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Sir Philip Craven ist Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees © Getty Images

Den Paralympischen Spielen in Rio droht eine gewaltige Absagenflut, der Grund ist ein finanzieller. Die Gastgeber fürchten einen Imageschaden und agieren hektisch.

Erst Betteln beim Bürgermeister, dann Hilferuf beim Staatsminister, am Ende Entwarnung mit großem Aber: Immerhin hatte Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), nach dem Verhandlungsmarathon am Montag die dringend benötigte Zusage für den Rettungsfonds der Paralympics parat.

Sichergestellt sind die Behindertensport-Spiele vom 7. bis 18. September in Rio de Janeiro jedoch immer noch nicht. Es droht der Reiseverzicht vieler Athleten. Abstriche in der Organisation und beim Ablauf scheinen unvermeidlich.

Craven will Finanzen offenlegen

Weil ein für die Region zuständiges Bundesgericht der Zahlung öffentlicher Gelder an das Comitê Rio 2016 einen Riegel vorgeschrieben hat, solange die Organisatoren ihren Haushalt verstecken. Der "deutlich einfachste und leichteste Weg" wäre es deshalb laut Craven, die Finanzen offenzulegen.

Dann käme man auch an die von Gastgeber Eduardo Paes am Montag in Aussicht gestellte Finanzspritze von umgerechnet bis zu 42 Millionen Euro heran. "Es wäre eine Schande, wenn wir nach den Olympischen Spielen keine Paralympics hätten", gestand Rios Bürgermeister, der sich für den Griff in die laut ihm "ausgeglichene" Stadtkasse verbürgte.

Athleten warten auf Zuschuss

Athleten aus zahlreichen Ländern ohne Rücklagen für die Reisekosten warten aber seit zwei Wochen auf den versprochenen Zuschuss. Ohne diesen geht nichts. Dies teilte Craven in der Hauptstadt Brasília auch Präsidialamtsminister Eliseu Padilha mit. Dieser soll nun Druck von oben machen.

Betont zuversichtlich verkündet der IPC-Boss deshalb am Ende eines langen Tages: "Gerüchte, dass die Spiele nicht stattfinden oder am Wettkampfprogramm gekürzt wird, sind ohne jede Grundlage und nicht wahr."

Um dann aber im nächsten Satz einzugestehen: "Wenn keine zusätzliche Finanzierung zur Verfügung steht, ist das Organisationskomitee gezwungen, neben den bisherigen Kürzungen weitere vorzunehmen."

Einspruch gegen Finanzierungssperre

Schnelles Handeln ist angesagt: Gegen die gerichtliche Finanzierungssperre läuft ein Einspruch. Das Paralympics-OK will bis Ende des Monats Gelder für die Reisekosten auftreiben. Eine Rotstift-Liste liegt in der Schublade.

Die abgespeckte Version der Paralympics verliert jedoch mit jedem Tag ihren Reiz. Für Zuschauer, die sich schon im Vorfeld beim Ticketkauf extrem zurückhielten. Und auch für die Sportler, den größten Leidtragenden des Finanz-Chaos.

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