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Philipp Kohlschreiber holt zum dritten Mal den Titel beim ATP-Turnier in München. Im Finale ringt der 32-Jährige Alexander Zverevs Bezwinger nieder.

Mit seiner neuen Lederhose über der Tenniskluft stieg Philipp Kohlschreiber in seinen neuen Sportwagen, klopfte noch schnell die sandigen Schuhe ab und drehte eine Ehrenrunde durch sein selbsternanntes Wohnzimmer.

Die hatte er sich in zweieinhalb Stunden zuvor redlich verdient: In einem dramatischen Finale krönte sich Kohlschreiber zum Rekordchampion am Münchner Aumeister.

7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (7:4) bezwang er Youngster Dominic Thiem aus Österreich und war angesichts seines dritten Erfolgs bei den BMW Open nach 2007 und 2012 "beinahe sprachlos".

"Das ist ein Hammer-Turnier"

Die Freude über den erneuten Triumph bei seinem Lieblingsturnier ließ die Worte bald jedoch wieder aus Kohlschreiber sprudeln: "Das ist ein Hammer-Turnier", rief er den 3500 Zuschauern auf dem vollbesetzten Centre Court zu: "Ich habe hier anscheinend immer meine Glücksbringer versammelt."

Das stimmte zwar nicht ganz, im vergangenen Jahr hatte er im Endspiel gegen Andy Murray einen Tennis-Krimi mit zwei Tiebreaks in drei Sätzen verloren und musste anschließend bei der Siegerehrung zusehen, wie der Schotte reich beschenkt wurde. Im Überschwang des Glücks über einen seiner größten Erfolge durfte Kohlschreiber seine Niederlagen jedoch gerne vergessen.

Ein "besonders wertvoller" Sieg

Der Sieg im Generationenduell über Thiem fiel für den 32 Jahre alten Augsburger in die Kategorie "besonders wertvoll". Zum einen wollte er es den "jungen Burschen" noch einmal zeigen, zu denen auch der Hamburger Teenager Alexander Zverev gehört, der am Samstag im Halbfinale gegen Thiem verloren hatte.

Zum anderen bewies Kohlschreiber mit seinem Erfolg über die Nummer 15 des ATP-Rankings, dass hinter seinen Aussagen, derzeit die beste Zeit seiner Karriere zu erleben, nicht nur heiße Luft und Selbstbeweihräucherung steckt.

Thiem ist der Mann der Zukunft

Thiem, 22 Jahre jung und in der Wiener Südstadt Schützling des früheren Becker-Coaches Günter Bresnik, gilt nicht nur in Österreich als kommender Grand-Slam-Champion.

Der erste München-Finalist seit Thomas Muster 1990 ist mit 29 Siegen in dieser Saison sogar erfolgreicher als Dominator Novak Djokovic. Besonders auf der roten Asche fühlt sich er sich wohl, im Februar schlug er den wiedererstarkten Sandplatzkönig Rafael Nadal auf dessen Lieblingsbelag in Buenos Aires.

Daher war es nicht nur Schmeichelei des Siegers, als Kohlschreiber Thiem mit dem Pokal in der Hand zurief: "Dominic hat es mir heute sehr schwer gemacht. Meine Zeit hier wird zu Ende gehen, er wird das Turnier irgendwann gewinnen."

Beinahe hätte es schon bei leichtem Nieselregen an diesem 1. Mai 2016 geklappt, doch Kohlschreiber stemmte sich mit all seiner Klasse und all seinem Kampfgeist gegen die Niederlage. Später gratulierte Thiem fair: "Kohli hat heute verdient gewonnen."

Erst der achte Satzball sitzt

Mit dem achten Satzball hatte der Deutsche den ersten Durchgang für sich entschieden und ließ sich auch nach dem Verlust des zweiten Satzes nicht verunsichern. Thiem galt als Spezialist für die lange Distanz, immerhin hatte er alle seine 14 Matches, die in dieser Saison in den entscheidenden Satz gegangen waren, für sich entschieden.

An diesem Tag setzte sich jedoch Kohlschreibers offensives Tennis durch. Mit seinem dritten Matchball, einem erneuten Schlagabtausch am Netz, sicherte er sich 82.450 Euro Preisgeld, den Sportwagen und die Lederhose. Und nicht zuletzt einen Eintrag in den Geschichtsbüchern der internationalen Tennismeisterschaften von Bayern.

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