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Maxim Iglinski wurde 2005 Vierter der Tour-de-France-Nachwuchswertung

Astana führt den Weltverband UCI und die Konkurrenz vor. Die Dopingfälle der Iglinski-Brüder verkommen zur Farce.

München - Epo-Skandale, Tricksereien, Verschleierungstaktik: Das Auftreten des umstrittenen Teams Astana wirft den verzweifelt um besseren Leumund bemühten Welt-Radsport wieder in dunkelste Dopingzeiten zurück.

Dass so ein Stück weit zur Farce verkommene Saisonfinale zeigt vor allem, dass es kaum eine wirksame Handhabe gegen die schwarzen Schafe der Branche gibt.

UCI hilflos

Nach den positiven Test-Ergebnissen der kasachischen Brüder Maxim und Walentin Iglinski wollte der Weltverband UCI angesichts der "besorgniserregeden Situation" ein Machtwort gegen das Team um Tour-Sieger Vincenzo Nibali sprechen - es wurde zum Dokument der eigenen Hilflosigkeit.

"Wir werden mit dem Team reden, ob alles getan wird, damit die Fahrer keine leistungssteigernden Substanzen verwenden", hieß es butterweich: "Sobald wir die Situation beurteilen können, werden wir entscheiden, ob Veränderungen intern nötig sind oder ob die Voraussetzung für den Erhalt der Lizenz in Übereinstimmung mit dem WADA-Code verändert werden muss."

Am gleichen Tag bestätigte die UCI, dass Astana zu den zehn Teams gehört, die bereits ihre World-Tour-Lizenz für 2015 besitzen.

Keine ernsthafte Konsequenzen

Weil Astana um seinen einschlägig vorbelasteten Manager Alexander Winokurow kaum ernsthafte Sanktionen befürchten muss, tanzt das Team Verband und Konkurrenz fröhlich auf der Nase herum - wie im Inglinski-Fall.

Maxim, 2012 Sieger von Lüttich-Bastogne-Lüttich, war wie zuvor Bruder Walentin des Epo-Dopings überführt worden. Da sich Astana 2012 der "Bewegung für den glaubwürdigen Radsport" (MPCC) angeschlossen hatte, hätte dies eine achttägige Rennpause für das gesamte Team nach sich ziehen müssen.

Verzögerungstaktik erfolgreich

Maxim Inglinski zögerte seine Entscheidung über die Öffnung der B-Probe solange heraus, dass Astana noch beim Heimauftritt Tour of Almaty starten konnte - die Astana-Fahrer Alexei Lusenko als Nachfolger von Maxim Inglinski gewann.

Somit findet nur der vergleichsweise unbedeutende Saisonabschluss bei der Peking-Rundfahrt ohne Astana statt.

"Astana hat die Regeln respektiert"

Der Code der MPCC wurde mit Füßen getreten, doch ausgerechnet diese stellte im Nachhinein einen Blankoschein aus: "Astana hat die Regeln respektiert", sagte MPCC-Boss Nick Lemay.

Und so pflegt Astana, dass 2007 aus Liberty Seguros - einem anderen Skandalteam - hervorgegangen war, weiter das alte, schlechte Image: In der ersten Generation hatte der frühere Armstrong-Teamchef Johan Bruyneel die Mannschaft aufgebaut, schon in der Debütsaison wurde unter anderem der deutsche Profi Matthias Kessler als Dopingsünder enttarnt.

Doping und kein Ende

Um die aktuelle Generation ist es kaum besser bestellt: Sportdirektor Giuseppe Martinelli war 1998 der Kopf hinter dem Tour-Sieg von Marco Pantani, stand 2002 an der Spitze des Saeco-Teams, das wegen Dopings von der Tour ausgeschlossen wurde. SHOP: Jetzt Radsport-Artikel kaufen

Manager Winokurow, uneingeschränkter Chef im Team und schon 2007 Astana-Profi, ist erwiesener Blutdoper - und der jüngst überführte Maxim Iglinski war ab Team-Gründung einer seiner wichtigsten Helfer.

Dessen Fall bringt neben den teaminternen Abgründen vor allem eines ans Licht: Epo bleibt auch im neuen Radsport eines der größten Probleme - nicht nur bei Astana.

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