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Christoph Harting (r.) hat nach seinem Sieg bei Olympia für Irritationen gesorgt
Christoph Harting (r.) hat nach seinem Sieg bei Olympia für Irritationen gesorgt © SPORT1/Getty Images

Rio de Janeiro - Christoph Harting hat sich mit seiner bizarren Selbstinszenierung nach dem Gold-Gewinn selbst geschadet - und seine eigenen Aussagen ad absurdum geführt.

Die Stunde von Christoph Hartings größtem Sieg war zugleich eine bittere Niederlage. 

Nicht weil der neue Diskus-Olympiasieger, der sensationell auf seinen Bruder Robert folgte, sich weigert außerhalb der Pflichttermine mit den Medien zu reden. Das ist vielleicht etwas verschroben, aber sein gutes Recht.

Doch Harting hat sich mit seinem Gehampel bei der Siegerehrung und im Umgang mit seinen Wettbewerbern unsportlich und respektlos verhalten.

Schließlich gehörte dieser Moment nicht nur ihm allein. Auch der polnische Silbermedaillengewinner Piotr Malachowski stand mit auf dem Podest und hätte ein kurzes Innehalten verdient gehabt. Daniel Jasinski, Hartings Landsmann, der völlig überraschend die Bronzemedaille gewann, hätte vielleicht sogar gerne der Nationalhymne gelauscht. Ohne dass jemand neben ihm zappelt, pfeift, dirigiert und die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Irgendwie gehörte der Moment ja auch den Fans im Stadion und vor den Fernsehern, die sich nun (vergeblich) fragen müssen, was das eigentlich sollte. Und er gehörte der deutschen Mannschaft, die sich jetzt im Olympischen Dorf fragen lassen muss, was sie da für einen Typen mitgebracht haben.

Kritischer Geist, steiler Charakter, unangepasster Athlet - alles akzeptabel. Aber man kann es drehen und wenden wie man will: Als Repräsentant seines Landes und Teil eines Teams hat sich Harting vor den Augen der Weltöffentlichkeit gehörig daneben genommen.

Er sei keine Kunstfigur und lasse nur seine Leistung sprechen, hat Harting erklärt. Eine befremdliche Aussage, wenn man auf seine bizarre Selbstinszenierung bei der Siegerehrung blickt - die ganz massiv von der Leistung abgelenkt hat, die Harting für sich sprechen lassen wollte. Von der Leistung der anderen übrigens auch.

Egal aus welchem Antrieb er sich verhalten hat, wie er sich verhalten hat: Hartings Ansehen hat an diesem Sonntag in Rio de Janeiro massiven Schaden genommen. Der Auftritt wird an ihm haften bleiben.

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Harting sagt, dass ihm sein Image nicht schert. Das ist gut für ihn, nur: Er ist nicht alleine auf der Welt. Und er hat sich als Leistungssportler einen Beruf ausgewählt, der in entscheidendem Maße von der öffentlichen Aufmerksamkeit lebt, er kann sie also auch nicht völlig von sich fernhalten.

Harting sollte das vielleicht bedenken. Denn wenn er weiter Leistung bringt, wird er es noch eine Weile mit dieser Öffentlichkeit zu tun haben.

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