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Der Äthiopier Feyisa Lilesa nutzt die Siegerehrung im Marathon für eine politische Botschaft
Der Äthiopier Feyisa Lilesa nutzt die Siegerehrung im Marathon für eine politische Botschaft © getty images

Politische Statements sind bei den Olympischen Spielen eigentlich streng verboten. Der Äthiopier Feyisa Lilesa setzt trotzdem gleich zwei Mal ein Zeichen.

Feyisa Lilesa tat es sogar noch ein zweites Mal. Am Ende einer denkwürdigen Pressekonferenz kreuzte der Silbermedaillengewinner des olympischen Marathons erneut die Arme über seinem Kopf - die Geste, die er bereits beim Überqueren der Ziellinie gemacht hatte.

Der Äthiopier pfiff dabei auf alle Regeln des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die politische Statements verbieten. Doch genau das gab der 26-Jährige ab: Mit seiner Geste protestierte Lilesa gegen die Behandlung seines Volkes der Oromo durch die Regierung in Addis Abeba.

Angst vor der Rückkehr

"Ich habe Verwandte, die im Gefängnis sitzen. Wenn man über Demokratie spricht, wird man getötet. Wenn ich nach Äthiopien zurückgehe, werde ich vielleicht getötet. Oder sie werfen mich ins Gefängnis", sagte Lilesa: "Es ist sehr gefährlich. Vielleicht muss ich in ein anderes Land gehen."

Die Region Oromia wird seit Monaten von Auseinandersetzungen zwischen regierungskritischen Demonstranten und Sicherheitskräften erschüttert.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) seien dabei seit November 400 Menschen getötet und mehrere Tausend verhaftet worden. Die Oromo fühlen sich gegenüber anderen Ethnien benachteiligt.

"Die Regierung tötet unser Volk", sagte Lilesa, der nach dem Rennen in einer hochemotionalen Pressekonferenz seine Gefühle öffentlich machte. 

Wohl keine Konsequenzen

Der Gewinner des Tokio-Marathons in diesem Jahr nutzte dazu die große Bühne, obwohl nach Regel 50.3 "jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda" verboten ist.

Konsequenzen drohen Lilesa wohl nicht. Bei der Siegerehrung im Rahmen der Abschlussfeier im Maracana hängte ihm IOC-Präsident Thomas Bach die Silbermedaille um den Hals und tätschelte ihm dabei liebevoll den Hinterkopf.

Und: Bach sagte ihm mit einem Lächeln auf den Lippen auch ein paar Worte. Was, das blieb zunächst offen.

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