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DOSB Conference About Application For Olympics Games 2022 In Munich
Machbarkeitsstudie für Olympische Spiele 2022 in München © Getty Images

Köln - Die zurückgezogene Olympia-Bewerbung Oslos betrifft indirekt auch München. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Norwegens Regierungspartei Hiyre hat sich am Mittwoch gegen eine Bewerbung Oslos um die Olympischen Winterspiele 2022 ausgesprochen.

Dies bedeutet den Rückzug der norwegischen Hauptstadt.

Es verbleiben zwei Bewerber: Almaty/Kasachstan und Peking/China.

SPORT1 beantwortet die Fragen rund um die kuriose Situation.

Gab es schon einmal eine Bewerbung um Winterspiele mit nur zwei Bewerbern?

Ja, schon zweimal: Für 2006 Turin und Sion, für 1948 St. Moritz und Lake Placid.

1980 für Lake Placid und 1924 für Chamonix stand sogar nur jeweils ein Bewerber parat.

2006 hatte das IOC allerdings selbst die Bewerbungen von Helsinki/Finnland, Klagenfurt/Kärnten, Poprad/Slowakei und Zakopane/Polen nicht zugelassen.

Was bedeutet Oslos Rückzug für das Internationale Olympische Komitee (IOC)?

Allen gegenteiligen Beteuerungen des IOC-Präsidenten Thomas Bach zum Trotz ist dies ein harter Schlag.

Wie sehr das IOC Oslo im Bewerberkreis halten wollte, verdeutlichen zwei Initiativen des IOC, auf die es zuletzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit hingewiesen hat: die finanzielle Unterstützung des Bewerbungssiegers in Höhe von 696 Millionen Euro und die verstärkte Implementierung von Menschenrechtsfragen in die Bewerberverträge.

Beides überzeugte Oslo und Norwegen nicht mehr.

Wo liegt die Gefahr für das IOC?

Peking und Almaty erfüllen westliche Standards in Menschenrechtsfragen derzeit nicht.

Ein Imagewandel des IOC, dessen Ruf nicht zuletzt durch die Vorkommnisse während der Winterspiele in Sotschi weiter gelitten hat, dürfte unter diesen Umständen äußerst schwierig zu realisieren sein.

Ob Olympische Spiele in traditionellen Wintersportregionen noch eine Zukunft haben, ist seit Mittwoch fraglicher denn je.

Was bedeutet Oslos Rückzug für München?

Alle Olympia-Befürworter in München können sich noch einmal so richtig ärgern.

Hätte die bayerische Landeshauptstadt sich beworben, wären die Chancen mit dem Rückzug Oslos höher denn je gewesen.

München, das wegen mangelnder Unterstützung in den betroffenen Gemeinden zurückgezogen hat, hätte weltweit die erste Stadt sein können, in der Winter- und Sommerspiele stattgefunden haben.

Nun könnte es Peking werden.

Was bedeutet Oslos Rückzug für eine mögliche Bewerbung Hamburgs/Berlins?

Winterspiele sind das größere Sorgenkind des IOC als Sommerspiele.

Oslos Rückzug dürfte die Bewerbersituation für 2024 und 2028 nur wenig beeinflussen.

Dennoch ist das IOC jetzt mehr denn je gezwungen, die Bewerbungskriterien für Olympische Spiele zu reformieren.

Unter anderem von niedrigeren Kosten könnte auch ein deutscher Bewerber - und nicht zuletzt der Steuerzahler - profitieren.

Ist die Zukunft Olympischer Winterspiele in Gefahr?

Nein, zumindest nicht unmittelbar. Das IOC besitzt gewaltige Finanzreserven und zudem das Vertrauen der Sponsoren und TV-Partner.

Das alles gibt dem IOC Spielraum.

Solange das IOC mit seinen Spielen in Problemländer gehen kann, ohne die Geldgeber zu verprellen, ist Olympia sicher.

Sollte das Vertrauen auf breiter Front bröckeln, nicht mehr.

Wer ist nun Favorit für 2022?

Almaty, schon allein aus geografischen Gründen, sollte die Stadt eine vernünftige Bewerbung auf die Beine stellen.

Die Chance ist groß, dass das IOC nach Peking 2008, Pyeongchang 2018 und Tokio 2020 nicht schon wieder nach Peking beziehungsweise Fernost gehen will.

Zudem könnte das kasachische Konzept, ein altes Wintersportzentrum wiederzubeleben, besser zu verkaufen sein.

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