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Michael Zverev, Tommy Haas
Tommy Haas freut sich darauf, die Karriere von Alexander Zverev in den nächsten Jahren im Fernsehen zu verfolgen © getty

München - Tommy Haas spricht bei SPORT1 über sein Comeback, eine Abschiedstour und eine neue Generation von Tennisspielern. Alexander Zverev sagt er baldige Erfolge voraus.

Von Stefan Schnürle und Thomas Walz

Tommy Haas ist heiß auf sein Comeback auf der ATP-Tour. Zuletzt stand der 36-Jährige bei den French Open 2014 auf dem Platz. Danach setzte Haas eine Schulterverletzung außer Gefecht, und er musste zum wiederholten Male operiert werden.

Wie sehr Haas auf seine Rückkehr brennt, merkt man an dem ungebremsten Ehrgeiz des in den USA lebenden Bayern. So fliegt sogar beim Training schon einmal der Schläger, wenn es im Training einmal nicht so läuft wie gewünscht, wie folgendes Video zeigt.

Beim Turnier in Indian Wells (ab 11. März) soll die Leidenszeit dann endlich ein Ende haben. Ob es wirklich mit der Rückkehr in der Nähe seiner Wahlheimat klappt, steht aber auf der Kippe, wie er im SPORT1-Interview erklärt. Außerdem spricht Haas über die aktuell größte Hoffnung für die Zukunft des deutschen Tennis.

SPORT1: Wie verliefen die neun Monate seit Ihrer Verletzung?

Tommy Haas: Die ersten Wochen und Monate waren natürlich sehr hart. Da hatte ich vier, fünf Wochen eine Armschlinge und durfte zweieinhalb bis drei Monate gar nichts machen, was Sport anging. Da sieht man seinen Körper dann ein bisschen dahin faulen. Jetzt bin ich aber wieder voll im Training. Von den Grundschlägen her läuft es auch wieder ganz gut. Einzig beim Aufschlag muss ich erst mal sehen, wie es die nächsten Wochen geht. Aber ich bin optimistisch und versuche alles, um nochmal auf die Tour zurück zu kommen.

BMW Tennis Open-Tommy Haas-Sara Foster
Tommy Haas (l.) ist mit Sara Foster liiert © Getty Images

SPORT1: Das Ziel lautet, in Indian Wells zu starten?

Haas: Ja, das ist erst einmal das Ziel. Das ist eines meiner Lieblings-Turniere, da ich auch den Turnier-Besitzer sehr gut kenne. Das ist auch nicht weit weg von Los Angeles, deshalb kommen immer viele Freunde und Familienmitglieder. Ich werde dort dann auch hoffentlich mit dem einen oder anderen Profi spielen, um zu sehen, wo ich stehe. Ich hoffe, dass ich vielleicht sogar das Turnier mitspielen kann. Das wird man aber erst kurzfristig erfahren.

SPORT1: Glauben Sie, dass es eine Comeback-Abschieds-Tour wird oder dass Sie noch bis Ende 30 auf der Tour spielen können?

Haas: Ich weiß es wirklich nicht. Es kommt darauf an, wie sich die Schulter anfühlt, wenn ich nicht nur ein wenig "just for fun" auf dem Tennisplatz ein paar Bälle schlage. Es geht ja dann wirklich auch wieder darum, Großes zu leisten, wodurch man den Körper wieder mehr beansprucht. Aber ich versuche, nicht an mein Alter zu denken, sondern nur, dass ich nochmal auf die Tour zurückomme, um nochmal viele Matches zu spielen. Aber wenn ich merke, dass es nicht mehr so gut läuft, dann ist es vielleicht so eine Art Abschiedstour.

Alexander Zverev steht in Miami in der zweiten Runde
Alexander Zverev gilt als eines der größten Talente im deutschen Tennis © Getty Images

SPORT1: Neben dem Training werden Sie sicherlich auch dazu kommen, das Geschehen auf der Tour. Wie würden Sie im Moment die Situation der deutschen Spieler einschätzen?

Haas: Es hat sich eigentlich nicht so viel geändert. Es gibt nach wie vor viele gute Spieler in den Top 100. Natürlich ist immer noch Philipp Kohlschreiber derjenige, der die Topleute ärgern oder auch schlagen kann. Dann haben wir natürlich einen jungen Spieler mit Alexander Zverev, in den wir viel Hoffnung stecken in nächsten Jahren. Er muss noch viel dazu lernen. Aber er hat das Potenzial, in nächster Zeit Großes zu leisten. Er ist sehr groß, hat sehr gute Schläge und bewegt sich für seine Größe sehr gut. Ich glaube, es gibt nur ein Ziel für ihn und es wird sicherlich Spaß machen, seine Karriere zu verfolgen.

SPORT1: Könnte Alexander Zverev ein Nachfolger von Ihnen werden?

Haas: Ich habe ihn noch nicht so oft spielen sehen. Aber was ich gesehen habe, ist schon sehr beeindruckend in den jungen Jahren. Er ist sehr ehrgeizig und er weiß, was er erreichen will. Ich bin relativ nah am Ende meiner Karriere und er ist noch am Anfang, das heißt, ich werde mir dann auch seine Karriere anschauen - eher am Fernseher als auf der Tour. Ich freue mich darauf.

Milos Raonic
Spieler wie Milos Raonic könnten laut Haas die Zukunft des Tennis prägen © Getty Images

SPORT1: Letztes Jahr gab es überraschend vier unterschiedliche Grand-Slam-Sieger. Sehen Sie die Dominanz von Novak Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal bröckeln?

Haas: Das ist auf jeden Fall eine sehr interessante Zeit. Von Stanislas Wawrinka als Sieger bei den Australian Open 2014 waren wir alle überrascht. Und auch ein Marin Cilic hat im Halbfinale und Finale der US Open wirklich überragendes Tennis gespielt. Diese großen aufschlagstarken Spieler, die sich so bewegen und so gut von der Grundlinie spielen, bilden vielleicht die nächste Generation. Milos Raonic ist jemand, der sehr gefährlich und für mich ein zukünftiger Grand-Slam-Sieger ist. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass Roger im zweiten Halbjahr 2014 unglaublich gutes Tennis gespielt hat. Er weiß, dass er in diesem Jahr eine sehr gute Chance hat, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen (das ATP-Turnier in Doha mit Federer ab Mittwoch LIVE bei SPORT1+).

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