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Kann die Konkurrenz Weltmeister Sebastien Ogier herausfordern?
Kann die Konkurrenz Weltmeister Sebastien Ogier herausfordern? © xpbimages.com

Viele Neuheiten in Portugal: Neue Prüfungen, neue Boliden und Lackierungen - Ein Vorschau auf die wesentlichsten Aspekte des Rallye-Wochenendes

Alles neu macht der Mai: Die Rallye Portugal, fünfter von 13 Saisonläufen zur Rallye-Weltmeisterschaft 2015, wartet mit einer Fülle an Neuerungen auf. Neue Autos, Norden statt Süden und neue aber zugleich legendäre Wertungsprüfungen. Beste Vorzeichen also für ein spannendes Spektakel mit den weltbesten Lenkradakrobaten. Die Rallye Portugal führt über 16 Wertungsprüfungen (WP) mit 352,09 gezeiteten Kilometern.

Im Gegensatz zu den teils extrem schroffen, mit scharfkantigen Steinen gespickten südamerikanischen Schotterpisten erwartet die Akteure in Portugal ein sandigerer Fahrbahnbelag. "Der Untergrund dort ist eher weich, man hat mehr Grip und kann aggressiver fahren", erklärt Jari-Matti Latvala. Der Finne will mit seinem Michelin bereiften VW Polo R WRC nach drei Nullnummern in Folge endlich ein Top-Ergebnis einfahren.

An diesem Wochenende können Sebastien Ogier, Mads Östberg, Kris Meeke, Thierry Neuville und Co. zwischen zwei laufrichtungsgebundenen Reifenversionen mit unterschiedlichen Mischungen, aber dem gleichen asymmetrischen Profil wählen. Der härtere Michelin LTX Force H4 zeichnet sich durch seine äußerst robuste Konstruktion und große Aufstandsfläche aus, wodurch er hohe Langlebigkeit mit bestem Grip verbindet. Der H4-Pneu eignet sich für harte Untergründe und Temperaturen über 15 Grad Celsius.

Auf Strecken mit weicheren, sandigeren Oberflächen und bei Temperaturen unter 15 Grad Celsius entfaltet der Michelin LTX Force S4 sein volles Potenzial. Er ist so konstruiert wie der H4-Reifen, allerdings erweist sich seine Laufflächenmischung als besonders resistent gegen Überhitzung. So garantiert der Force S4 optimale Betriebstemperatur, hervorragende Traktion und hohe Kurvengeschwindigkeiten.

Die wichtigste Neuerung bei der Rallye Portugal: Erstmals seit fast anderthalb Jahrzehnten schlagen die rund 100 Teams ihre Zelte wieder im Norden des Landes auf. In der Region Norte, rund zehn Kilometer nordwestlich von Porto, gastierte der Rallye-Zirkus letztmals vor 14 Jahren. Doch nach jenem denkwürdigen Wochenende im März 2001, als die Veranstaltung sprichwörtlich im Schlamm versank, zog der portugiesische WM-Lauf in den Süden um.

Legendäre Prüfungen kehren zurück

Jetzt schlägt das Herz der Rallye wieder an ihrer alten, traditionsreichen Wirkungsstätte in der Nähe von Porto. Für Fans und Fahrer bringt dieser Wechsel gleich mehrere Highlights mit sich. Denn damit stehen am kommenden Wochenende wieder so klangvolle Wertungsprüfungs-Klassiker wie "Ponte de Lima", "Lousada" und "Fafe" auf dem Programm. Apropos: In den vergangenen Jahren nutzten zahlreiche Top-Piloten den Fafe-Sprint über die gleichnamige WP mit der legendären Sprungkuppe zum Probegalopp für die Rallye Portugal.

Am Sonntag fliegen die Drift-Asse im Rahmen des portugiesischen WM-Laufs gleich zwei Mal über den "Salto Da Pedra Sentada" - jenen legendären Sprunghügel, der bereits in den 1980er Jahren Hunderttausende frenetisch feiernde Fans anlockte. Keine Frage: Hier dürfte bei der Neuauflage des Klassikers erneut beste Volksfeststimmung herrschen. Bei der zweiten Durchfahrt zählt die 11,15 Kilometer lange WP als sogenannte Power Stage. Dann können sich die drei schnellsten Piloten bis zu drei zusätzliche WM-Punkte sichern.

Die 16 Wertungsprüfungen sind für die Mehrheit der Topfahrer absolutes Neuland. Der Service-Park gastiert im Messezentrum Exponor de Matosinhos. Am Donnerstag steht zunächst die Startzeremonie in Guimaraes auf dem Programm. Die 52.000-Einwohner-Stadt ist auch als "Wiege der Nation" bekannt, denn hier erblickte mit Alfons I. der erste König Portugals das Licht der Welt. Es folgt eine Zuschauerprüfung auf der Rallye-Cross-Strecke von Lousada. Am Sonntag wird sich dann zeigen, wer sich nach rund 352 WP-Kilometern zum neuen Rallye-König von Portugal krönen lässt.

Volkswagen unter Zugzwang

Ein heißer Siegkandidat ist Volkswagen-Fahrer Ogier. Der Weltmeister konnte diesen Lauf bereits vier Mal und mit drei unterschiedlichen World Rally Cars für sich entscheiden: 2010 im Citroen C4 WRC, 2011 am Steuer des Citroen DS3 WRC, 2013 und 2014 im Volkswagen Polo R WRC. An diesem Wochenende peilt Ogier seinen fünften Portugal-Triumph an - damit würde der 31-Jährige den Rekord von Markku Alen einstellen.

Doch nicht nur Ogier und Beifahrer Julien Ingrassia sind heiß auf den Sieg. Auch die Teamkollegen Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen wollen das schlechte Abschneiden beim vorangegangenen WM-Lauf in Argentinien mit einem Topergebnis vergessen machen. Denn in Villa Carlos Paz stand zum ersten Mal seit der Rallye Deutschland 2013 kein Volkswagen-Pilot auf dem Podium.

In Portugal darf der norwegische Youngster Mikkelsen zum ersten Mal mit dem Volkswagen Polo R der zweiten Generation an den Start gehen. Seine beiden Teamkollegen profitieren bereits seit Beginn dieser Saison von der aktuellsten Ausbaustufe des Allradlers. Die Konkurrenz von Ford und Citroen bringt bei der Rallye Portugal ebenfalls neue, respektive modifizierte Autos an den Start. So verfügt der überarbeitete Citroen DS3 WRC über ein neues Aerodynamik-Paket, das unter anderem neue vordere und hintere Stoßstangen beinhaltet.

M-Sport mit neuem Ford Fiesta

"Wir haben die neuen Teile sowohl im Windkanal als auch im Rahmen von Testfahrten erprobt. Die Autos haben jetzt deutlich mehr Abtrieb", erklärt Teamchef Yves Matton. "Gleichzeitig ist es uns gelungen, den Luftwiderstandsbeiwert merklich zu reduzieren." Fans dürfen sich ab dem portugiesischen WM-Lauf auch auf eine neue Kriegsbemalung der DS3 WRC freuen: Alle drei Werksautos erstrahlen nun in einer Kombination aus Weiß, Schwarz und Aluminium-Grau, gespickt mit grün-fluoreszierenden Details. Die Werksfahrer durften zudem die Farbe ihrer Dachlackierung frei wählen. Meeke entschied sich für Weiß, Östberg für Grau und Khalid Al-Qassimi setzt auf Rot.

Noch umfangreicher sind die Neuerungen beim Ford Fiesta RS WRC des M-Sport-Teams, der in Portugal sein Wettbewerbsdebüt feiern wird. Nach Aussage von Teamchef Malcolm Wilson handelt es sich um die bislang größte Weiterentwicklung des Allradlers. Das Design des World Rally Cars blieb zwar unverändert, aber unter dem Blechkleid handelt es sich um ein komplett neu entwickeltes Fahrzeug.

Große Hoffnungen setzt man bei M-Sport vor allem in den ebenfalls rundum neuen 1,6-Liter-Turbomotor, der sich durch eine gesteigerte Leistung und noch bessere Fahrbarkeit auszeichnen soll. So gerüstet sollen Elfyn Evans und Ott Tänak bei der Rallye Portugal im Kampf um den Sieg ebenfalls ein Wörtchen mitreden. Neben den beiden M-Sport-Fahrern kommen auch die Privatiers Lorenzo Bertelli, Martin Prokop und Robert Kubica in den Genuss des neuen Renngerätes.

Im vergangenen Jahr feierte Hyundai in Portugal mit dem i20 WRC die ersten WP-Siege. Bei der diesjährigen Ausgabe starten die im hessischen Alzenau beheimateten Koreaner mit drei Fahrzeugen für Hayden Paddon, Thierry Neuville und Dani Sordo. Die nächste Generation des i20 WRC steht für die kommende Saison in den Startlöchern.

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