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In der Rallye-WM wird mit 1,6-Liter Vierzylindern mit Turboaufladung gefahren
In der Rallye-WM wird mit 1,6-Liter Vierzylindern mit Turboaufladung gefahren © Volkswagen

Durch das hohe Tempo und die vielen Sprungkuppen stehen die Motoren bei der Rallye Finnland auf dem Prüfstand - Für die Ingenieure ist es der Saisonhöhepunkt

Die Rallye Polen und die Rallye Finnland sind die schnellsten Schotter-Rallyes in der Weltmeisterschaft. Während die Straßen in Polen relativ flach sind, gibt es in Finnland die berühmten Sprungkuppen. Neben gutem Handling ist vor allem eines gefragt: Leistung! Der 1,6-Liter-TSI-Vierzylinder mit Turbolader von Volkswagen leistet rund 318 PS.

Für die Saison 2015 optimierten die Ingenieure auf der einen Seite das Gewicht des Triebwerks, das nun exakt das Mindestgewicht von 81,5 Kilogramm wiegt. Trotzdem konnten Leistung und Drehmoment gesteigert werden. Für die Techniker ist Finnland eine ganz besondere Herausforderung, wie Volkswagen-Ingenieur Phil Barrett erklärt.

Frage: "Wir sind mitten in den 'Speedweeks' der Rallye-WM. Polen liegt hinter, Finnland vor uns - was macht die Magie der Rallye Finnland für einen Motoren-Ingenieur aus?"Phil Barrett: "Schlicht und einfach: Es geht um Tempo. Finnland ist eine von den Rallyes, bei der die Motorenleistung einen entscheidenderen Anteil an der Performance des Gesamtpakets World-Rally-Car hat als anderenorts."

"Neben Finnland zählen unter anderem Mexiko und Schweden dazu. Und dazu kommt noch, dass Finnland als Vollgas-Rallye die längste Geschichte und die größte Tradition hat. Wenn man so will: Für die Motorenabteilung ist Finnland die größte Herausforderung."

Frage: "Was genau sind denn die Anforderungen, die die Rallye Finnland an die Motoren stellt?"Barrett: "Man braucht so viel Pferdestärken wie möglich, so viel ist klar. Aber es gibt noch einen weiteren, wenig bekannten Effekt. Laut Reglement darf die Drehzahl eines Motors 8.500 Umdrehungen nicht überschreiten. Auf den langen Vollgas-Abschnitten und bei den vielen Sprüngen diesem Wert so nah wie möglich zu kommen, ohne ihn zu überschreiten, klingt leichter, als es tatsächlich ist."

"Denn wird die Drehzahl überschritten, greift ein System der FIA ein - und das sehr stark und abrupt. Man muss also sichergehen, das Maximaltempo ohne Eingreifen dieses Systems so hoch wie möglich zu halten. Aber: Man kann auch schnell mit einer zu konservativen Motorsteuerung fünf Stundenkilometer beim Topspeed einbüßen."

Frage: "Der Polo R WRC hält den Temporekord auf 'Ouninpohja'. Was meinen Sie - wird er dieses Jahr geknackt?"Barrett (lacht): "Ich würde gern mit einem klaren 'Ja' antworten. Aber ich denke, dass das auch von der Situation der Rallye abhängt. Wenn es wieder so eng wird wie in Polen - dann werden alle Fahrer ohne Kompromisse Vollgas geben. Und was den Polo R WRC angeht, ist er in allen Belangen besser geworden als 2013, als 'Ouninpohja' zuletzt ausgetragen wurde. Der Motor hat sich weiterentwickelt, aber auch die Aerodynamik und das Chassis. Das Gesamtpaket ist vor allem wegen des Chassis besser - also ist es theoretisch drin."

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