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Alexander Zverev
Alexander Zverev trifft im Halbfinale auf Dominic Thiem © Getty Images

Der Youngster schaltet in München den Topgesetzten - und greift nach seiner ersten Endspielteilnahme auf der Profitour. Der nächste Gegner hadert über eine Klo-Pause.

Nachdem Alexander Zverev den Top-Favoriten David Goffin aus dem Münchner Sandplatzturnier geschmissen hatte, suchte er sofort Blickkontakt zu seinem Bruder Mischa.

Beide strahlten, beide nickten, als wäre ein Plan, den sie gemeinsam ausgeheckt haben, perfekt aufgegangen.

Und tatsächlich: Beim 6:3, 4:6, 6:3 gegen die Nummer eins der Setzliste aus Belgien zeigte Zverev reifes Tennis - vor allem für einen gerade 19-Jährigen.

"Ich bin mit seinem Tempo gut umgegangen", erklärte Zverev sein Erfolgsrezept und hob den "riesigen Anteil" seines Bruders, der ebenfalls als Profi auf der ATP-Tour unterwegs ist, hervor: "Er kann mir über jeden Spieler etwas sagen, er hat auch schon gegen David gewonnen. Er gibt mir Tipps, macht mich warm. Mischa hilft mir überall."

Kohlschreiber folgt Zverev

Neben Zverev hat auch Philipp Kohlschreiber das Halbfinale erreicht.

Der an Nummer vier gesetzte Augsburger gewann nach sechs Niederlagen erstmals gegen Juan Martin del Potro - und das nach nur 80 Minuten deutlich mit 6:4, 6:1. Der Argentinier hatte nach mehreren Handgelenksoperationen bei den BMW Open sein Comeback auf Sand nach dreijähriger Abstinenz gefeiert.

"Es fühlt sich toll an, hier wieder im Halbfinale zu stehen, das ist hier so etwas wie mein Wohnzimmer", sagte der zweimalige Titelträger Kohlschreiber, der am Samstag (nicht vor 15.00 Uhr) auf Fabio Fognini (Italien) trifft: "Das ist mein erfolgreichstes Turnier, es gilt die Serie auszubauen, ehe Sascha Zverev kommt und hier oft gewinnt."

Gilbert lobt deutsche Premiere

Aus der Ferne lobte Brad Gilbert, Ex-Profi, Ex-Trainer und Buchautor des Werkes "Winning Ugly - Mentale Kriegsführung im Tennis" Zverevs Vorstellung via Twitter als "beeindruckend" - und hatte recht:

In 2:22 Stunden entnervte der deutsche Hoffnungsträger auf eine bessere Tennis-Zukunft Goffin, der zuletzt bei den US-Masters in Indian Wells und Miami das Halbfinale erreicht hatte und bis Platz 13 der Weltrangliste geklettert ist.

Beim kleinen, beschaulichen Turnier am Münchner Aumeister reichte es für den aufstrebenden Davis-Cup-Finalisten des Vorjahres jedoch nicht für die Vorschlussrunde, weil Zverev bei endlich traumhaftem Frühlingswetter seine Chancen bis auf einen Durchhänger im zweiten Satz konsequent nutzte.

Nie zuvor hatte der Deutsche einen Spieler geschlagen, der höher im ATP-Ranking platziert ist, selten zuvor hatte er neben seinem spielerischen auch sein taktisches Potenzial derart konstant abgerufen. Für Zverev, derzeit die Nummer 49 der Welt, ist es die zweite Halbfinalteilnahme in Deutschland, nach seinem Heimturnier am Rothenbaum vor knapp zwei Jahren.

Nun soll es auch mit dem ersten Endspiel auf der Profitour klappen. Nach Goffin wartet jedoch die nächste große Herausforderung auf Zverev: Am Samstag trifft er auf den österreichischen Youngster Dominic Thiem, der in dieser Saison genauso viele Matches (28) gewonnen hat wie Dominator Novak Djokovic.

Nun gegen Austrias Jungstar Thiem

Thiem ist drei Jahre älter als Zverev, beide gelten als die Stars der Zukunft.

In München gewann Thiem, der in Wien vom früheren Boris-Becker-Coach Günter Bresnik trainiert wird, sein Viertelfinale gegen den Kroaten Ivan Dodig 6:4, 4:6, 6:3 und zeigte dabei ebenfalls eine reife Leistung.

So ließ er sich nicht verunsichern, als sein Gegner im dritten Satz nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung plötzlich das Feld verließ, um das stille Örtchen aufzusuchen. Die Notfall-Toilettenpause ist im Reglement der ATP verankert, dennoch wunderte sich Thiem später, weil es offensichtlich keinen Notfall bei Dodig gab.

"Es war nicht okay von ihm. Man kann keinen Notfall vortäuschen. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Thiem, der als erster Österreicher nach Thomas Muster vor 26 Jahren das Endspiel der BMW Open erreichen kann.

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