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Fahnenträgerin Majlinda Kelmendi geht in Rio de Janeiro erstmals für den Kosovo an den Start
Fahnenträgerin Majlinda Kelmendi geht in Rio de Janeiro erstmals für den Kosovo an den Start © Getty Images

Der Kosovo ist ein echter Neuling der Olympischen Spiele. Das kleine Land ist zum ersten Mal vertreten - mit nur acht Athleten. Trotzdem träumt man von einer Goldmedaille.

Für viele Olympia-Fans ist dieser Moment eines der absoluten Highlights der Spiele: der prächtig inszenierte Einlauf der zahlreichen Olympia-Mannschaften (Eröffnungsfeier ab 1 Uhr im Liveticker).

Fahnenschwenkend präsentieren sich die Athleten zu Beginn dem weltweiten Millionenpublikum. In Rio sind in diesem Jahr über 10.500 Athleten aus 206 Nationen dabei. Und eine Nation ist neu. Der Kosovo feiert Olympia-Premiere.

Acht Athleten stellt das kleine Land aus Südosteuropa. Zwei Läufer, zwei Schwimmerinnen, zwei Judoka, einen Radfahrer und eine Sportschützin. Was sich im Gegensatz zur deutschen Fraktion (432 Sportler) mehr als mickrig anhört, ist für die Kosovaren momentan das Größte. Der Kosovo befindet sich im Aufbruch, das Land feiert seine Sportler, die endlich auch für ihr Heimatland auflaufen dürfen.

Kosovo läutet "neue Ära ein"

Denn erstmals seit der Unabhängigkeit 2008 tritt der Kosovo unter eigener Flagge an. Zuvor hatte Serbien die Eigenständigkeit seiner Ex-Provinz jahrelang nicht anerkannt. Der heimische Sport blieb isoliert, die Aktiven traten entweder für andere Nationen an oder mussten sich mit inoffiziellen Sportevents begnügen.

Seit zwei Jahren hat sich das Blatt aber gewendet: Die FIFA ließ die kosovarische Fußballmannschaft in diesem Frühling zur Qualifikation für die WM 2018 zu. Und schon im Dezember 2014 machte der Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees den Weg für das kosovarische Olympia-Team frei. Das IOC erkannte das Land als 205. Vollmitglied an. Besim Hasani, Präsident des nationalen Olympischen Komitees des Landes, jubelte schon damals: "Es beginnt eine neue Ära."

Christoph Küppers berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro
Christoph Küppers berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro © SPORT1/Getty Images

In Rio zeigt sich Hasani im Gespräch mit SPORT1 immer noch hoch erfreut. Der Präsident ist extra mit der ganzen Familie angereist und beschreibt sich selber als "einen der glücklichsten Menschen dieser Spiele". Hasani: "Rio ist so wichtig für uns. Endlich können sich für uns weitere Türen öffnen. Wir können der Welt zeigen, dass wir sportliche Qualitäten haben, die bislang verborgen oder von Politikern blockiert waren."

Seine Botschaft: Das kosovarische Team kommt schon als Gewinner nach Rio. Die erste Medaille ist die Teilnahme.

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Judoka Kelmendi als große Hoffnung

Eine wirkliche handfeste Medaille kann es schon am Sonntag geben - vielleicht sogar in Gold.

Die 25-jährige Judoka Majlinda Kelmendi geht in der Klasse unter 52 Kilogramm als Welt- und Europameisterin an den Start. Bislang musste sie notgedrungen für Albanien antreten. Nun darf sie endlich für ihr Heimatland ran und möchte unbedingt die erste Medaille für das kleine Land holen.

Schon am Freitagabend sorgt sie für einen historischen Moment. Kelmendi darf die kleine kosovarische Fraktion übrigens als Fahnenträgerin ins Olympiastadion führen.

Training im Wald

Die Chancen der übrigen Kosovaren: eher mau. Da sind beispielsweise die beiden Läufer Vijona Kryeziu und Musa Hajdari, die in ihrer Heimat wegen fehlender Trainingsstätten hauptsächlich im Wald trainieren mussten.

Oder die Schwimmerin Rita Zeqiri, deren Vater ein eigenes Hallenbad baute, damit seine Tochter trainieren kann. Allerdings besitzt das Bad nur vier 25-Meter-Bahnen. Zeqiri ist erst selten auf 50-Meter-Bahnen wie in Rio geschwommen. Für die meisten Athleten gilt daher das alte Dabei-sein-Motto.

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