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Stephen Cummings hat in den Pyrenäen die siebte Etappe der 103. Tour de France gewonnen
Stephen Cummings hat in den Pyrenäen die siebte Etappe der 103. Tour de France gewonnen © Getty Images

Die Favoriten Froome und Quintana belauern sich auf der siebten Tour-Etappe. Der Sieg eines Engländer gerät wegen einer kuriosen Szene fast zur Nebensache.

Chris Froome und Nairo Quintana zuckten am ersten Pyrenäen-Riesen nicht einmal, dafür brachte der Teufelslappen die beiden Top-Favoriten der Tour de France fast zu Fall.

Beim Überraschungscoup des Briten Stephen Cummings hatten Froome und Quintana ihren heikelsten Moment kurz vor dem Ziel zu überstehen, als der aufblasbaren Markierung für den letzten Kilometer die Luft ausging und sie auf die Gruppe der Spitzenfahrer stürzte.

"Das Ding ist einfach runtergekommen", sagte der Brite Adam Yates, der als einziger Fahrer zu Boden ging und am Teambus genäht werden musste. 

Weitgehend glimpflich ging die Panne nicht nur deshalb aus, weil sich keiner der Anwärter auf den Gesamtsieg dabei verletzte, sondern auch, weil Renndirektor Thierry Gouvenou sofort mitteilte, dass es keine Zeitverluste geben werde.

Froome und Quintana belauern sich

Cummings feierte da schon längst, nachdem er die Passivität der Favoriten genutzt und die siebte Etappe nach 162,5 km von L'Isle Jourdain zum Lac de Payolle für sich entschieden hatte.

"Ich habe mir diese Etappe ausgesucht. Ich bin hierher gekommen, um zu gewinnen", sagte Cummings. Während der 35-Jährige am Col d'Aspin couragiert dem Ziel entgegenstrebte, belauerten sich Froome und Quintana auf dem ersten Pyrenäen-Abschnitt nur, zeigten aber auch keine Schwäche. 

Mit der Gruppe der Favoriten kam indes auch Emanuel Buchmann ins Ziel, der Deutsche belegte den 21. Rang.

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte der Belgier Greg Van Avermaet (BMC) als Tagesfünfter nicht nur erfolgreich, sondern baute seine Führung vor Yates sogar auf 5:50 Minuten aus.

Martin: "Habe es taktisch versaut"

Die deutschen Radprofis spielten insgesamt keine große Rolle, obwohl es unter anderem Tony Martin und Simon Geschke in die Ausreißergruppe geschafft hatten, aus der Tagessieger Cummings hervorging.

"Ich habe es taktisch versaut, weil ich die Gruppe verpasst habe, die am Ende um den Sieg fuhr. Die Form am Berg ist gut, darum ist es schade, dass ich nicht vorne mit dabei war", sagte Martin.

Froome und Quintana ließen am ersten großen Tour-Anstieg ihre Helfer in zwar recht hohem, aber kontrolliertem Tempo die 12 km lange Steigung bewältigen, für die größte Aufregung sorgte der plötzlich erschlaffte Teufelslappen.

Cummings kocht Nibali ab

Cummings hatte sich schon am Fuße des Aspin einen Vorsprung herausgefahren und diesen auf beeindruckende Art auch gegen Ex-Tour-Champion Vincenzo Nibali behauptet, der nur Tagesvierter wurde.

Für den 35 Jahre alten Routinier war es der zweite Tour-Etappensieg seiner Laufbahn, 2015 hatte er in Mende gewonnen und damals dem südafrikanischen MTN-Qhubeka-Team am Nelson-Mandela-Day den bis dahin größten Triumph beschert.

Bei dieser Tour hat die mittlerweile als Dimension Data firmierende Equipe nun schon vier Tageserfolge, nachdem Sprinter Mark Cavendish die Etappen eins, drei und sechs für sich entschieden hatte. 

Der großen und sehr prominent besetzten Ausreißergruppe des Tages hatten insgesamt vier deutschen Radprofis, neben Martin und Geschke noch Paul Voss sowie Paul Martens angehört. 

Zwei schwierige Etappen warten

Vergangenes Jahr hatte Froome seine Konkurrenten mit einer Attacke auf dem ersten Pyrenäen-Abschnitt überrascht. Auf dem Weg nach La Pierre Saint Martin fuhr der Brite einen derart großen Vorsprung heraus, dass er davon bis zum Ende der Tour zehren konnte.

Diesmal trat die Prognose von Froome-Helfer Geraint Thomas ein, der nicht an eine ähnlich ereignisreiche Etappe glaubte. "Der Samstag ist härter und der Sonntag erst recht", sagte er.

So war der Freitag nur die Ouvertüre vor zwei knallharten Abschnitten am Wochenende. Erst folgt die Hatz über die legendären Pyrenäen-Gipfel Tourmalet und Peyresourde, dann wird es am Sonntag noch schwieriger. Fünf Pässe, fast 5000 Höhenmeter, das Ziel auf 2240 m Höhe - unmittelbar vor dem ersten Ruhetag wird das Gesamtklassement schon ein deutliches Bild zeigen.

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