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Bei Gent-Wevelgem waren zahlreiche Begleitmotorräder im Einsatz © Imago

Lille - Der Tod des belgischen Profis Antoine Demoitie entfacht eine Sicherheitsdiskussion im Radsport. Die hohe Anzahl von Begleitmotorrädern bei Rennen sehen viele kritisch.

Der tödliche Unfall des belgischen Profis Antoine Demoitie beim Frühjahrsklassiker hat eine Sicherheitsdiskussion im Radsport wieder entfacht.

Dabei geriet vor allem der Weltverband UCI in Bedrängnis.

Demoitie war in der Nacht auf Montag seinen schweren Verletzungen erlegen, die er sich bei einem Zusammenstoß mit einem Begleitmotorrad zugezogen hatte.

Die Anzahl der Begleitfahrzeuge während der Rennen ist schon länger ein Diskussionsthema, die UCI und die Veranstalter haben bislang aber augenscheinlich keine gravierenden Änderungen vorgenommen, um solchen Unglücksfällen vorzubeugen.

Bei Gent-Wevelgem etwa uferte offensichtlich vor allem die Anzahl der Fotografen-Motorräder regelrecht aus, das legten auch Bilder aus dem Rennen nahe.

Viele Alarmsignale

Dabei hatte es Alarmsignale zur Genüge gegeben innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Schon 2015 gab es zahlreiche Vorfälle, die aber allesamt noch einigermaßen glimpflich ausgingen.

Weltmeister Peter Sagan wurde während der letztjährigen Spanien-Rundfahrt von einem Motorrad umgefahren, das Gleiche widerfuhr dem Belgier Greg Van Avermaet beim Klassiker in San Sebastian.

Seit Jahresbeginn setzten sich die Warnungen fort. Der Belgier Stig Broeckx aus dem Greipel-Team Lotto war Anfang März bei Kuurne-Brüssel-Kuurne zu Fall gekommen und brach sich unter anderem das Schlüsselbein, am gleichen Wochenende erging es dem Schweizer Danilo Wyss (BMC Racing) bei einem Wettbewerb in Frankreich ähnlich.

Im vergangenen Frühjahr hatte es zudem bei der Flandern-Rundfahrt schon Zwischenfälle mit neutralen Materialautos aus dem Begleittross gegeben. All das war offenkundig nicht genug, um die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen.

Contador fordert zum Handeln auf

Der frühere Tour-de-France Champion Alberto Contador sieht aber dringenden Handlungsbedarf.

"Es braucht eine Kontrolle der Motorräder bei den Rennen", forderte der Spanier auf Twitter.

"Und nun?", schrieb der Däne Brian Holm, bei Etixx-Quick Step Sportdirektor von Kittel und Martin, bei Twitter adressiert an die UCI und deren Präsidenten Brian Cookson.

Auf den Tod Demoitiés reagierte der Verband am Montagmittag mit "tiefer Trauer" und kündigte Kooperation bei den Untersuchungen an.

Giani Bugno, Präsident der Fahrervereinigung CPA, sprach indes von "großem Frust".

Er wolle im Lichte des Unglücks aber keine "Kontroverse" eröffnen.

Kritik an mangelnder Qualifikation der Piloten

Kritisiert wird in erster Linie die nicht immer ausreichende Qualifikation der Motorradfahrer, es gebe etwa keine einheitlichen Lizenzen, um während des Rennens das Peloton zu begleiten.

Jason Jenkins, ein erfahrener Motorradpilot, sprach auch darüber vor etwa einem Monat mit dem Fachportal cyclingtips.com: "Die UCI muss etwas unternehmen, und es sieht nicht so aus, als würde sie es tun."  

Jenkins erzählte, dass derzeit ein Tagescrashkurs ausreiche, um eine Genehmigung für ein World-Tour-Rennen zu erhalten. Und er verteidigte die Motorradpiloten, von denen keiner mutwillig einen Unfall provoziere.

"Niemand will so etwas", sagte Jenkins, fügte aber mahnend hinzu: "Es ist das Spielfeld der Rennfahrer, jedes Motorrad ist nur ein Gast auf diesem Spielfeld."

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