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Englands Mike Brown wird im Spiel gegen Wales unsanft gestoppt © Getty Images

Bei der Rugby-WM muss der Gastgeber Australien schlagen, um das frühzeitige Aus zu verhindern. Besonders der Coach steht in der Kritik. Der Verband bangt um den Hype.

Englands großer Rugby-Party droht ein brutaler Stimmungskiller.

Verliert der WM-Gastgeber am Samstag (ab 21 Uhr LIVESCORES) gegen Australien, ist das Turnier für den Titelanwärter schon nach der Vorrunde beendet. Spieler, Verantwortliche, Fans und Sponsoren - vor dem Duell mit dem zweimaligen Weltmeister zittert die ganze Nation vor den Folgen eines möglichen K.o. in der Gruppenphase. 

"Das ist wie ein WM-Finale für uns", sagte Englands Nationalcoach Stuart Lancaster vor dem Showdown im Londoner Rugby-Tempel Twickenham: "Die Einsätze sind extrem hoch. Wenn wir nicht gewinnen, sind wir raus."

Englands Coach Lancaster unter Druck

Nachdem das Turnier mit einem mühevollen Erfolg über Außenseiter Fidschi (35:11) vielversprechend begonnen hatte, brachte die unerwartete Niederlage gegen den Nachbarn Wales (25:28) den Gastgeber in der Todesgruppe A in größte Bedrängnis. 

Vor allem Trainer Lancaster, dessen Vertrag noch im Vorjahr vorzeitig bis 2020 verlängert worden war, steht seither im Kreuzfeuer der medialen Kritik. Aus der ehemals so stolzen Nationalmannschaft habe er durch seine "Klassenzimmer-Atmosphäre" in der Teamführung eine Gruppe von harmlosen "Schuljungen" gemacht, musste sich der ehemalige Lehrer unter der Woche anhören.

"Es ist das wichtigste Spiel meiner Karriere", sagte Lancaster nun: "Die Konsequenzen sind klar: Verstecken geht nicht."

Bangen um den Rugby-Hype

England wäre der erste Gastgeber, der bei der seit 1987 ausgetragenen Rugby-WM bereits in der Vorrunde scheitert. Die Folgen eines vorzeitigen Ausscheidens gingen aber weit über die sportliche Schmach hinaus.

Zwar wären die bislang nahezu ausnahmslos ausverkauften Stadien zwar sicherlich auch weiterhin gut gefüllt, TV-Partner, Kneipen-Besitzer und alle, die sich vom Rummel um die Jagd nach dem WM-Titel im eigenen Land wirtschaftlichen Erfolg versprachen, bangen jedoch gemeinsam mit der Mannschaft um ihre Einnahmen.

Schließlich waren die Ansprüche an das Turnier im Mutterland des kampf- und körperbetonten Sports gewaltig. Nicht weniger als "die beste WM aller Zeiten" wollte der englische Rugby-Verband RFU veranstalten und damit eine "ganze Generation für den Rugby-Sport begeistern".

Australien als Spielverderber?

Nach dem bislang einzigen WM-Titel 2003 war der RFU vorgeworfen worden, den Hype nicht ausreichend genutzt zu haben. Ein frühes Aus der englischen Auswahl wäre ein fataler Rückschlag für die großen Ambitionen des Veranstalters.

Australien, selbst einer der großen Titelfavoriten, würde derweil nur allzu gerne den Partycrasher spielen. Schon einmal hatten sie England in Twickenham geschockt, als sie  den damaligen
Co-Gastgeber bei der WM 1991 mit 12:6 im Endspiel besiegten. "Wir werden bereit sein und Farbe bekennen", kündigte Trainer Michael Cheika an.

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