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Julian Meißner
SPORT1-Redakteur Julian Meißner sieht im Nein zu Olympia 2024 eine Ohrfeige für die Funktionäre Alfons Hörmann und Thomas Bach (v.r.) © SPORT1 / Getty Images

München - Es ist ein Denkzettel für die Sportfunktionäre. Doch so verständlich Hamburgs Nein zu Olympia ist, es trifft auch die Falschen. SPORT1-Meinung zur geplatzten Bewerbung.

Die Botschaft ist mehr als deutlich. Deutschland will und wird nach dem zweiten gescheiterten Referendum in gut zwei Jahren lange nichts mehr mit der Ausrichtung Olympischer Spiele zu tun haben.

So verständlich das ist, so traurig ist es. Hamburg stimmte schließlich nicht gegen den Sport oder die Olympische Idee. Vielmehr kam das tiefe Misstrauen der Bürger gegenüber einer zu Recht in Verruf geratenen Branche zum Ausdruck.

Angesichts der Skandale um Korruption und Gigantismus bei sportlichen Großveranstaltungen, der aberwitzigen "Aufarbeitung" der Dopingkrise sowie mit Misswirtschaft und Fehlkalkulation bei Bauprojekten vor Augen kann man kann es keinem verdenken, mit Nein gestimmt zu haben.

Zumal es tatsächlich wichtigere gesellschaftliche Herausforderungen gibt als die Ausrichtung Olympischer Spiele, die sich in ihrem Wesen immer weiter von dem entfernt haben, wofür sie einmal standen.

Man könnte also meinen: Gut so, endlich bekommen die selbstgerechten Strippenzieher mal eins ausgewischt.

Doch so einfach ist es leider nicht. Das Votum ist nicht nur eine schallende Ohrfeige für die deutschen Sportfunktionäre, allen voran IOC-Boss Thomas Bach, dessen Reformbemühungen es ganz offensichtlich an Glaubwürdigkeit mangelt.

Es trifft eben auch die Sportler. Nicht die Spitzenverdiener aus dem Fußball, sondern diejenigen, die ihre Wettkämpfe meist vor einer Handvoll Zuschauer ausrichten, um jeden Sponsor kämpfen müssen und bei Olympia die seltene Chance haben, ins Rampenlicht zu treten. Der oft beklagte geringe Stellenwert der Randsportarten wird sicher nicht steigen ohne die Vision der Spiele im eigenen Land am Horizont.

Zwar wären Hamburgs Chancen gegen Los Angeles, Rom und Paris ohnehin eher gering gewesen. Doch mit einer von der Bevölkerung gestützten Bewerbung hätte man deutlich gesagt: Wir wollen das, wir können das. Wir gestalten, statt uns zu verweigern.

So überlässt man das Feld anderen.

In Deutschland, und das ist der traurige Kern, hat die Mehrheit den Glauben an eine Wende zum Guten offenbar verloren.

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