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Paul Biedermann gewinnt über 200m Freistil seine erste WM-Medaille seit vier Jahren
Paul Biedermann gewinnt über 200m Freistil seine erste WM-Medaille seit vier Jahren © Getty Images

Paul Biedermann wird den Erwartungen gerecht und beschert dem deutschen Schwimmverband das erste Edelmetall. Lange sieht es für den 28-Jährigen allerdings nicht gut aus.

Paul Biedermann kroch nach seiner bronzenen Aufholjagd völlig entkräftet aus dem Wasser, an Land pumpte er wie ein Maikäfer und ging vor Erschöpfung in die Knie.

Mit einem wahren Kraftakt hatte sich der Weltrekordler im letzten WM-Einzelfinale seiner Karriere eine Medaille erkämpft. Biedermann gewann bei der Schwimm-WM in Kasan auf seiner Paradestrecke 200 m Freistil Bronze, nachdem er wieder einmal seine Stärken auf der Schlussbahn ausgespielt hatte.

"Mir tut alles weh. Ich habe alles gegeben und bin mit Bronze belohnt worden", sagte Biedermann sichtlich erleichtert über sein erstes WM-Edelmetall seit seinen drei Bronzemedaillen vor vier Jahren in Schanghai.

Biedermann holt sich Erfolgserlebnis

Kurz nach dem Anschlag hatte er noch regungslos auf die Anzeigetafel geschaut. "Mir fehlte ein wenig Sauerstoff, den ich vom Gehirn auf die Augen weiterleiten konnte", scherzte der 28-Jährige, der nach einem gewohnt schwachen Start das Feld von hinten aufgerollt hatte.

Dass ihm am Ende nur 0,24 Sekunden auf den britischen Überraschungsweltmeister James Guy und 0,18 Sekunden auf den Zweiten Sun Yang fehlten, ärgerte ihn doch ein wenig. "Er kam an und hat gesagt: 'Da wäre ja Gold drin gewesen'. Da hätte ich ihm beinahe eine geklatscht", berichtete sein Heimtrainer Frank Embacher.

Der Doppel-Weltmeister von 2009 verpasste seinen dritten WM-Titel aufgrund einer schlechten letzten Wende. "Die habe ich leider nicht ganz getroffen, das ist ein bisschen schade", sagte der Hallenser: "Ich habe mich in der Weltspitze wieder etablieren können, das gibt mir Mut und Auftrieb für das nächste Jahr." 

Weitere Medaille mit der Staffel?

Nach Olympia in Rio wird Biedermann seine aktive Karriere beenden - möglichst mit seiner ersten Olympia-Medaille. Zunächst will er aber bei der WM auch mit der aussichtsreichen 4x200-m-Freistilstaffel, die er schon bei der Heim-EM zu Gold gezogen hatte, am Freitag etwas reißen.

Dafür wird Deutschlands Vorschwimmer wohl auf einen Start über die 100 m am Mittwoch verzichten.

Biedermanns Bronzerennen dürfte auch den zwei anderen deutschen Medaillenhoffnungen Rückenwind geben. Franziska Hentke greift am Mittwoch über 200 m Schmetterling an, einen Tag später wird es für Vize-Weltmeister Marco Koch über 200 m Brust ernst.

Steffen wird bestätigt - Duell mit Phelps in Rio

Biedermanns Chancen standen so günstig wie lange nicht. Er war mit der weltbesten Zeit nach Kasan gereist und in der Vorbereitung von Krankheiten verschont geblieben. Zudem waren US-Superstar Michael Phelps und Doppel-Olympiasieger Yannick Agnel (Trainingsrückstand) nicht am Start.

Auch seine Freundin Britta Steffen hatte sich im Vorfeld optimistisch gezeigt: "Eine Medaille halte ich für realistisch." Die Abwesenheit des Rekord-Olympiasiegers Phelps, der vom US-Verband wegen seiner Alkoholfahrt nicht für die WM nominiert worden war, fand Biedermann jedoch schade.

"Der Schwimmsport profitiert von Michael Phelps wie von keinem Zweiten", sagte Biedermann. Dafür freute er sich auf das Duell bei Olympia: "Dann wird es halt nächstes Jahr umso spannender."

Hentke als Mitfavoritin

Olympia ist auch für Hentke das große Ziel, doch zu einer WM-Medaille würde die Magdeburgerin nicht Nein sagen. Nach ihrem deutschen Rekord vor einem Monat geht sie als Weltranglistenerste in das Rennen über 200m Schmetterling.

Ihr früheres Idol Franziska van Almsick drückt Hentke die Daumen: "Sie hat einen wahnsinnig großen Schritt gemacht. Es wäre ihr auf alle Fälle zu gönnen. Vor allem wäre es auch ein Zeichen der Frauen."

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