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IOC-Präsident Thomas Bach bei seiner Eröffnungsrede in Rio de Janeiro
IOC-Präsident Thomas Bach bei seiner Eröffnungsrede in Rio de Janeiro © Getty Images

IOC-Präsident Thomas Bach verteidigt erneut die Haltung des IOC in der Russland-Problematik und verweist auf Deutschland nach der Wende.

IOC-Präsident Thomas Bach hat seinen Kritikern in Deutschland eine Doppelmoral vorgeworfen und die Entscheidung in der Russland-Frage erneut verteidigt.

"Ich glaube, die Entscheidung ist sehr wohl nachvollziehbar", sagte Bach in einem Interview mit der Bild. Moralisch handeln heiße, jedem einzelnen Athleten Gerechtigkeit angedeihen zu lassen: "Sippenhaft ist nicht moralisch."

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Vergleich Russland mit der DDR

Der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim verglich den Russland-Fall mit der Situation in Deutschland nach der Wiedervereinigung.

"Damals hat jedoch kein Mensch danach gerufen, die deutsche Mannschaft von den Olympischen Spielen 1992 auszuschließen, weil zur gleichen Zeit das Staatsdoping-System der DDR aufgedeckt wurde", sagte Bach.

Von den Menschen in seinem Heimatland scheint er sich besonders ungerecht behandelt zu fühlen. Es sei festzustellen, sagte Bach, dass "die Entscheidung in Deutschland vom Mainstream sehr einseitig betrachtet wird".

Dabei werde "überwiegend politisch argumentiert. Hier geht es jedoch um Gerechtigkeit und nicht um Politik. Gerechtigkeit muss unabhängig von politischen Einschätzungen sein."

Bach verwies darauf, dass die Ermittlungen gegen Russland noch nicht beendet seien. "Weitere Sanktionen werden folgen", sagte er.

Viel Zustimmung von Athleten und Verbänden

Die Kritik, die russischen Athleten wegen nachgewiesenen Staatsdopings nicht komplett von den Olympischen Spielen in Rio ausgeschlossen oder Russland nicht schärfer bestraft zu haben, sieht er gelassen.

Man habe "enorm viel Zustimmung von Athleten aus aller Welt, internationalen Verbänden und nicht zuletzt der IOC-Versammlung, wo es nur eine einzige Gegenstimme gab", bekommen, sagte Bach. Im Sport gebe es keine Sippenhaft. "Das ist in der weiten Welt sehr gut verstanden worden."

Keine Gnade für Stepanowa

In der Frage nach Gerechtigkeit im Fall der Whistleblowerin Julia Stepanowa, die als Kronzeugin das staatlich gelenkte Dopingsystem aufgedeckt hatte und trotzdem nicht in Rio starten durfte, verwies Bach auf die entsprechende Empfehlung der IOC-Ethikkommission.

"Julia Stepanowa hat über viele Jahre gedopt und von diesem System profitiert. Erst als das System sie nicht mehr schützen konnte und sie gesperrt wurde, hat sie ausgesagt. Die Ethik-Kommission ist zu dem Schluss gekommen, dass diese Umstände es nicht rechtfertigen, das Grundgesetz des IOC für sie zu ändern", sagte Bach.

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