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Christina Schwanitz blieb über einen Meter unter ihrer Saisonbestleistung
Christina Schwanitz blieb über einen Meter unter ihrer Saisonbestleistung © Getty Images

Nach Robert Harting sorgt auch Christina Schwanitz für eine Enttäuschung. Die Goldhoffnung verpasst eine Medaille deutlich, eine Amerikanerin gewinnt dramatisch.

Die Fotografen stürzten sich auf Michelle Carter und bildeten eine Traube um sie, Valerie Adams lief Richtung Tribüne und ließ sich von den Fans feiern - und Christina Schwanitz? Packte ihre Tasche.

Es wurde nur Rang sechs statt Gold, Silber oder Bronze für die Kugelstoß-Weltmeisterin, die wenige Stunden nach dem bitteren Quali-Aus von Robert Harting für die zweite Riesen-Enttäuschung beim Auftakt der deutschen Leichtathleten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro sorgte.

Beim etwas überraschenden Sieg der Amerikanerin Carter, WM-Dritte 2015 in Peking, blieb die 30 Jahre alte Sächsin deutlich unter ihren Möglichkeiten.

"Wer will, verliert"

Schwanitz, trotz Verletzungssorgen und Trainingsrückstand im Juli auch Europameisterin geworden, wirkte nach dem Wettkampf etwas ratlos.

„Ich hatte überhaupt kein Gefühl. Die Leichtigkeit war komplett weg. Ich war viel zu verkrampft und wollte unbedingt", sagte sie: "Und wer will, verliert.“

Sie redete jedenfalls nicht um den heißen Brei herum: "Ich habe einfach verkackt", so Schwanitz in der ARD.

Carter gewinnt mit letztem Wurf

Die Deutsche kam im nicht einmal halb besetzten Olympiastadion nicht über 19,03 m hinaus und zeigte einen ihrer schwächsten Wettkämpfe seit Jahren. "Ich behaupte, dass mir die vielen Wettkämpfe fehlen, die Routine war nicht da", sagte sie angesichts ihrer gesundheitlichen Probleme seit dem vergangenen Herbst. Jetzt gelte es, die Sache abzuhaken "und nächstes Jahr neu anzugreifen".

Carter dagegen steigerte sich im letzten Versuch auf den neuen US-Rekord von 20,63 m, und verhinderte den historischen dritten Gold-Triumph in Serie der Neuseeländerin Adams (20,42).

„Die haben einen richtig geilen Krimi gehabt. Nur war ich leider nicht mit dabei“, meinte Schwanitz.

Bronze ging an die Ungarin Anita Marton (19,87). Vizeweltmeisterin Gong Lijiao aus China (19,39) wurde Vierte.

Schwanitz hatte nur schwer in den Wettkampf gefunden, startete mit den schwachen 19,03 m und konnte sich nicht mehr steigern. Die Versuche zwei bis vier machte sie frustriert ungültig, ihre Körpersprache verriet ihre Ratlosigkeit - im letzten Versuch gelangen ihr nur indiskutatble 18,92 m.

Kein Happy End

Die gebürtige Dresdnerin verpasste damit das Happy End einer schwierigen Saison. Im vergangenen Herbst hatte sich Schwanitz am chronisch schmerzenden Knie operieren lassen, danach verhinderten hartnäckige Schulterschmerzen einen frühzeitigen Saisoneinstieg. Zwischen den ersten Wettkampfstößen und dem Erfolg in Rio lagen gerade einmal zwei Monate.

"Das dürfte ein klarer Dreikampf werden. Und dann werden Kleinigkeiten entscheiden", hatte Schwanitz noch nach der Qualifikation am Morgen gesagt, als sie mit 19,18 m bei strömendem Regen die zweitbeste Weite hinter Adams (19,74) erzielt hatte. Im Finale funkte dann aber noch die wuchtige Carter dazwischen – und Schwanitz schaute in die Röhre.

„Momentan ist mein Gemütszustand so, dass unter die Dusche will, mir eine Decke über den Kopf ziehen und nichts mehr sehen und hören möchte“, sagte sie, obwohl sie Platz sechs bei Olympia immer noch als vorzeigbar wertete.

Frustabbau am Ehemann

Während ihrer Leidenszeit im Frühjahr hatte das Energiebündel aber das sonst so sonnige Gemüt verloren, schob wochenlang Frust - und ausbaden musste es Ehemann Tomas. "Er hat am meisten gelitten. Ich hatte oft schlechte Laune, war oft unzufrieden", sagte Schwanitz.

Spätestens mit ihrem EM-Titel meldete sich die Weltmeisterin aber Anfang Juli zurück, die 20,17 m von Amsterdam waren ein echter Fingerzeig in Richtung Rio - der Traum von einer Olympia-Medaille war lebendiger denn je. Und platzte dann jäh. Mit der Weite von Amsterdam wäre sie in Rio Dritte geworden. Immerhin.

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