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Japan untersucht die Bestechungsvorwürfe
Japan untersucht die Bestechungsvorwürfe © Getty Images

Nach den Bestechungsvorwürfen gegen die Spiele in Tokio will die Regierung für klare Verhältnisse sorgen und kündigt Gespräche mit allen Beteiligten an.

Die japanische Regierung hat im möglichen Bestechungsskandal um die Olympischen Spiele 2020 in Tokio offizielle Untersuchungen angekündigt.

"Wir sind bestrebt, Fakten zu liefern", sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga auf einer Pressekonferenz am Freitag.

Laut Olympiaminister Toshiaki Endo werden hierfür Regierungsvertreter mit Offiziellen der Stadt Tokio sowie des nationalen Olympischen Komitees Gespräche führen.

Suga und Endo betonten ihre Zuversicht, dass es im Zuge der Vergabe der Sommerspiele keine Bestechung gegeben habe.

Zusätzliche Nahrung erhielten die Vorwürfe allerdings durch einen Bericht der Tageszeitung Asahi Shimbun. Das Blatt zitiert "mehrere Mitglieder des Bewerbungskomitees", die von einem formal nicht zum Komitee gehörenden Team berichten, das "unbekannte" Aktivitäten durchgeführt haben soll. 

Tokios Organisationskomitee war zuletzt angesichts neuer Vorwürfe unter Druck geraten. Französische Ermittler verdächtigen die japanischen Verantwortlichen, zwei Millionen Dollar an Papa Massata Diack, Sohn des ehemaligen Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, Lamine Diack, gezahlt zu haben.

Die französische Polizei untersucht laut Nachrichtenagentur AFP bereits die Zahlungsvorgänge. Die Abwicklung soll über ein Konto in Singapur gelaufen sein, die dortigen Behörden unterstützen die Ermittlungen.

Lamine Diack, von 1999 bis 2013 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), soll zusammen mit weiteren Beschuldigten innerhalb der IAAF ein Korruptionssystem installiert haben, um unter anderem positive Dopingproben gegen Zahlungen von Schmiergeldern zu vertuschen.

Diack soll dabei mehr als eine Million Euro kassiert haben. Papa Massata Diack wird im IAAF-Korruptionsskandal Beihilfe zur Bestechlichkeit, Bestechung und Geldwäsche vorgeworfen.

Tokios OK hatte die Vorwürfe in einer Stellungnahme bereits zurückgewiesen.

"Das Organisationskomitee weiß nichts von diesen Anschuldigungen. Wir glauben, dass die Spiele aufgrund der besten Bewerbung an Tokio vergeben wurden", sagte Sprecherin Hikariko Ono.

Das IOC teilte mit, es sei in Kontakt mit den französischen Behörden: "Das IOC ist jetzt Zivilpartei im Verfahren der französischen Justiz."

IOC-Präsident Thomas Bach betonte: "Das IOC hat alle Instrumente und die Entschlossenheit, effektiv gegen Korruption zu kämpfen. Aber wie andere Organisationen sind wir nicht immun gegen Fehlverhalten. In solchen Fällen haben wir nachweislich schnell reagiert."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Olympia-Vergabe an Tokio Fragen aufwirft. So hatte es unter anderem in einer Fußnote im zweiten Teil des Berichts der unabhängigen WADA-Untersuchungskommission geheißen, dass Istanbul, Bewerberstadt für Olympia 2020, die Unterstützung Diacks verlor, weil die Türkei keinen Sponsorendeal in Millionenhöhe abschloss. 

Grundlage ist ein Transkript eines Gesprächs zwischen türkischen Vertretern und einem Sohn Diacks. Letztendlich bekam Tokio den Zuschlag.

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