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Die deutsche Nationalmannschaft musste sich im Halbfinale am Ende mit nur einem Treffer geschlagen geben © Getty Images

Die deutsche Nationalmannschaft bekommt im Halbfinale bei den Olympischen Spielen von Frankreich phasenweise die Grenzen aufgezeigt. Eine späte Aufholjagd bleibt unbelohnt.

Der Traum der deutschen Handballer von einem Happy End platzte drei Sekunden vor Schluss. Daniel Narcisse sprang hoch, warf - und aus den Bad Boys wurden die Sad Boys.

In einem verrückten Halbfinal-Krimi unterlag die DHB-Auswahl nach einer schier unglaublichen Aufholjagd und einer dramatischen Endphase dem Top-Favoriten Frankreich mit 28:29 (13:16), sie verpasste damit denkbar unglücklich und knapp die Chance auf den ersten deutschen Olympiasieg seit dem DDR-Gold 1980 in Moskau.

"Das ist ganz bitter", sagte Kreisläufer Patrick Wiencek, "Frankreich hätte keine Chance gehabt, wenn wir immer so gespielt hätten wie in der Schlussphase."

Debakel abgewendet - Traum geplatzt

Die Bad Boys wurden allerdings erst böse, als es eigentlich schon viel zu spät war. "Wenn du gegen die Franzosen gewinnen willst, musst du 100 Prozent an deinem Limit spielen, das haben wir 40 Minuten nicht getan", sagte Teamchef Bob Hanning und räumte ein: "Die Niederlage ist verdient, wenn man das ganze Spiel anschaut."

Als "Trostpreis" winkt dem Europameister nun aber die Bronzemedaille. Gegner im Spiel um Platz drei ist am Sonntag (10.30 Uhr OZ/15.30 Uhr MESZ) Polen. Das bislang letzte olympische Edelmetall hatte Deutschland 2004 mit Silber in Athen gewonnen.

Die DHB-Auswahl zeigte lange Zeit ihre schlechteste Turnierleistung, ein Debakel drohte. Dann aber nahmen die Bad Boys ihr Herz noch einmal in beide Hände und kamen nach einem 15:22-Rückstand in der 42. Minute plötzlich sogar noch auf einen Treffer heran - 58 Sekunden vor Schluss stand es 28:28.

Dann kam Nasrcisse, der ehemalige Kieler. Beste deutsche Torschützen waren Kapitän Uwe Gensheimer mit elf Treffern und Julius Kühn (acht Tore).

Auf dem Weg in die Geschichtsbücher

Vor allem die zuletzt hoch gelobte Abwehr hatte die ausgebufften Franzosen um Superstar Nikola Karabatic nie richtig in den Griff bekommen. Zudem erwischte EM-Held Andreas Wolff einen rabenschwarzen Tag im Tor. Doch auch vorne scheiterten die deutschen Olympia-Debütanten wahlweise an den eigenen Nerven - oder an Torwart-Ikone Thierry Omeyer im französischen Kasten.

Die Franzosen, die in Narcisse ihren besten Torschützen (sieben Treffer) hatten, haben ihr großes Ziel unterdessen weiter fest im Blick. Ein Sieg fehlt dem Olympiasieger von 2008 und 2012 noch zum historischen Gold-Hattrick. Drei Olympiasiege hintereinander hat bislang noch kein Männerteam geschafft.

Später Ausgleich für Deutschland

Als der Ex-Kieler Narcisse nach neun Minuten mit dem sechsten französischen Torwurf zum 6:3 traf, ließ sich Keeper Wolff entnervt auswechseln. Sigurdsson forderte wenig später in der Auszeit: "Wir müssen anfangen zu kämpfen." Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Zwar konnten seine Spieler zunächst nicht entscheidend verkürzen und es dauerte bis zur 16. (!) Minute bis zur ersten Torhüterparade, Deutschland kämpfte sich danach aber ins Match.

Doch auch im zweiten Abschnitt rief zunächst einzig Gensheimer sein Potenzial ab. Als die französischen Altmeister durch einen Doppelschlag von Karabatic und Omeyer, die jeweils quer über das gesamte Feld ins verwaiste deutsche Tor trafen, nach 40 Minuten auf 22:15 erhöhten, deutete sich ein Debakel an. Dann kamen die Deutschen plötzlich in Fahrt, glichen sogar aus - Frankreich aber behielt die Nerven.

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