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2015 Santos Tour Down Under - People's Choice Classic
Der Radsport hat offenbar ein neues Problem: Der Missbrauch von Schlafmitteln © Getty Images

Teamarzt Massimo Besnati vom russischen Radrennstall Katjuscha hat vor dem ansteigenden Missbrauch von Schlafmitteln im Peloton gewarnt.

Dieser sei im Profiradsport inzwischen weiter verbreitet als Doping, zudem würden Fahrer die entsprechenden Medikamente oftmals mit Alkohol kombinieren.

"Ich wäre Pinocchio, wenn ich sagen würde, dass Doping besiegt sei. Aber der Gebrauch von Schlafmitteln ist derzeit schlimmer und weiter verbreitet", sagte Besnati in einem Interview mit der Gazzetta dello Sport.

Der Mix mit Alkohol ergebe einen "explosiven Effekt. Es ist schrecklich". Besonders junge Athleten seien dafür anfällig. Auch würden einige Fahrer zum Oraltabak "Snus" greifen, der eine stimulierende Wirkung habe.

Die Gründe für den Konsum von Schlafmitteln sieht Besnati im Stress und der fortschreitenden Ermüdung bei Etappenrennen.

Pharmazeutische Regenerationsprodukte seien inzwischen verboten, und Fahrer, die keine pflanzlichen Produkte verwenden würden, hätten große Probleme, sich zu erholen. "Wenn du zu müde bist, schläfst du nur schwer ein", sagte Besnati.

Man müsse sich die Fahrer in der letzten Woche einer großen Landesrundfahrt ansehen, "sie sind alle nur noch Haut und Knochen".

Das Interview gab Besnati im Zuge der Beichte von Katjuscha-Fahrer Luca Paolini.

Der bei der diesjährigen Tour de France positiv auf Kokain getestete Italiener hatte massive Drogenprobleme eingeräumt und war dabei explizit auf seine Schlaftabletten-Abhängigkeit eingegangen.

Besnati erklärte, von der Sucht Paolinis gewusst zu haben. Er habe dem Fahrer die Mittel aber nicht verschrieben. Paolini habe sich von anderen Stellen die Medikamente und Drogen besorgt.

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