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CYCLING-FRA-TDF2015-BREAKAWAY
Christopher Froome ist der Gesamtsieg wohl nicht mehr zu nehmen © Getty Images

Chris Froome ist der Sieg bei der Tour de France nicht mehr zu nehmen. Nairo Quintana distanziert ihn hinauf nach Alpe d'Huez, aber der Brite verteidigt seine Führung.

Lächelnd reckte Christopher Froome die Arme in die Höhe und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf: Nachdem der designierte Gesamtsieger der 102. Tour de France auf dem Podium im legendären L'Alpe d'Huez das Gelbe Trikot übergestreift bekommen hatte, fiel ihm eine Zentnerlast von den Schultern.

"Es war unglaublich emotional, ich bin sehr erleichtert. In Gelb ins Ziel zu kommen, ist ein Traum", sagte Froome.

In einem spektakulären Finale auf den legendären Kehren von Alpe d'Huez hat der britische Radprofi trotz Schwächen auch die letzten Zweifel an seinem Triumph bei der Frankreich-Rundfahrt beseitigt (LIVETICKER zum Nachlesen).

Zwar kassierte Froome gegen seinen Herausforderer Nairo Quintana am Samstag eine deutliche Niederlage, rettete auf der entscheidenden letzten Bergetappe seinen Vorsprung aber ins Ziel (Das Gesamtkassement der Tour de France).

"Es war extrem hart, ich bin sehr erleichtert. Nairo ist jung, er ist sehr stark und hat eine glänzende Zukunft vor sich. Er hat es mir sehr, sehr schwer gemacht", sagte ein sichtlich erleichterter Froome.

Brite muss keine Angriffe fürchten

Zum zweiten Mal nach 2013 wird der 30-Jährige vom Team Sky am Sonntag das Gelbe Trikot als strahlender Sieger nach Paris tragen und auf dem Prachtboulevard Champs-Elysees feierlich geehrt werden. Wenn in Sevres am Seineufer die "Tour d'Honneur" beginnt, braucht Froome als designierter Gesamtsieger traditionell keine Angriffe mehr fürchten.

"Unglaublich, das Team hat einen fantastischen Job gemacht. Chris war über die drei Wochen hinweg der beste Fahrer", sagte Froomes Edelhelfer Richie Porte. 

Eine Million Zuschauer an der Strecke

Auf dem Weg zum großen Triumph hatte Froome auf der 110,5 km langen 20. Etappe ins Tour-Mekka Schwerstarbeit zu verrichten. Unter den frenetischen Anfeuerungen von rund einer Million Zuschauer hatte Quintana Froome mit diversen Attacken zermürbt und massiv unter Druck gesetzt.

Nach mehreren vergeblichen Versuchen setzte sich der Movistar-Kapitän rund zehn Kilometer vor dem Ziel vom schwächelnden Froome ab, vergrößerte den Vorsprung Sekunde um Sekunde und überquerte die Linie 1:20 Minuten vor dem Topfavoriten.

Froome, der bereits am Freitag eine halbe Minute auf Quintana eingebüßt hatte, wirkte erneut nicht in bester Verfassung. Während er in den Pyrenäen noch nach Belieben dominiert hatte, gingen dem gebürtigen Kenianer in den Alpen die Kraftreserven aus.

Quintana flog derweil im Wiegetritt dem Ziel entgegen und hätte den französischen Tagessieger Thibaut Pinot (FDJ) fast noch eingeholt.

Auch das Bergtrikot geht an Froome

Beim völlig erschöpften Froome fiel im Zielbereich der gesamte Druck ab, der Vorsprung auf Quintana betrug 1:12 Minuten. Neben Gelb wird er am Sonntag zu dem auch mit dem gepunkteten Bergtrikot geehrt. "Es waren heute nur knapp 100 km, aber sie haben sich angefühlt wie 300 km", sagte Froome nach den 110,5 km.

Nach einer längeren Einrollphase hatte der Kolumbianer Quintana die Jagd auf das Gelbe Trikot bereits mit einer beherzten Attacke auf dem Weg zum Col de la Croix de Fer (2067 m) eröffnet. Energisch flog der Bergfloh aus den Anden den steilen Weg zum Gipfel empor und musste sich dabei sogar bremsen, um seinen Edelhelfer Alejandro Valverde (Spanien) nicht abzuhängen.

Allerdings schloss Froome in der Abfahrt die Lücke zu seinem Rivalen. Entgegen dem ersten Anschein schaffte es Quintana auch nicht, Froome entscheidend zu isolieren und sich so einen taktischen Vorteil für den finalen Anstieg nach L'Alpe d'Huez zu verschaffen.

Quintana findet sein Lächeln schnell wieder

Quintana, der wie 2013 das weiße Trikot des besten Jungprofis nach Paris trägt, fand bereits am Samstag sein Lächeln wieder. Der Bergfloh aus den Anden bewies in den Alpen, dass er zurecht als stärkster Kletterer im Peloton gilt.

Letztlich scheiterte seine Mission Tour-Sieg auch an einer Windkante auf der zweiten Etappe, als er an der niederländischen Nordseeküste 1:28 Minuten auf Froome einbüßte. "Ich habe die Tour in der ersten Woche
verloren", sagte Quintana

Chance für Greipel und Degenkolb

Am Sonntag könnte neben Froome auch der deutsche Top-Sprinter Andre Greipel (Lotto-Soudal) noch einmal ins Rampenlicht fahren. Der 33-Jährige, der bislang drei Etappen gewann, würde seine ohnehin erfolgreiche Tour mit dem prestigereichen Sieg in Paris krönen.

Auch Klassiker-Spezialist John Degenkolb (Giant-Alpecin) hat nochmals die Chance, den ersehnten Tour-Etappensieg zu feiern.

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