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Igor Kurganov spielt das Super High Roller in Monte Carlo
Igor Kurganov spielt das Super High Roller in Monte Carlo © Lina Olofsson

High Roller Igor Kurganov kann in Monte Carlo wieder abräumen. Im Interview mit SPORT1 spricht er über seine Ziele, sein soziales Engagement und Sport im Privatjet.

Igor Kurganov ist ein Spezialist für die besonders teuren Turniere. Auch beim Grand Final der European Poker Tour in Monte Carlo geht es für den Russen, der ab dem vierten Lebensjahr in Deutschland aufwuchs und dann nach London auswanderte, wieder um ein millionenschweres Preisgeld.

2014 wurde er im Super-High-Roller-Turnier Dritter und sicherte sich rund 1,1 Millionen Euro.

Der Einsatz beträgt stolze 100.000 Euro. Bei der diesjährigen Ausgabe des teuersten Turniers der EPT (Finaltisch am Samstag ab 13.30 Uhr im LIVESTREAM) lag Kurganov nach dem ersten Tag als Chipleader auf Rang eins.

Im Interview mit SPORT1 spricht er über seine Spielweise, ein mögliches Duell mit seiner Freundin und Pokerstars beim Weitsprung.

SPORT1: Bei Twitter konnte man sehen, dass Sie gemeinsam mit den Profis Liv Boeree, Philipp Gruissem und George Danzer im Privatjet von Tschechien nach Monte Carlo geflogen sind. Waren noch andere Spieler an Board?

Kurganov: Wir haben vorher in Tschechien Cashgame gespielt und der Chef des King's Casino in Rozvadov hat uns einen Privatjet zur Verfügung gestellt. Es waren noch ein paar andere bekannte Spieler dabei: Isaac Haxton, Dan Coleman, der 'Jungleman' Daniel Cates. Von den Deutschen konnte Max Altergott aus zeitlichen Gründen leider nicht mitfliegen.

SPORT1: Wie war die Stimmung? Spricht man da schon über das Turnier?

Kurganov: Die meisten von uns kennen sich über die Jahre jetzt schon ganz gut. Mit den meisten hat man eine Beziehung wie mit Freunden, die zur Arbeit gehen. Da spricht man über die Arbeit und manchmal eben auch über etwas Anderes. Wenn man bei einem Stopp ist wie jetzt in Monaco, ist man täglich 16 Stunden lang wach. Über die zehn Tage sind das dann 160 Stunden Wachzeit. Davon spielt man ca. 40 bis 50. Das heißt, es gibt noch Zeit für Anderes. Die verbringt man dann meistens mit Sitzen, Essen oder Sport.

SPORT1: Sport im Flugzeug?

Kurganov: Ja, das geht sogar wirklich! Normalerweise muss man ja beim Start angeschnallt sein, dann ist der Flieger am stärksten geneigt. Als wir dann abgeflogen sind, haben wir aber schnell eine Weitsprung-Meisterschaft gemacht.

SPORT1: Und der Pilot hat da nichts dagegen?

Kurganov: Nö. Der hat das, glaube ich, nicht gesehen. Offiziell darf man das natürlich nicht (lacht). Aber diesmal hat es geklappt. Der Sieger ist natürlich der, der nach unten springt.

SPORT1: Sie spielen beim EPT Grand Final in Monte Carlo auch das Super-High-Roller-Turnier. Letztes Jahr wurden sie Dritter. Was erwarten Sie sich dieses Jahr?

Kurganov: Generell lief es für mich in Monaco immer relativ gut. Da habe ich es eigentlich immer an den Final Table geschafft bei einem der Turniere. Ich hoffe, dass das auch jetzt wieder der Fall sein wird. Vor allem beim Super High Roller würde ich mich darüber freuen. Ich glaube, ich bin ziemlich gut vorbereitet und habe eine gute Chance.

SPORT1: Macht es für sie mental eigentlich noch einen Unterschied, ob sie ein Turnier mit 5000 Euro oder 100.000 Euro  Buy-in spielen?

Kurganov: Ich habe das Gefühl, dass es bei einem 100.000-Euro-Turnier einfacher ist, fokussiert zu sein als bei einem 5000er. Wenn ich in dem 100.000er sitze, schaue ich mir zwischen den Händen die ganze Zeit an, wie sich jeder Spieler verhält und wie seine Körpersprache ist. In einem 5000er-Turnier lese ich dagegen schon mal ein Buch oder höre mir ein Audiobuch an oder Musik zwischendurch.

SPORT1: Die Atmosphäre in Monte Carlo ist geprägt von Glamour und Luxus. Gefällt Ihnen das?

Kurganov: Ich persönlich kann damit nicht so viel anfangen. Ich finde hier die Landschaft sehr schön, das ist schon wirklich etwas Besonderes. Aber dieses Rumprassen mit Geld ist nicht mein Ding. Ich halte mich eher aus dem Glamour-Leben raus. Als ich zum ersten Mal durch Poker an größeres Geld kam, wurde ich als junger Mensch auch ein bisschen geblendet. Aber das bringt nicht die Freude, wie man glaubt.

Mit Philipp Gruissem ist Kurganov gut befreundet
Mit Philipp Gruissem ist Kurganov gut befreundet © SPORT1/Neil Stoddart

SPORT1: Sie engagieren sie sich auch sozial. Sie haben die Initiative REG (Raising for Effective Giving) gegründet. Worum geht es dabei?

Kurganov: Die Initiative beruht auf der Idee des effektiven Altruismus. Wir denken, dass es beim Aussuchen von Spendenorganisationen darum gehen sollte, zu schauen: Wo wird am meisten Effekt erzielt? Zum Beispiel: Wo wird Menschen am meisten mit 100 Dollar geholfen? Jeder würde doch sagen, er hilft lieber zwei Menschen als nur einem, wenn er spendet. Man kann sehr, sehr günstig sehr viel erreichen. Diese Idee versuchen wir unter Pokerspielern zu verbreiten, weil sie generell dazu geneigt sind, sehr mathematisch zu denken.

SPORT1: Auch Philipp Gruissem ist bei der Initiative dabei. Sie sind gut befreundet. Ist es nicht auch ein Widerspruch, Freundschaften zu pflegen in der Pokerwelt, in der jeder auch immer seinen eigenen Vorteil sucht? 

Kurganov: Am Pokertisch haut man sich schon auch mal die Köpfe ein. Aber wenn man zusammen reist, erlebt man auch viel zusammen. Und das schweißt Leute zusammen. Wir nehmen uns nichts übel am Pokertisch, zum Beispiel, wenn ich ihn mal groß bluffe.

Poker-Profi Liv Boeree ist die Freundin von Igor Kurganov © Getty Images

SPORT1: Im Main Event könnten Sie auch an einem Tisch mit ihrer Freundin Liv Boeree sitzen. Wäre das für Sie eine besondere Situation? Ist es schwieriger oder einfacher gegen jemanden zu spielen, den man so gut kennt?

Kurganov: Es ist interessanter. Sie kennt mein Gesicht und mein Verhalten so gut, dass man da noch viel mehr damit rumspielen kann. Ich habe mal bei einem Charity-Turnier mit ihr an einem Tisch gesessen. Da haben wir uns die ganze Zeit geneckt. Da sucht man auch eher die Konfrontation. Ich weiß nicht, wie es beim Main Event wäre. Ich würde halt mein Spiel spielen und wenn es sie treffen würde, wäre es eben die Situation am Tisch. Aber das würde uns am Ende nicht so sehr beeinflussen - hoffe ich zumindest (lacht).

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