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Andreas Toba wird nach seinem Sturz sofort behandelt - und lässt am Ende seinen Tränen freien Lauf © Getty Images

Bittere Nachricht für die deutschen Turner: Andreas Toba verletzt sich schwer. Am Ende springt dank seines Kampfgeistes noch das Teamfinale raus. Fabian Hambüchen glänzt.

Die schwere Knieverletzung des Mehrkampf-Meisters Andreas Toba hat den deutschen Turnern ihren Olympia-Auftakt in Rio de Janeiro gründlich verdorben.

Während Fabian Hambüchen am Reck spektakulär durch die Lüfte flog, landete Toba unsanft am Boden - und erlitt eine "komplexe Knieverletzung". Dies teilte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit. Die behandelnden Ärzte hätten unter anderem einen Riss des vorderen Kreuzbandes und eine Verletzung des Innenmeniskus im rechten Knie festgestellt.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht blieb der Hannoveraner zunächst liegen und musste von Helfern gestützt vom Podium geführt werden.

"Geheult wie ein kleines Kind"

Toba turnte danach allerdings noch unter großen Schmerzen am Pferd weiter, humpelte förmlich an das Gerät. Nach seiner Übung brach er in Tränen aus.

Am Ende wurde dieser Kampfgeist noch mit einem kleinen Happy End belohnt. Die Qualifikation für das Teamfinale am Montag (21 Uhr MESZ) gelang mit 261,518 Punkten als achtes und letztes Team.

"Ich war nicht tapfer. Ich habe geheult wie ein kleines Kind. Die Schmerzen im Knie sind groß, aber die in mir sind unbeschreiblich und viel größer", sagte Toba, der vom DOSB zum "Hero de Janeiro" ernannt wurde.

"Kämpferherz und kein Weichei"

Sportdirektor Wolfgang Willam lobte daher mitleidsvoll: "Er hat bewiesen, dass er ein Kämpferherz hat und kein Weichei ist."

Toba, ein zuverlässiger Punktelieferant, musste nach seinem Sturz von Helfern gestützt vom Podium geführt werden.

Völlig überraschend rappelte er sich noch einmal auf und ging an das Pferd, an einen Wettkampf unter idealen Voraussetzungen war trotz der Unterstützung der Teamkollegen und Zuschauer jedoch nicht zu denken.

Verdienter Lohn für Tobas Schmerz

Immerhin 14,233 Punkte und damit die höchste Wertung im deutschen Quartett am Pferd waren der verdiente Lohn - und am Ende ausschlaggebend.

Reck-Weltmeister Hambüchen hatte zuvor an seinem besten Gerät eine wahre Flug-Show zelebriert und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Finale am 16. August erreicht.

Die Kampfrichter bewerteten seine Vorstellung mit 15,533 Punkten - der Nordhesse, der sich in Brasilien von der internationalen Bühne verabschiedet, lag damit zunächst in Führung.

Hambüchen glänzt

Dass der Wetzlarer noch einmal im Rampenlicht stand, hatte vor einigen Monaten niemand erwarten können.

Eine hartnäckige Schulterblessur zwang ihn wochenlang zu dosiertem Training, und dennoch sagte Hambüchen vor der Quali forsch: "Ich habe ein sehr gutes Gefühl, dass meine Übungen klappen werden."

Er sollte Recht behalten.

Neben dem Vorzeigeturner fielen seine Teamkollegen jedoch deutlich ab. Unmittelbar vor Hambüchens Reck-Übung patzten Marcel Nguyen, immerhin zweifacher Silbermedaillen-Gewinner in London 2012, sowie Reck-Spezialist Andreas Bretschneider.

Der 27-Jährige, der wie Hambüchen das Finale angepeilt hatte, musste das Gerät gar verlassen, als er die nach ihm benannte Höchstschwierigkeit turnen wollte.

Der Wettbewerb in der Rio Olympic Arena war zwischenzeitlich unterbrochen worden, weil der Franzose Samir Ait Said am Sprung fürchterlich gestürzt war und dabei eine Horror-Verletzung erlitt. 

Bei der Landung kam er derart unglücklich auf, dass sein Unterschenkel danach im 90-Grad-Winkel abknickte. Er wurde auf einer Trage aus der Halle gebracht.

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