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BMX-Fahrer Connor Fields posiert mit dem umstrittenen Politiker Donald Trump - das Foto entstand allerdings vor den Sommerspielen 2012
BMX-Fahrer Connor Fields posiert mit dem umstrittenen Politiker Donald Trump - das Foto entstand allerdings vor den Sommerspielen 2012 © Getty Images

Vor den Spielen in Rio bekommen die US-Sportler vor Augen geführt, wie sich Mosern rächt. Auch NBA- und Golf-Millionäre sollen den Mund halten - anders als Donald Trump.

Die "Stars and Stripes"? Nicht zu sehen im Olympischen Dorf. So ziemlich jede Nation hat ihre Flaggen von den Balkonen der Wohntürme gehängt: Hallo, wir sind hier! Nur die Amerikaner nicht.

Das mag verwundern, ist aber so gewollt. Für die Sportler der USA gibt es die klare Anweisung: nur nicht auffallen!

Das Letzte, was das Nationale Olympische Komitee USOC in Zeiten eines Präsidentschaftskandidaten Donald Trump will, ist, dass seine Athleten vor aller Welt unangenehm auffallen.

Video führt Shitstorm vor Augen

Das USOC produzierte eigens ein Video. Es zeigt einen fiktiven Athleten, der in Brasilien landet, frustriert feststellt, dass der Bus zu langsam ist oder gar nicht kommt, und das gleich mal verärgert auf Twitter verbreitet.

Bevor er den Bus verlässt, hat er bereits einen Shitstorm ausgelöst, beschimpft von aller Welt. Das Bild des arroganten, selbstherrlichen Amerikaners - das USOC will es unter allen Umständen vermeiden: Jeder Athlet muss das Video anschauen.

Das Filmchen ist aber nur Teil der Vorbereitung. Die Athleten haben klare Anweisungen bekommen, wie sie sich bei Olympia zu verhalten haben - Etikette in den Sozialen Netzwerken inklusive.

Auch Basketball-Millionäre instruiert

Und auch wenn es kein USOC-Offizieller zugeben oder einen Bezug zum Großkotz Trump herstellen will: Ein "low key approach" ist ausdrücklich erwünscht, also: Zurückhaltung! Bescheidenheit! Das Schlimmste wäre für die Amerikaner, wenn sie gleich am Freitag bei der Eröffnungsfeier am Freitag ausgebuht würden.

Die USOC-Offiziellen haben alle Mannschaftsteile abgeklappert mit ihrem Knigge, auch die Basketball-Millionäre oder die Golfer wurden instruiert.

Die Botschaft ist angekommen. "Bislang sind die Leute, das Hotel, das Essen und der Kaffee wunderbar", twitterte selbst Fußball-Nationaltorhüterin Hope Solo, berüchtigt wegen Fehlverhaltens aller Art.

Ein paar Tage zuvor hatte sie sich zum Schrecken der USOC-Offiziellen wegen der Stechmücken in Rio noch mit einem Imkerhut gezeigt.

"Du solltest deine Gastgeber nicht beleidigen"

"Du solltest deine Gastgeber nicht beleidigen", sagt John Speraw, Coach der US-Volleyballer. Nicht beleidigen heißt auch: Es wird nicht gemotzt, und seien die Bedingungen auch noch so schlecht.

Eine Art Pionier ist die Ruderin Magan Kalmoe, die nach den Berichten über das verdreckte Wasser in der Lagune Rodrigo de Freitas einfach mal feststellte: "Ich werde für dich durch Scheiße rudern, Amerika, und ich will es glücklich und stolz tun."

Soll heißen: Klappe halten und die Bedingungen akzeptieren wie sie sind. Beschwerden über das Olympische Dorf? Nicht von den Amerikanern.

Mängel auf eigene Kosten behoben

Dabei waren deren Unterkünfte beim Einzug in einem ähnlich erbärmlichen Zustand wie jene der Australier, die gleich eine Welle machten.

Die Amerikaner erstellen Mängellisten und arbeiteten sie in aller Stille auf eigene Kosten ab. "Wir haben keine Probleme", versicherte Florett-Fechter Race Imboden, Gesamtweltcup-Sieger 2015 und Olympia-Vierter mit dem Team 2012.

Beim USOC hoffen sie, dass sich das gute Benehmen der Athleten auch langfristig auswirkt. Für die Sommerspiele 2024 hat sich Los Angeles beworben, da kommt es vielleicht nicht so gut, wenn man vorher auf einem Gastgeber rumhackt.

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