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Timo Boll wird die deutsche Mannschaft in Rio ins Stadion führen © dpa

Rio de Janeiro - Große Ehre für Timo Boll: Als erster Tischtennis-Spieler trägt der 35-Jährige die deutsche Fahne bei einer Olympia-Eröffnungsfeier. Vorgänger Nowitzki freut sich mit.

Sicher ist sicher. Gerade in wichtigen Angelegenheiten von nationaler Bedeutung. Und so hat sich Timo Boll, der Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier der Spiele am Freitag, bei einem seiner Vorgänger erkundigt, ob das überhaupt zu stemmen sei, das Ganze.

"Mit Dirk Nowitzki habe ich schon gewitzelt: Die Fahne ist richtig schwer. Aber selbst als Tischtennisspieler sollte ich das schaffen", sagte Boll am Donnerstag mit leuchtenden Augen.

Unvergessen sind die Bilder, als NBA-Superstar Nowitzki 2008 die Fahne ins Pekinger Olympiastadion trug, am Ende schweißüberströmt, aber vor allem eines: überglücklich.

Sichtlich aufgeregt marschierte nun Boll zunächst einmal ins Blitzlichtgewitter im schmucken, frisch eröffneten deutschen Haus am Barra Blue Beach Point in Rio und stellte sich den Fragen der Medien.

"Vielleicht der Höhepunkt meiner Karriere."

"Ich war einfach sprachlos, als ich es erfahren habe", sagte der 35-Jährige über seinen Einsatz im legendärem Maracana-Stadion, dies sei "vielleicht der Höhepunkt meiner Karriere." Und in der mangelt es wahrlich nicht an Highlights.

16 EM-Titel, 18 deutsche Meisterschaften, mehrfach Silber und Bronze bei Weltmeisterschaften. Doch der Olympiasieg, sogar eine Medaille im Einzel fehlt noch.

Und sollte es jetzt, bei der letzten Gelegenheit, noch etwas werden damit, es wäre eine dicke Überraschung angesichts der Übermacht aus dem Fernen Osten und der Auslosung.

Bereits im Viertelfinale liefe es auf Ausnahmespieler Ma Long hinaus.

Legendäre Geschichte in Schanghai

Doch obwohl die "Ikone" seiner Sportart (Bundestrainer Jörg Roßkopf) im Gegensatz zu seinen Gegenkandidaten bei der Entscheidung für den Fahnenträger nicht bereits olympisches Gold gewonnen hat, kommt seine Wahl nicht überraschend.

Es geht schließlich nicht nur um Erfolge, sondern auch um die Person.

Legendär ist die Geschichte, als Boll, in China noch mehr Superstar als in seiner Heimat, 2005 im Achtelfinale der WM gegen Liu Guozheng in Schanghai einen vermeintlich verwandelten Matchball zurückgab – weil seiner Meinung nach der Ball des Gegners die Tischkante noch berührt hatte.

Boll verlor das Match, gewann Hochachtung und bekam später vom Weltverband ITTF den Fair-Play-Preis verliehen.

Fahnenträger per "Bürgerentscheid" 

Der Signalwirkung seiner neuen Aufgabe ist sich Boll, der in Rio seine fünften Olympischen Spiele mitmacht, durchaus bewusst: "Das ist eine Riesengeschichte für unsere Sportart." Und für ihn persönlich eine große Anerkennung.

Schließlich hatte 2016 erstmals das Volk die Möglichkeit, in ausgewählten Medien seine Stimme für einen der fünf Fahnenträgerkandidaten abzugeben.

Davon machten immerhin rund 300.000 Bürger und Bürgerinnen Gebrauch, was der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper als „schönen Erfolg“ wertete.

Hinzu kam zu gleichen Anteilen das Voting der deutschen Olympiateilnahmer.

Boll auch beim SPORT1-Voting vorn

Auch im parallelen SPORT1-Voting, das nicht maßgeblich für die Entscheidung war, siegte Boll, mit großem Vorsprung vor Hockey-Mannschaftskapitän Moritz Fürste.

Die genauen Prozentzahlen der Abstimmung gab der DOSB nicht bekannt, nur eben, dass Boll neben Fürste die Doppel-Olympiasiegerin Ingrid Klimke (Vielseitigkeitsreiten), Peking-Olympiasiegerin Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf) und London-Olympiasiegerin Kristina Vogel (Bahnrad) auf die Plätze verwies.

In der Vergangenheit war der Fahnenträger stets vom DOSB festgelegt worden. Alfons Hörmann war ganz offensichtlich nicht ganz so böse, dass ihm diese Entscheidung nun abgenommen wurde.

"Timo Boll ist der Markenbotschafter des deutschen Teams", sagte der DOSB-Präsident: „Wir hätten keinen besseren auswählen können.“

Auch Dirk Nowitzki dürfte zustimmen.

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