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Isaquias Queiroz Dos Santos
Isaquias Queiroz Dos Santos sicherte sich in Rio zwei Mal olympisches Edelmetall © Getty Images

Als Kind wird Isaquias Queiroz schwer verbrüht, entführt und verliert eine Niere. Bei Olympia in Rio gewinnt der brasilianische Kanute gleich zwei Mal Edelmetall.

Wie oft heißt es, eine Medaille bei Olympischen Spielen sei "hart erkämpft" gewesen. Oder es sei ein "schwieriger Weg" dahin gewesen.

Im Fall von Isaquias Queiroz Dos Santos wären all diese Formulierungen eine gnadenlose Untertreibung.

Bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro gewann der Kanute als erst fünfter Brasilianer der Olympia-Geschichte zwei Mal Edelmetall bei denselben Spielen: Silber über 1000 m und Bronze über 200 m im Canadier Einer.

Canoe Sprint - Olympics: Day 11
Über 1000 m musste sich Isaquias Queiroz dos Santos (l.) nur Sebastian Brendel (M.) geschlagen geben © Getty Images

Noch beeindruckender werden Queiroz' Erfolge beim Blick auf seine Vorgeschichte.

Verbrüht, entführt, Niere verloren

Im Alter von drei Jahren wurde der heute 22-Jährige mit heißem Wasser verbrüht und erlitt erhebliche Verletzungen. Zwei Jahre später starb Queiroz' Vater, seine Mutter zog ihn und neun weitere Kinder alleine auf.

Wenig später wurde der damals fünfjährige Queiroz entführt und zur Adoption angeboten, letztlich aber unverletzt zu seiner Mutter zurückgebracht.

Doch damit nicht genug: Als Zehnjähriger kletterte der Junge auf einen Baum, um sich eine Schlange aus der Nähe anzuschauen. Er fiel herunter, stürzte auf einen Stein und musste ins Krankenhaus gebracht werden - dort entnahmen sie ihm eine Niere.

Erfolge schon bei vorigen drei WM

"Sem Rim" (dt.: ohne Niere) war fortan sein Spitzname, die Operationsnarbe ist bis heute zu sehen, wenn Queiroz seinen grünen Rennanzug ablegt.

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Nach Bronze über 200 m nahm Queiroz ein Bad im mehr oder weniger kühlen Nass © Getty Images

"Ich war sehr zufrieden, diese Medaille zu gewinnen, nach all den Hindernissen, die ich überwinden musste", sagte Queiroz nach seinem ersten Edelmetall in Rio erleichtert.

Erleichtert, weil eine ganze Nation von diesem so schwer gebeutelten jungen Mann Erfolge erwartete, nachdem er von den Weltmeisterschaften 2013, 2014 und 2015 jeweils mit zwei Medaillen heimgekehrt war.

Queiroz spricht wenig über sein Schicksal

Queiroz hat den Erwartungen standgehalten, über sein Schicksal spricht er derweil nur selten und wenig. Seine Kindheit bezeichnete er in Interviews mit brasilianischen Medien vor den Olympischen Spielen stets als eine glückliche.

Schwierig seien für ihn vor allem die unzähligen Stunden harten Trainings gewesen, um ein Weltklasse-Kanute zu werden.

"Ich denke, auf der Reise eines Sportlers warten viele Schwierigkeiten", sagte Queiroz der Associated Press: "Das läuft nicht mühelos, das ist nicht einfach."

Wer könnte das besser beurteilen als er.

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