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Medaillenanwärterin Lena Schöneborn scheitert beim Modernen Fünfkampf an einem störrischen Gaul und ist sauer. Es dürfte ihr letzter olympischer Ritt gewesen sein.

Lena Schöneborn nahm das Wort Rücktritt nicht in den Mund, doch tief im Herzen spürte sie, dass der bislang prägendste Abschnitt ihres Lebens gerade zu Ende gegangen war.

"Irgendwann muss man mit seinem Leben mal etwas anderes anfangen. Ich kann auf diesem Niveau nicht Sport betreiben, bis ich 60 Jahre alt bin", sagte Deutschlands beste Moderne Fünfkämpferin nach ihrer tragischen Pleite bei den Olympischen Spielen in Rio.

Schöneborns Leben ist seit dem Jugendalter dem Sport gewidmet. Vor Rio hatte sich die inzwischen 30-Jährige vier Jahre auf diesen einen Wettkampf vorbereitet, die Weltmeisterin und Peking-Olympiasiegerin trat im Job kürzer und ordnete alles dem Ziel Gold unter - vergebens.

Legende lässt Schöneborn im Stich

Am Ende belegte Schöneborn, die im Erfolgsjahr 2016 zuvor immer auf dem Podest gestanden hatte, den 32. Platz. Es war ein Debakel.

Schuld an der Misere hatte "Legende", die bockige Fuchsstute, die all die Arbeit und Entbehrungen in nur wenigen Sekunden zunichte machte.

Schöneborn rollte genervt die Augen, als sie auf das Tier angesprochen wurde, dem in der Fünfkampfarena in Deodoro partout nicht nach Springen war. "Ich werde mich hüten, zu sagen, was ich mit dem Pferd vorhatte."

"Es war nicht ehrlich, da bin ich sauer", sagte Schöneborn. Legende habe die Verweigerungen vor dem Sprung nicht angekündigt, sondern Sprungbereitschaft signalisiert.

Es fließen Tränen

Legende. Dass Schöneborns Schicksalspferd ausgerechnet diesen Namen trug, war Ironie der Geschichte.

Denn zu eben jener wäre Schöneborn mit dem erhofften zweiten Gold endgültig aufgestiegen - einer Fünfkämpferin ist dies noch nie gelungen.

Doch auf der Anzeigetafel leuchteten null Punkte auf, es flossen Tränen. "Null Punkte hatte ich vielleicht mal vor acht Jahren. Schlimmer geht nimmer", sagte die Wahl-Berlinerin.

"Wirklich trösten kann man nicht", sagte ihre Teamkollegin Annika Schleu, die mit dem fünften Platz überzeugte. "Es gibt einfach nichts, was einen dann aufmuntert. Man fühlt sich in dem Moment ungerecht behandelt."

"Irgendwo anders mal Fuß fassen" 

Schöneborns Olympia-Laufbahn bleibt nach der Tragik von Rio geprägt vom Karriere-Hoch in Peking, aber auch einigen Tiefen.

Bei den Spielen in London 2012 war der Druck enorm, die Erwartungen an sich selbst nicht minder groß. Doch Schöneborn scheiterte, belegte am Ende nur den 15. Rang. In Rio sollte alles anders werden - doch es kam noch schlimmer.

Einen weiteren Anlauf in Tokio 2020 wird es nicht geben, davon ist auszugehen. "Zu 90 Prozent", sagte Schöneborn, werde sie in Japan nicht mehr starten: "Stand heute würde ich es eher ausschließen, als dass es passiert."

Sie wolle mit dem Wettkampf in Rio zwar nicht abtreten, "aber vier Jahre sind eine lange Zeit. Wenn ich irgendwo anders mal Fuß fassen will, muss ich irgendwann mal damit anfangen."

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