein unfaires Manöver gegen Weltmeister Marquez könnte Rossi weit mehr als nur den zehnten WM-Titel kosten: sein Vermächtnis auf dem Spiel.

"Haben den Respekt vor ihm verloren"

Für Lorenzo stand nach dem Rennen jedenfalls fest: "Wir haben den Respekt vor ihm als Sportler verloren. Er ist ein toller Fahrer, vielleicht der beste in der Geschichte. Ich glaube aber, dass viele Leute ihre Meinung über ihn als Sportsmann ändern werden."

Kollege Dani Pedrosa, dessen Sieg angesichts des Eklats fast unterging, erinnerte Rossi zudem an seine Vorbildfunktion. "Valentino war immer der größte Fahrer seiner Zeit. Er hat in seiner Karriere viele Fans auf der ganzen Welt gewonnen. Auch viele junge Piloten schauen zu ihm auf", sagte der Spanier.

"Das ist kein faires Finale"

Jorge Lorenzo (r.) kann das milde Urteil nicht nachvollziehen
Jorge Lorenzo (r.) kann das milde Urteil nicht nachvollziehen © Getty Images

Das milde Urteil mit drei Strafpunkten für Rossi stieß Lorenzo sauer auf. Seiner Meinung nach hätte der WM-Leader disqualifiziert werden müssen.

"Er hat Marc rausgeworfen. Marc ist gestürzt und hat keine Punkte geholt. Valentino hat aber 16 Punkte geholt. Valentino sollte die gleichen Punkte wie Marc bekommen. Dank seines Namens ist er dieses Mal nicht bestraft worden", sagte Lorenzo und legte nach: "Das ist kein faires Finale für die Meisterschaft. Für mich wäre er dann dieses Mal kein fairer Champion."

MotoGP-Legende Casey Stoner sah es ähnlich. "Wenn irgendein anderer Pilot das gemacht hätte, was Valentino gemacht hat, hätte er sofort die Schwarze Flagge gesehen. Es gibt einen Unterschied zwischen rücksichtslosem Fahren und dem bewussten Herausdrücken eines anderen", schreibt Stoner auf Twitter.

Marquez fährt hart, aber legal

Unbestritten wurde Rossi zuvor durch die harte Fahrweise von Marquez provoziert, der - für viele nicht zum ersten Mal – versuchte, Lorenzo im WM-Kampf zu unterstützen. Doch auch wenn Marquez für seine Manöver sicher keinen Fairplay-Preis verdient hat – er brach anders als Rossi keine Regel.

Zu diesem Schluss kam auch die Rennleitung, weshalb Marquez ungeschoren davon kam.

"Wir sind der Meinung, dass beide Schuld haben. Obwohl es Marquez anders sagte, glauben wir, dass er absichtlich die Pace von Valentino beeinträchtigen wollte. Er hat aber keine Regel gebrochen. Sein Verhalten hat aber leider eine regelwidrige Reaktion bei Rossi hervorgerufen", sagte Rennleiter Mike Webb.

Rossi fühlt sich unschuldig

Rossi gab dagegen zu, dass er absichtlich eine weite Linie fuhr, um Marquez abzuschütteln. Er wollte ihn einbremsen, damit er Zeit verliert.

Von einer Schuld will der "Doc" aber nichts wissen. Einen Tritt habe es nicht gegeben. "Marquez weiß, dass das nicht stimmt. Besonders von den Luftaufnahmen wird sehr deutlich, dass ich ihn nicht zum Stürzen bringen wollte", rechtfertigte sich der WM-Führende.

Der Spanier habe "noch schlimmer als in Australien sein schmutziges Spiel gespielt. Ich ging weit, weit, weit, bremste ab, wir standen fast und dann sah ich zu ihm rüber und sagte' F***, was verdammt tust du da?"

"Marquez hat seinen Kampf gewonnen"

Die Jury versuchte sich in Diplomatie: "Valentino ist unverantwortlich gefahren und hat einen Unfall verursacht. Wir glauben, dass der Kontakt beabsichtigt war. Er hat nicht gesagt, dass er wollte, dass Marquez stürzt, aber er wollte ihn nach außen drücken", erklärte Webb die Entscheidung der Rennleitung.

Auch der Einspruch von Rossis Team wurde abgewiesen, weshalb ein fast schon resigniert wirkender Rossi am Abend des Eklats sagte: "Marquez hat seinen Kampf gewonnen. Er hat dafür gesorgt, dass ich die Weltmeisterschaft verliere."

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