vergrößernverkleinern
Le Tour de France 2017 - Stage Twelve
Christopher Froome musste erstmals sein Gelbes Trikot während der Tour de France wieder abgeben © Getty Images

Für Ex-Profi Jens Voigt ist Chris Froomes Einbruch nach Peyragudes eine historische Niederlage. Doch die Konkurrenz müsse nachlegen.

Die 12. Etappe bei der Tour de France hat die Radsport-Welt erschüttert.

Zum ersten Mal seit 2013, seitdem Sky-Profi Christopher Froome die wichtigste Rundfahrt der Welt quasi nach Belieben dominiert, erlaubte sich der Brite einen echten Einbruch.

Auf dem Schlussanstieg nach Peyragudes hängten den dreimaligen Champion - 2014 musste Froome die Tour nach zahlreichen Stürzen aufgeben - gleich sechs Fahrer ab. Etappensieger Romain Bardet distanzierte den Seriensieger gleich um 22 Sekunden.

Voigt: "Froome noch nie so angeschlagen gesehen"

Für die deutsche Tour-Legende Jens Voigt war dieser Rennausgang ein Donnerhall: "Ich habe Froome noch nie so angeschlagen gesehen", bilanzierte der 45-Jährige im Gespräch mit SPORT1. "Sein Team hat hervorragende Arbeit geleistet, aber der Chef war am Ende einfach zu schwach."

Froomes Schwächephase am Donnerstag war tatsächlich eine Tour-Premiere. Noch nie zuvor hatte der Brite, hatte er das Gelbe Trikot erst einmal erobert, danach die Führung wieder abgegeben.

Diese Blöße gab sich der 32-Jährige jedoch bei der ersten Pyrenäen-Etappe der diesjährigen Tour: Der Italiener Fabio Aru luchste Froome das Maillot Jaune auf der Bergankunft in Peyragudes wieder ab, liegt aktuell sechs Sekunden vor dem Top-Favoriten.

"Wie die erste Niederlage von Muhammed Ali"

"Das ist fast wie die erste Niederlage von Muhammed Ali. Das konnte damals auch keiner glauben, dass er verlieren kann. Das gab es einfach noch nie", sagte Voigt.

Allzu überschwänglicher Enthusiasmus sei für die Konkurrenz ob des ersten Punktsiegs gegen Froome trotzdem noch nicht angebracht: "Er wird aus seinen Fehlern gelernt haben", prophezeite der zweifache Tour-Etappensieger für den weiteren Verlauf der Großen Schleife.

Und: Aru, Bardet und Co. haben einen großen Nachteil gegenüber dem Dominator der vergangenen Jahre: Sie sind keine guten Zeitfahrer.

"In einem realistischen Klassement liegt Aru immer noch 35 bis 40 Sekunden hinter Froome", schätzt Voigt. "In einem Zeitfahren kann keiner von ihnen Froome wirklich gefährden."

Video

Entscheidung fällt beim Zeitfahren

Auf der vorletzten Etappe wartet auf die Fahrer ein 22,5 Kilometer langes Zeitfahren durch Marseille. Spätestens dann wird also die Entscheidung über den Tour-Sieg fallen. Und es könnte wieder Froomes große Stunde schlagen.

Denn schon im gerade einmal 14 Kilometer langen Prolog in Düsseldorf nahm der zweifache Olympia-Bronzemedaillengewinner seinen ärgsten Widersachern 40 Sekunden (Aru) beziehungsweise 39 Sekunden (Bardet) ab.

Die aktuelle Ausgangslage zwingt also alle Fahrer zur Attacke: "Aru und Bardet müssen angreifen, weil sie mehr Zeit herausfahren müssen. Und Froome muss angreifen, weil er das Gelbe Trikot zurück will", schätzt Voigt, der als TV-Experte bei der Tour aktiv ist, die Situation ein.

Video

Karriereende für Contador?

Dem Kolumbianer Nairo Quintana und Alt-Meister Alberto Contador traut der Ex-Profi indes keine Aufholjagd mehr zu: "Für die beiden ist die Tour vorbei. Ich glaube auch nicht, dass es überhaupt für einen Etappensieg reicht."

Der Bergspezialist habe sich vom Giro d'Italia nicht rechtzeitig erholt, der spanische Ex-Champion Contador sei von seinen Stürzen zu sehr gezeichnet.

Bei Contador sieht Voigt ohnehin das Karriereende immer näher rücken: "Sein Körper ist einfach müde und kaputt. Diese Tour könnte der Schwanengesang für Alberto sein."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel