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Judo - Olympics: Day 5
Julia Vargas Koch erkämpfte sich in einem Krimi Bronze © Getty Images

Julia Vargas Koch sichert sich nach einem Nervenkrimi die Bronzemedaille. Dabei hat sie auch noch andere Talente. Der Trainer gibt den entscheidenden Tipp.

Rio, mein Rio: Mit leuchtenden Augen setzte Laura Vargas Koch zu einer flammenden Liebeserklärung an den Ort auch ihres zweiten großen Karriere-Coups an. "Ich liebe diese Stadt einfach", sagte die Berlinerin, die mit ihrer Bronzemedaille die deutschen Judoka bei den Olympischen Spielen aus dem Tal der Tränen gerissen hatte, "die Menschen, die Atmosphäre. Und sie bringt mir einfach Glück."

Die kecke Kreuzbergerin, die so lieb und harmlos wirkt, in der aber so viel mehr steckt, hatte kurz zuvor an einem fast schon dramatischen Tag die erste Medaille für den bis dahin so glücklosen Deutschen Judo-Bund (DJB) geholt. An eben jener Stelle, wo die heute 26-Jährige schon 2013 wie aus dem Nichts Vizeweltmeisterin geworden war.

"Aber das heute ist noch einmal höher einzuschätzen. Das ist Olympia, das ist größer", sagte Vargas Koch, die mit Südamerika mehr als nur Medaillen verbindet: Ihr chilenischer Großvater floh in den 1970er-Jahren mit fünf Kindern vor dem Pinochet-Regime in Chile nach Deutschland.

Vargas Koch auch Mathegenie

DJB-Präsident Peter Frese sieht Vargas Koch als perfektes Beispiel für den dualen Weg. Die blitzgescheite Berlinerin, die nach dem 1,1-Abschluss ihres Mathematik-Studiums parallel zur Olympia-Vorbereitung an ihrem Doktortitel arbeitete, hat einen beeindruckenden Spagat zwischen Matte und Mathe hingelegt. "Wie sie das unter einen Hut bringt, ist Wahnsinn", sagte Frese: "Der liebe Gott muss ihr in jeder Hinsicht einiges mitgegeben haben."

Und mit dieser göttlichen Gabe erlöste Vargas Koch ein ganzes Team. Frese, der nach dem Bronzekampf nur noch ein heiseres Nervenbündel war, überschlug sich fast in seiner Lobrede. "Das ist eine wahnsinnige Erleichterung. Ich kann Laura gar nicht genug danken", sagte er, nachdem das erste medaillenlose Abschneiden deutscher Judokas bei Sommerspielen vom Tisch war: "Wir haben so gelitten an den ersten Tagen, der Druck war immens. Laura hat der Mannschaft einen Riesendienst erwiesen."

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Trainer hilft entscheidend

 Nach vier Kämpfen auf Messers Schneide fühlte sich Vargas Koch "völlig fertig", aber spätestens bei der hochemotionalen Siegerehrung war dann "alles cool". Auf dem Podest, erzählte sie, "habe ich an wirklich alle gedacht, die mich auf dem Weg hierhin unterstützt haben. Trainer, Physios, Familie, Freunde. Es war wunderschön."

Es hätte sogar noch schöner werden können, der ganz große Coup war in Reichweite. Doch im Halbfinale war die spätere Olympiasiegerin Haruka Tachimoto den entscheidenden Tick besser. "Sie hat mich einmal gut erwischt. Danach habe ich alles probiert, aber es hat nicht gereicht. Und dann ist das auch okay für mich", sagte Vargas Koch.

Der Kampf um Platz drei gegen die spanische WM-Zweite Maria Bernabeu war ein Krimi, ging in die Verlängerung. Dann habe ihr Bundestrainer Michael Bazynski, der über Vargas Koch sagte, sie sei "noch lieber als sie aussehe", die entscheidende Anweisung zugerufen.

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