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Andrea Petkovic feierte in Rio ihr Olympia-Debüt. 2012 musste sie verletzungsbedingt absagen
Andrea Petkovic feierte in Rio ihr Olympia-Debüt. 2012 musste sie verletzungsbedingt absagen © Getty Images

Rio de Janeiro - Das Erstrunden-Aus im Einzel hat Andrea Petkovic gut verkraftet. Bei SPORT1 erklärt sie warum, spricht über olympische Begegnungen und das Doppel mit Kerber.

Niederlagen können mehr oder weniger weh tun, das kennt jeder Sportler. Das Erstrunden-Aus in Rio de Janeiro gegen die Ukrainerin Jelina Switolina steckte Olympia-Debütantin Andrea Petkovic vergleichsweise gut weg. 

Zum einen hatte sie "einen der besten Sätze des Jahres" gespielt, bevor sie wegen Problemen mit dem Aufschlag völlig den Faden verlor, ihre Gegnerin stark machte und letztlich verdient in drei Durchgängen unterlag.

Zum anderen aber, und das erschien ihr bei aller Enttäuschung offensichtlich wesentlich wichtiger, hat die 28-jährige Darmstädterin an der Copacabana ihre Seele massiert durch den Ausbruch aus dem Hamsterrad des Tennis-Zirkus.

"Die Essenz meines Sports" 

"Es ist eine komplette Reizüberflutung. Sehr viele Sachen waren neu für mich", berichtete sie im Gespräch mit SPORT1 über das Leben im Athletendorf: "Das war eine sehr wichtige Erfahrung für mich, da es mich wieder näher an die Essenz meines Sports gebracht hat. Ich weiß wieder, worum es geht. Es hat mich daran erinnert, warum ich angefangen habe, Tennis zu spielen."

Warum hat sie angefangen Tennis zu spielen? "Es gibt einem unheimlich viel fürs Leben mit, im Sport zu sein. Die Gemeinsamkeit, unabhängig von Geschlecht oder Herkunft, das Hinarbeiten auf ein Ziel."

Diese Erfahrung bei den Spielen habe die Kraft, "vielleicht noch einmal etwas zu verändern bei mir."

Anfangs alleine und staunend 

Wer über sechs Millionen Dollar an Preisgeld gewonnen hat in seiner Karriere und das ganze Jahr mit der Entourage der WTA kreuz und quer über den Globus reist, lebt in einer Blase.

Petkovic als reflektierte Person nimmt das natürlich sehr bewusst wahr und genießt umso mehr die Begegnungen, die ihr in Brasilien widerfahren.

Am Anfang sei sie fast nur alleine und staunend herumgelaufen, viele Tennisspieler hatten Probleme mit ihren Flügen. Und so saß sie eines Tages beim Frühstück in der gigantischen Mensa, blieb aber nicht lange alleine.

Petkovic blendet Negatives aus 

"Da haben sich sechs Kongolesen um mich rumgesetzt", erzählte Petkovic lachend:  "Ich glaube, die hatten Mitleid mit mir. Wir haben nicht einmal miteinander geredet, sie waren einfach da. Das war ein total schönes Erlebnis und hat mir gezeigt, dass es hier keine Grenzen gibt."

Olympia in seiner Reinform. Dass die Bewegung, vielleicht ist es eher eine Organisation mittlerweile, dieser Tage quasi unter Dauerbeschuss ist angesichts immer neuer Meldungen über Doping, Betrug und Korruption, blendet Petkovic aus. Einen Schatten über den Spielen spürt die Weltranglisten-40. nicht.

"Ich habe natürlich viel gelesen vorher, aber sobald ich hier ankam, ist das alles in den Hintergrund getreten", sagte sie: "Hier habe ich keinen Sinn für etwas Negatives gehabt. Und ich denke, das Wesentliche im Sport überlebt. Es ist größer."

Im Doppel mit Kerber 

Wie lange sie diese Größe spüren darf, hängt nun vom Abschneiden im Doppel ab, wo sie ab Sonntag mit ihrer Zimmerkollegin Angelique Kerber antritt.

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"Mit ein bisschen Glück können wir für die eine oder andere Überraschung sorgen", sagte Petkovic: "Wir sind zwar nicht eingespielt, harmonieren menschlich aber sehr gut.“

Letzteres dürfte ihr ohnehin wichtiger sein.

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