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Rio de Janeiro - Vielseitigkeitsreiter Michael Jung erlöst das deutsche Olympia-Team vom Gold-Fluch. SPORT1 stellt den Mann vor, der als bester Reiter der Welt gilt und neben seinen Medaillen schläft.

Michael Jung hat in seiner sportlichen Karriere längst alles erlebt. Er hat zweimal bei den Weltreiterspielen gewonnen, ist achtfacher Europa- und mehrfacher deutscher Meister. Und doppelter Olympiasieger - zumindest bis vor den Spielen in Rio de Janeiro.

Denn dort holte Jung nun seinen dritten Olympiatitel: Gold im Einzel der Vielseitigkeitsreiter. Jung ist damit endgültig zum König dieser Disziplin aufgestiegen.

In den letzten Jahren hat niemand die Vielseitigkeit so dominiert wie er. Jung war als erster Vielseitigkeitsreiter überhaupt gleichzeitig Olympiasieger, Welt- und Europameister in der Einzelwertung. Seit April 2015 hat er außerdem die Führungsposition in der Weltrangliste inne. Und er hat als erster männlicher Reiter überhaupt den sogenannten "Grand-Slam" gewonnen.

Ruhig und extrem ehrgeizig

Wie erlebt jemand, der alles gewonnen hat, einen weiteren Olympiatitel? "Das ist ein wirklich besonderer Tag", so Jung, der wenige Stunden vor seinem Coup auch noch Silber mit der Mannschaft geholt hatte. Im Gespräch mit SPORT1 sagte er: "Das ist einfach ein unfassbares Glücksgefühl, wenn man das letzte Hindernis überspringt. Alle Anspannung ist abgefallen. Und dann kamen die Emotionen."

Emotionen, die der deutsche Gold-Reiter eher zurückhaltend zeigte. "Es ist zwar eine große Freude da, ich bin aber erst einmal etwas müde", so Jung nach seinem Gold-Ritt. Der 34-Jährige ist kein Typ für emotionale Ausbrüche. Reiter-Kollegen beschreiben ihn als ruhig und extrem ehrgeizig.

Eigenes Reit-Imperium in Horb-Altheim

Der 34-Jährige hat sich in seiner Heimat, in Horb-Altheim im Schwarzwald, ein Reit-Imperium aufgebaut. 33 Pferde beherbergt der "Reitstall Jung". Seit Dezember 2013 lebt auch seine Freundin, die Reiterin Faye Füllgraebe, mit ihm auf dem Hof.

Die Krefelderin studierte eigentlich in Düsseldorf Physiotherapie für Pferde und Hunde, zog aber der Liebe wegen zu ihrem Michael und setzte das Studium aus der Ferne fort. Heute hat sie eine mobile Praxis für Tierphysiotheraptie.

Das Reit-Paar eint die riesige Leidenschaft für Pferde. Schon mit vier Jahren bekam Jung sein erstes eigenes Pony. Mit fünf saß er zum ersten Mal auf einem großen Pferd. Mit acht gewann er die ersten Schleifen, mit 16 seinen ersten großen Titel, die deutsche Junioren-Meisterschaft.

Michael Jung und seine Freundin Faye Füllgraebe © dpa Picture Alliance

Seit früher Kindheit auf dem Pferd

Die schnellen Erfolge kommen nicht von ungefähr. Jung stammt aus einer pferdeverrückten Familie. Sein Vater Joachim, selbst vierfacher Landesmeister, trainierte ihn lange, Mutter Brigitte organisierte Fahrten und ist der größte Fan. "Meine Eltern sind fast immer dabei und unterstützen mich. Das beruhigt mich und hilft mir, auch mal abzuschalten", so Jung.

Am liebsten sitzt Jung aber auf dem Pferd - oder tüftelt an neuen Trainingsmethoden, um die Pferde noch besser zu machen. Wahrscheinlich hat ihn diese Perfektion dahin gebracht, wo er heute ist.

Die FAZ ernannte ihn zum "größten Reiter seiner Epoche", Kollegen und Trainer sehen es ähnlich. Wenn er bei einem Turnier antritt, zittert die Konkurrenz. Tatsächlich ist es auch für Reitsport-Laien eine Augenweide, mit welcher Leichtigkeit Jung mit seinem Pferd zu Werke geht.

Treffen mit der Queen

Vor allem die Briten können davon ein Lied singen. 2015 wurde Jung in Schottland Doppel-Europameister und versaute einer ganzen Nation vor den Augen von Queen Elizabeth II. die geplante Heim-Party.

Anschließend durfte Jung die Queen sogar persönlich treffen. Angeblich, so heißt es, sei ihre Majestät sehr angetan vom Deutschen gewesen – und von Sam, seinem Erfolgspferd.

Sam ist Jungs Lieblingspferd. "Er ist meine absolute Nummer eins. Mit ihm bin ich groß geworden. Er ist mein Kumpel", erklärte der Top-Reiter. Dennoch wollte Jung bei Olympia eigentlich nicht mit Sam antreten, sondern auf sein etwas flexibleres Nachwuchspferd Takinou setzen, mit dem er in diesem Jahr zum Beispiel in Aachen gewann.

Sams große Stunde

Kurz vor der Reise nach Rio setzte Takinou aber ein Virus außer Gefecht. Also schlug Sams große Stunde. Wie schon 2012 in London bei Olympia bestand der Wallach sie mit Bravour - auch wenn Jung dafür hart arbeiten musste: "Er ist ein sehr unruhiges Pferd. Ich muss immer wieder auf ihn einwirken und ihn beruhigen. Wenn ich das schaffe, dann liefert er aber überragend", lobte Jung bei SPORT1 sein Pferd.

Jung und Sam sind das erst dritte Pärchen, das überhaupt zweimal hintereinander eine olympische Goldmedaille im Vielseitigkeitsreiten holen konnte. Diese bekommt im Hause Jung nun einen ganz besonderen Platz: Jung nimmt die Medaillen mit ans Bett.

"Sie kommen auf den Nachttisch - zu den anderen von 2012", so Jung, der anfügte: "Da habe ich sie immer im Blick!" Trotz aller Gewinne und Rekorde zeigt das dann wohl doch, was der dritte Olympiasieg Michael Jung bedeutet.

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