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Berlin oder Hamburg? Das DOSB fällt die Entscheidung © Sport1

München - Berlin oder Hamburg? Der DOSB gibt seine Empfehlung für die deutsche Bewerberstadt für die Olympischen Spiele 2024 ab. SPORT1 vergleicht die beiden Programme.

Winterspiele in München 2018 und 2022 sind gescheitert, jetzt geht es um Olympische Spiele im Sommer. Der DOSB will endlich die Verliererserie deutscher Bewerbungen beenden und zum ersten Mal seit 1972 das größte Sportereignis der Welt nach Deutschland holen.

Am Montagabend präsentiert eine vom Verband beauftragte Expertenkommission ihren Vorschlag für die deutsche Bewerberstadt. Am kommenden Samstag entscheidet dann der DOSB auf seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung darüber, wer ins Rennen gehen soll: Berlin oder Hamburg.

SPORT1 vergleicht die Bewerbungen beider Städte:

  • Konzept

Berlin: Bloß kein Luxus, dafür der Sport im Vordergrund – die Hauptstadt will einen Kontrapunkt setzen zum Gigantismus etwa von Peking 2008 oder Sotschi 2014. Alles für die Athleten in der sportbegeisterten Metropole eben. Über 58.000 Hotelbetten stehen in der 3,4-Millionen-Stadt zur Verfügung.

Außerdem punktet Berlin mit großer Symbolik: Die Medal Plaza würde am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor errichtet.

Hamburg: Auch die Hansestadt mag keinen Protz, muss aber wohl mehr ausgeben als Berlin. Das neue Olympiastadion soll neben dem Athletendorf auf einer Industriefläche des Hafens entstehen. Die Wege sollen so kurz wie möglich sein, aus dem Olympiagelände wird nach den Spielen der neue Stadtteil "OlympicCity".

Von dort aus sind laut Hamburgs Innensenator Michael Neumann fast alle weiteren Sportstätten in 30 Minuten "zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar".

  • Wettkampfstätten

Berlin: Olympiastadion, Max-Schmeling-Halle, O2-World, Velodrom und Schwimmhalle stehen alle bereits und sind wenn überhaupt moderat modernisierungsbedürftig. Neu gebaut werden eine Halle mit 10.000 Plätzen für Handball sowie jeweils eine für 5000 Zuschauer für Badminton und Rhythmische Sportgymnastik beziehungsweise Gewichtheben und Taekwondo.

Hamburg: Neben dem 70.000 Zuschauer fassenden Olympiastadion müssen eine Schwimmhalle mit 15.000 Plätzen, eine Arena mit ebenfalls 15.000 Plätzen für Turner, Rhythmische Sportgymnastinnen und Basketballer, ein Rugby-Stadion und eine Kanustrecke neu gebaut werden.

Das Stadion des HSV ist für Fußball vorgesehen, das des FC St. Pauli für Hockey. Sportstätten zum Beispiel für Bogenschießen, Gewichtheben oder Bahnradrennen sind ebenfalls vorhanden. Handball wird in der Arena des Bundesligisten HSV Hamburg gespielt.

  • Kosten

Berlin: Es hört sich märchenhaft an. Gerade einmal zwei Milliarden Euro soll Olympia in Berlin kosten, ein Fünfundzwanzigstel der Spiele in Sotschi. Und wie das bei Märchen so ist, glauben viele nicht dran, wie zum Beispiel das Deutsche Institut für Wirtschaftswissenschaften. 1,5 Milliarden gehen in die Wettkampfstätten, jeweils 250 Millionen in Trainingsstätten und die Modernisierung von Bestandsgebäuden.

Eine Kostensteigerung von 20 Prozent wegen der Inflation ist vom Bewerberkomitee bereits angekündigt, macht am Ende also 2,4 Milliarden. Das offizielle Argumentationspapier der Stadt Berlin weist jedoch ganz am Schluss darauf hin, dass noch weitere Kosten hinzukämen, "die jetzt noch nicht ermittelt werden mussten, sondern erst im Falle einer tatsächlichen internationalen Berliner Bewerbung erhoben werden würden".

Diese betreffen die eigentliche Durchführung der Spiele, also etwa Eröffnungs- und Schlussfeier, Security oder die Organisation des Olympiadorfs. In London 2012 kostete allein dieser Spaß fast vier Milliarden Euro.

Hamburg: Eine offizielle Kostenprognose liegt hier noch nicht vor. Diese soll es erst geben, wenn sich der DOSB offiziell für Hamburg entscheidet. Allein die Bewerbung kostet Hamburger Angaben zufolge schon 30 Millionen Euro, andere halten 50 Millionen für realistischer. Als operative Gesamtkosten soll die Stadt 6,5 Millarden Euro eingeplant haben.

  • Erfahrung mit Großereignissen

Berlin: Am Ende der aktuellen Fußball-Saison richtet Berlin in der Champions League und im DFB-Pokal zwei große Endspiele aus, hat als Finalort schon lange Erfahrung. Keine andere Olympiastadt kann auf eine so lange und erfolgreiche Nutzung ihres Stadions verweisen, schließlich stammt die Schüssel im Westend noch von den Spielen 1936.

Fußball-WM, Leichtathletik-WM, Schwimm-EM: Berlin hat sich auf höchster Ebene schon mehrfach bewiesen. Sorgen macht jedoch der mittlerweile komödiantische Neubau des Flughafens in Schönefeld, der Berlins Image mitgenommen hat.

Hamburg: Auch Hamburg war Spielort der WM 2006, richtete außerdem das Finale der Europa League 2010 aus. Hinzu kommen das traditionsreiche Tennisturnier am Rothenbaum, der Hamburg-Marathon, das Final Four im DHB-Pokal und ein Radrennen im Rahmen der UCI World Tour.

Hamburg bewarb sich bereits für die Spiele 2012, hatte dort keine Chance gegen London. Auch die Hanseaten haben im Übrigen ihr desaströses Großprojekt mit der Elbphilharmonie.

  • Stimmung in der Bevölkerung

Berlin: Viele Experten glauben nicht an den Traum von günstigen Spielen, genauso wenig wie die Bevölkerung. Bei einer Forsa-Umfrage im Februar waren 55 Prozent der befragten Berliner für eine Bewerbung, 39 Prozent dagegen – ein deutlich negativeres Bild als in Hamburg.

Hamburg: Hier stimmten 64 Prozent dafür, 32 dagegen. Ende Februar versammelten sich knapp 20.000 Menschen zum "Olympischen Alsterfeuer" und warben trotz Regen und Kälte für Olympia in Hamburg. In Berlin wäre so eine Aktion kaum denkbar.

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