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Tobias Reinkemeier hat bislang über 9,6 Millionen Dollar bei Turnieren gewonnen
Tobias Reinkemeier hat bislang über 9,6 Millionen Dollar bei Turnieren gewonnen © intern

München - Pokerprofi Tobias Reinkeimer spricht vor der EPT in Barcelona über die deutsche Pokermentalität und den südländischen Lifestyle.

Von Marcus Friedrich

Die World Series of Poker ist knapp einen Monat zu Ende, da steht schon der nächste Höhepunkt an.

Die European Poker Tour macht ab dem 16. August halt in Barcelona (ab dem 20. August als LIVESTREAM).

Mit dabei ist natürlich auch Tobias Reinkemeier.

Der 27-Jährige gewann zuletzt über zwei Millionen Dollar in Las Vegas.

Reinkemeier wurde beim Big One for One Drop, dem teuersten Poker-Turnier der Welt (eine Millionen Dollar Startgebühr), Fünfter.

Nach dem Erfolg, ist er wieder auf Platz eins der deutschen Geldrangliste geklettert.

Fast zehn Millionen Dollar Preisgeld hat der in London lebende Profi bislang gewonnen.

In Barcelona hofft er auf den nächsten großen Gewinn.

Vorab spricht Tobias Reinkemeier mit SPORT1 über die deutsche Mentalität am Pokertisch, seine härtesten Gegner, seinen Millionengewinn bei der WSOP sowie über den südländischen Lifestyle.

SPORT1: Herr Reinkemeier, die WSOP ist für viele Spieler die anstrengendste Zeit des Jahres: Sie waren natürlich auch in Las Vegas. Mussten sich nach der Poker-WM erst einmal abschalten?

Tobias Reinkemeier: Groß abschalten musste ich dieses Jahr nicht, da ich relativ spät nach Las Vegas gereist bin und nur drei WSOP-Events gespielt habe. Nach meinem ersten Turnier bin ich auch direkt nach San Diego geflogen und habe eine Woche Urlaub gemacht, um komplett frisch für das One Drop zu sein. Die WSOP war dieses Jahr sehr entspannt.

SPORT1: Sehr viele Pokerprofis spielen so viele Turniere wie möglich, um eines der begehrten Bracelets (Siegerarmbänder) zu gewinnen. Sie scheint das nicht groß zu interessieren?

Reinkemeier: Ich habe ehrlich gesagt keine großen Ambitionen, ein Bracelet zu gewinnen. Daher spiele ich schon seit einigen Jahren nur noch die Turniere, die mich wirklichen interessieren und mir Spaß machen. Man kann so einen Titel auch nicht mit einem WM-Sieg in anderen Sportarten vergleichen. Der schnellste Mann der Welt hat zum Beispiel immer sehr große Chancen seine Rennen zu gewinnen. Beim Poker gibt es aufgrund einiger Faktoren nicht die Übertragbarkeit, dass der beste Spieler auch gewinnt. Aus diesem Grund hat ein Bracelet auch nicht diese große Bedeutung für mich.

SPORT1: Dennoch hätte es fast geklappt. Beim Big One for One Drop wurden sie Fünfter. Sie hatten eine sehr gute Ausgangsposition. Ärgert Sie die verpasste Chance noch heute?

Reinkemeier: Überhaupt nicht. Ich versuche immer, mein bestes Poker zu spielen und was dann dabei herauskommt, hängt auch von vielen Faktoren ab, die ich nicht beeinflussen kann. Ich bin insgesamt sehr dankbar für die Chancen, die ich im Leben bekommen habe und es erscheint mir schon ziemlich absurd, sich dann über Kleinigkeiten wie Bad Beats in Pokerturnieren zu beschweren.

SPORT1: Sie sind gegen die Asse von Sieger Daniel Colman, der 16 Millionen Dollar gewonnen hat, mit einen Paar Fünfer ausgeschieden. Würden Sie heute wieder All-In gehen?

Reinkemeier: Das war für mich eine klare Entscheidung und ich würde es auch immer wieder so spielen. Daniel Colman hat sehr aggressiv gespielt und wenn er vom Button erhöht, habe ich mit dem kleinen Paar die perfekte Hand, um zu kontern. In den meisten Fällen wirft er seine Hand weg und ich werde den Pott gewinnen.

SPORT1: Im August steht schon der nächste Höhepunkt an: Die EPT in Barcelona. Auch da warten wieder zwei Turniere mit hohen Startgebühren. Was sind Ihre Pläne?

Reinkemeier: Ich bin mir noch nicht sicher, welche Turniere ich spielen werde. Das Super-High-Roller (50.000 Euro Startgebühr Anm. d. Red.) spiele ich auf jeden Fall. Ob ich noch am Main Event und dem High-Roller-Turnier teilnehme, entscheide ich spontan. Auf die Stadt Barcelona freue ich mich aber sehr, da mir der südländische Lifestyle gut gefällt.

SPORT1: Was macht den Lifestyle aus?

Reinkemeier: Die Menschen sind einfach sehr locker und entspannt. Barcelona ist zudem sehr facettenreich. Man hat das Meer, die Berge, tolle Restaurants und gute Partys. Barcelona ist auf jeden Fall eine Stadt, in der es sich lohnt, einige Tage länger zu bleiben.

SPORT1: 2010 haben Sie ihr letztes High-Roller-Turnier gewonnen. Danach haben sie zahlreiche zweite und dritte Plätze und hohe Preisgelder gesammelt. Auch bei der WSOP waren sie wieder nah dran. Warum klappt es aktuell nicht mit einem Sieg?

Reinkemeier: Man spielt in diesem Turnierabschnitt meist gegen andere sehr gute Spieler, die man nicht einfach mit seinen eigenen Fähigkeiten vorführen kann. Am Ende fehlte meist das letzte Quäntchen Glück.

SPORT1: Nicht nur sie sind sehr erfolgreich. Viele weitere junge deutsche Topspieler sind bei den teuersten Turnieren der Welt ganz vorne dabei. Was ist der Grund?

Reinkemeier: Der Austausch untereinander ist sehr gut. Das hilft jedem von uns, um besser zu werden. Dazu leben in Deutschland über 80 Millionen Menschen, somit ist die Chance schon einmal groß, dass einige gute Spieler dabei sind (lacht). Außerdem besitzen deutsche Spieler tendenziell eine gute Grundmentalität, um beim Poker erfolgreich zu sein. Man darf sich nicht von seinen Emotionen leiten oder von Phasen in den es nicht so läuft herunterziehen lassen."

SPORT1: Sie spielen immer gegen die stärksten Spieler der Welt: Wer fordert sie am Pokertisch am meisten?

Reinkemeier: Gegen meine deutschen Buddies ist es immer sehr, sehr hart (lacht). Scott Seiver oder Ike Haxton fallen mir spontan ein, die mich immer sehr fordern. Aber es gibt gerade bei den High-Roller-Turnieren noch viele weitere sehr starke Spieler, die einem alles abverlangen.

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