vergrößernverkleinern
Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner (r.) versucht Angelique Kerber zu trösten
Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner (r.) versucht Angelique Kerber zu trösten

Prag - Andrea Petkovic und Angelique Kerber verlieren ihre Einzel. Durch den 0:2-Rückstand ist der Traum vom Fed-Cup-Titel fast schon geplatzt.

Ein Schrei sagt oft mehr als tausend Worte. Überhaupt waren es viele Schreie, die beim Fed-Cup-Finale in Prag für Aufregung sorgten.

Allen voran: "Komm jetzt!". Angelique Kerber wollte sich in der zweiten Partie gegen Lucie Safarova mit diesem Anfeuerrungsruf nach vorne pushen, und brachte sich damit selbst aus dem Konzept.

Weil sie die Worte vorschnell über den Platz schickte, ihre Gegnerin den sicher geglaubten Winner noch erreichte und Kerber der Punkt deshalb folgerichtig aberkannt wurde, verlor sie den ersten Satz und später das ganze Match (4:6, 4:6).

"Ich kenne die Regel, keine Diskussion, mein Fehler", kommentierte die 26-Jährige trocken.

Petkovic gegen Kvitova chancenlos

Schon zuvor war Andrea Petkovic gegen eine bärenstarke Petra Kvitova (2:6, 4:6) chancenlos gewesen.

Deutschland liegt nach dem ersten Tag des Finales mit 0:2 Punkten hinten und steht mit dem Rücken zur Wand.

Wollen die DTB-Frauen doch noch feiern, müssen sie am Sonntag (ab 12.30 Uhr im LIVEBLOG) alle drei ausstehenden Spiele gewinnen.

Unwahrscheinlich, dass das noch gelingt.

Kerber verliert die Nerven

Kerbers Nervenausreißer war symptomatisch für einen missglückten Tag eins. Beinahe hatte man das Gefühl das deutsche Team wolle zu viel, verkrampfe unter dem Druck und sei mehr mit dem Drumherum als sich selbst beschäftigt.

Immer wieder protestierten sowohl Kerber als auch Petkovic gegen die ständigen Zwischenrufe des tschechischen Publikums. Und auch Teamchefin Barbara Rittner redete zwischendrin mehrmals ein ernstes Wörtchen mit der Schiedsrichterin.

"Gerade zwischen den Aufschlägen hat das gestört", sagte Petkovic, die sich unter anderem bei Satz- und Matchball dadurch beeinflusst fühlte. "Ja es ist unglaublich laut und damit schwieriger, sich zu konzentrieren", räumte auch Kerber ein.

Von der Bestform weit entfernt

Die Statistik las sich wie der Beleg dazu: Ungewohnt viele Doppelfehler unterliefen den beiden deutschen Starterinnen.

Insbesondere in den Schlüsselsituationen zeigten sie sich unkonzentriert und leisteten sich zu viele leichte Fehler.

Gerade Kerber war die Nervosität deutlich anzumerken: In Satz eins und zwei mit Break vorne, führte sie jeweils schon 4:2, ehe sie beide Male vier Spiele in Folge abgab.

DTB-Frauen selbstkritisch

Dennoch suchten die Deutschen die Fehler vor allem bei sich und im sportlichen Bereich.

Die Tschechen seien einfach konstanter gewesen und mit der Situation besser vertraut gewesen, waren sich Kerber und Teamchefin Rittner einig.

"Im Gegensatz zu uns haben sie diese Erfahrung und konnten von Beginn an in den Genussmodus schalten", erklärte Rittner.

Tschechien holte mit Kvitova und Safarova bereits 2011 und 2012 den Fed Cup, insofern ist der Erfahrungsvorsprung tatsächlich enorm.

"Unsere Spielerinnen waren beeindruckt. Und dann verlässt einen in manchen Situationen die Klarheit auf dem Platz", so Rittner zu Kerbers Fauxpas.

Auch Petkovic äußerte anerkennend: "Petra war heute einfach besser und hat ungemein druckvoll gespielt. Wenn sie den Ball so gut trifft, ist sie kaum zu schlagen."

Belag zu schnell - "keine große Sache"

Selbst die Tatsache, dass der Hartcourt-Belag in der O2 Arena schneller ist, als das Reglement des Weltverbands ITF erlaubt, nahm niemand als Entschuldigung her.

"Keine große Sache", winkte Rittner ab. "Wir haben die ganze Woche darauf trainiert. Das ist nicht unfair."

Tschechien muss dafür lediglich mit einer Geldstrafe rechnen.

Dass den Tschechen der schnelle Belag besser liegt, ist zwar allen Seiten klar, aber das ordnet man unter Heimvorteil ein.

Kerber weit von Bestform entfernt

Genauso wie die Zwischenrufe. Sie gehören bei den Teamwettbewerben im Tennis einfach dazu.

Die Deutschen hoffen nun darauf, dass sie an Tag zwei besser mit der Situation zurecht kommen. Immerhin haben sie sie jetzt einmal erlebt.

Trotzdem ist nach den Eindrücken des ersten Tages nicht damit zu rechnen. Kvitova spielt in Bestform, Kerber ist meilenweit davon entfernt. Die beiden machen den Auftakt am Sonntag.

Kommt Lisicki rein?

Gut möglich, dass der Traum der Deutschen dann bereits nach drei Spielen vorbei ist.

"Noch haben wir nicht verloren, ich werde alles versuchen“, gab sich Kerber verhalten optimistisch. Rittner gab ihrer Spielführerin eine Einsatzgarantie - „sollte sie nicht noch über Nacht krank werden."

Für das zweite Einzel erwägt man indes den Einsatz von Sabine Lisicki, die auf dem schnellen Platz eine "echte Waffe" (Petkovic) sei.

Ob dieses Spiel dann überhaupt noch relevant ist, darüber entscheidet vorher Kerber, die ihr Nervenkostüm in den Schreien von Prag zusammenhalten möchte.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel