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Rodenstock Sports Talk At Opti 2016 In Munich
Stefan Blöcher gewann mit dem deutschen Hockey-Team 1984 und 1988 Silber bei Olympia. © Getty Images

Zahlreiche aktive und ehemalige Olympioniken greifen das IOC und Präsidenten Thomas Bach an. Die Vorwürfe sind deutlich, von "geisteskrank" bis "fatal".

Dass Russlands Athleten nicht von den Olympischen Spielen 2016 ausgeschlossen worden sind, sorgt für immer mehr Unmut bei vielen Aktiven und Ehemaligen. 

Das IOC hatte am Sonntag entschieden, dass ein Rumpfteam des mit dem Vorwurf des Staatsdopings konfrontierten Landes an den Wettkämpfen von Rio de Janeiro teilnehmen darf. Auch wenn die Sportler dafür strenge Anforderungen erfüllen müssen, die Entscheidung wird vielfach kritisiert. 

SPORT1 hat die Reaktionen von aktiven und ehemaligen Olympioniken zusammengefasst:

Steffen Deibler (Schwimmen, Starter über 100 Meter Schmetterling):

"Ich bin enttäuscht über die Entscheidung, finde sie sehr schade. Für den sauberen Sport wäre ein Komplett-Ausschluss ein gutes Signal gewesen."

Jan-Philip Glania (Schwimmen, Starter über 100/200 Meter Rücken):

"Das ist ein Schlag ins Gesicht aller teilnehmenden sauberen Sportlerinnen und Sportler. Es zeigt, dass das IOC und Thomas Bach dem politischen Druck der Russen nachgegeben haben. Sie versuchen sich als Diplomaten, produzieren aber einen sportpolitischen Fehlschlag, der keine abschreckende Wirkung auf die Russen hat."

Michael Groß (Ex-Schwimmer, Olympiasieger 1984 und 1988):

"Diese Entscheidung ist so, als ob das IOC auf einem anderen Planeten sitzen würde und von da entscheidet. Das Signal ist für jeden Sportler fatal. Wie soll sich ein Leistungssportler noch motivieren, wenn er weiß, dass Lug und Trug Tür und Tor geöffnet sind?"

Stefan Blöcher (Ex-Hockeyspieler, Olympia-Silber 1984 und 1988):

"Schon in Sotschi hätte er sich selbst fragen müssen, ob er noch der Richtige ist. Er hat sich total unglaubwürdig gemacht. Die größte Sauerei ist die Vergabe der Winterspiele 2022 nach Peking. Danach hätte Bach schon entlassen werden müssen. Das ist geisteskrank! Ich denke, Olympia wird nie wieder so sein, wie es mal war."

Marie-Laurence Jungfleisch (Hochsprung, in Rio dabei):

"Letztes Jahr in Peking [bei der WM] ist eine Russin Dritte geworden, und dieses Jahr, vor zwei Monaten, wurde sie erwischt. Da denkt man dann, ich hätte auch einen Platz besser sein können. Das ist natürlich traurig."

Hendrik Pfeiffer (Marathon, fällt verletzt aus, wäre sonst dabei gewesen):

"Das ist eine Bankrotterklärung für den Verband. Sauberen Sportlern wird vor den Kopf gestoßen. Jetzt wird gezeigt: Fangt an, zu dopen! Das ist ein absoluter Skandal, ein Schlag ins Gesicht."

Greg Rutherford (Weitspringer, Großbritannien):

"Das ist ein rückgratloser Versuch, als netter Kerl für beide Seiten zu erscheinen. Das IOC hat es verpasst, eine klare Botschaft der Transparenz und des Fortschritts zu senden. Was wir jetzt haben, ist ein schmutziger, grauer Bereich, womit niemandem geholfen ist. Die Einführung einer Last-Minute-Verbannung für russische Athleten, die schon einmal eine Dopingsperre abgesessen haben, gleichzeitig Athleten aus anderen Ländern mit genau der gleichen Geschichte aber zuzulassen, ist, als würde man einen hungernden Mann bitten, 'Danke' zu sagen, wenn man ihm ein einziges Reiskorn gibt. Das ist eine erstaunliche Widersprüchlichkeit."

Dirk Nowitzki (Basketball, diesmal nicht qualifiziert):

"Das ist verdammt schwer zu analysieren. Ich glaube, dass es die richtige Entscheidung war, alle zuzulassen, die damit nicht zusammenhängen. Du kannst einem russischen Athleten, der immer alles sauber gemacht hat, der seit vier Jahren oder sein ganzes Leben auf diesen Moment hinarbeitet, nicht einfach seinen Traum zerstören."

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