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Chinas Superstar Sun Yang gewann in Kasan sein sechstes und siebtes WM-Gold
Chinas Superstar Sun Yang gewann in Kasan sein sechstes und siebtes WM-Gold © Getty Images

Kasan - Am Schlusstag der WM dreht sich alles um den Start-Verzicht des Chinesen. Der Dopingsünder spricht von Herzproblemen - ein Trainer von einem Streit mit einer Brasilianerin.

Chinas Schwimmriese war plötzlich ganz klein. Nach einer tiefen Verbeugung entschuldigte sich Sun Yang mit leiser Stimme.

Draußen am Becken waren gerade noch die letzten Weltmeister geehrt worden, da musste der Doppel-Olympiasieger im Bauch des Kasaner Fußballstadions erklären, warum er nicht mitgeschwommen war.

"Es tut mir leid. Ich habe mich am Herzen unwohl gefühlt", sagte der Weltrekordler. Zum WM-Abschluss war einer, der nicht gestartet war, wichtiger als die, die gewonnen hatten.

Nur ausweichende Antworten

Als beim Finale über 1500 m Freistil der Startblock mit der Nummer drei leer blieb, war die Aufregung groß. Wo ist Sun Yang?

Die einen vermuteten schon einen Dopingskandal, weil Chinas Schwimmheld bereits im Mai 2014 positiv getestet worden war. Dann machte die Nachricht die Runde, der 23-Jährige habe im Einschwimmbecken eine brasilianische Schwimmerin attackiert.

Für Aufklärung sorgte Sun nur bedingt, als er neben zwei chinesischen Teamoffiziellen die Fragen der internationalen Presse beantwortete - oder ihnen auswich.

Er habe zum ersten Mal Herzprobleme, schon nach seinem Sieg über 800 m habe er sich nicht gut gefühlt, erst nach dem Einschwimmen habe er entschieden, nicht an den Start zu gehen - zu spät für den Färinger Pal Jönsen, der als Vorlaufneunter Nachrücker gewesen wäre.

Dopingvergehen zunächst vertuscht

Ob er tatsächlich, wie ein brasilianischer Trainer dem Fernsehsender SporTV berichtete, nach einem Streit mit einer Schwimmerin über den Platz im Becken handgreiflich geworden war, wollte Sun nicht sagen: "Das kommentiere ich nicht, das war am Morgen."

Der Offizielle neben ihm sprach davon, dass beim Einschwimmen generell immer viel los sei. Das brasilianische Team soll sich beim Weltverband FINA über Sun beschwert haben.

Dass Sun überhaupt in Kasan starten durfte, hatte schon für Diskussionen gesorgt. Den positiven Dopingtest auf das verbotene Stimulans Trimetazidin hatte der chinesische Verband zunächst vertuscht. Erst nachdem Sun schon wieder bei den Asienspielen dreimal Gold gewonnen hatte, wurde der Fall bekannt. Und auch, dass er statt der üblichen zwei Jahre rückwirkend lediglich drei Monate aus dem Becken verbannt worden war.

Ursprünglich sollten sogar eine Verwarnung und eine Geldstrafe ausreichen.

Sieben Tage im Gefängnis

Weitaus härter bestraft hatte ihn Chinas Staatsmacht, als er im November 2013 mit einem Porsche Cayenne ohne Führerschein einen Unfall verursachte.

Sieben Tage musste der Schwimmstar, der nach seinen olympischen Goldmedaillen über 400 und 1500 m Freistil in London gerade alle drei WM-Titel auf den langen Strecken in Barcelona gewonnen hatte, ins Gefängnis.

Die Strafe sei streng, aber zu seinem Besten, hieß es damals. Sun solle immer "als Held des chinesischen Sports und nicht als Sünder" gelten.

Knapp zwei Jahre später in Kasan wirkte der Held eher wie ein Sünder, als er sich mit einer zweiten Verbeugung verabschiedete - nach China, um sein Herz untersuchen zu lassen. Zurück blieben viele offene Fragen.

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