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 Jan-Lennard Struff behielt im entscheidenden Spiel die Nerven
Jan-Lennard Struff (l.) behielt im entscheidenden Spiel die Nerven © Getty Images

Nach der Niederlage von Florian Mayer ist der Druck auf Jan-Lennard Struff groß. Doch der 26-Jährige behält im Entscheidungsspiel die Nerven und lässt Deutschland jubeln.

Zittern bis zum Schluss: Das deutsche Davis-Cup-Team hat sich ohne seine Topspieler auf den letzten Drücker den Verbleib in der Weltgruppe gesichert und den ersten Abstieg seit 13 Jahren nur mit großer Mühe verhindert.

Jan-Lennard Struff holte durch ein 7:6 (7:4), 6:4, 6:1 gegen Youngster Hubert Hurkacz im finalen Match den erlösenden Punkt zum 3:2 und ließ die ersatzgeschwächte Mannschaft in Berlin jubeln.

"Wir haben alles gegeben und am Ende hat es geklappt. Ich habe als Kind immer davon geträumt, in so einer Situation gefeiert zu werden. Das ist Wahnsinn", sagte Struff.

Mayer scheitert deutlich

Nach seiner nervenstarken Leistung bekam er auch Lob von Kapitän Michael Kohlmann: "Er hat das gut durchgezogen, war aktiver und hat das Spiel an sich gerissen. Jetzt kann er sehr, sehr stolz auf sich sein", betonte Kohlmann.

Der Weltranglisten-67. Struff hatte bereits am Freitag sein erstes Einzel gegen Kamil Majchrzak gewonnen und wurde für die Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) gegen den klaren Außenseiter Polen zum gefeierten Retter.

Zuvor hatten sowohl Florian Mayer (Bayreuth) mit einer deutlichen Niederlage gegen Außenseiter Majchrzak (2:6, 6:4, 2:6, 3:6) und am Samstag das Doppel Daniel Brands/Daniel Masur (Deggendorf/München) gegen Marcin Matkowski/Lukasz Kubot eine Entscheidung verpasst.

Kohlmann erhält neuen Vertrag

Deutschland kam damit vor 2700 Zuschauern im Steffi-Graf-Stadion noch mit einem blauen Auge davon und spielt auch 2017 in der attraktiven Weltgruppe der besten 16 Nationen.

Der letzte von insgesamt nur zwei Abstiegen erfolgte 2003 gegen Weißrussland, den letzten von drei Titeln gab es 1993 nach einem 4:1 gegen Australien.

Der 42-jährige Kohlmann wird die Mannschaft auch künftig betreuen, sein Vertrag wurde für das kommende Jahr verlängert. Das bestätigte Verbandspräsident Ulrich Klaus noch am Sonntagnachmittag. Kohlmann ist seit Februar 2015 für das Team verantwortlich und geht 2017 in sein drittes Jahr in diesem Amt.

Personalprobleme verschärfen sich 

Mayer (32), der sein erstes Einzel gewann, wird hingegen nie wieder im Davis Cup spielen. "Ich mache den Weg frei für die jüngere Generation. Dieses Wochenende hat mir gezeigt, dass es eine brutale Belastung für mich ist", sagte der Weltranglisten-59., der die Entscheidung bereits vor dem Duell mit Polen getroffen hatte.

Die Erlebnisse in der Hauptstadt und seine erste Niederlage in einem Relegationsspiel bestätigten ihn jedoch.

Damit verschärfen sich die Personalprobleme weiter, denn schon vor dem Wochenende in Berlin hatte es viel Unruhe gegeben. Angeblich sollen die "abtrünnigen" Dustin Brown, Mischa Zverev und Tobias Kamke für ein Jahr aussortiert werden.

Sie wurden allesamt für die Partie in der Hauptstadt angefragt, sagten jedoch ab. Zudem fehlten die Topleute Alexander Zverev (überspielt) und Philipp Kohlschreiber (Fußverletzung).

Dritter Sieg im vierten Duell 

Die Rumpfmannschaft erfüllte zumindest das Minimalziel und verhinderte trotz großer Schwierigkeiten ein Debakel für das deutsche Tennis.

Im vierten Vergleich war es gegen Polen der dritte Sieg im Davis Cup. Dass es so schwer und eng werden würde, hatte jedoch kaum jemand geglaubt.

Die polnischen Einzelspieler Hurkacz (19) und Majchrzak (20) liegen in der Weltrangliste jeweils mehr als 200 Plätze hinter ihren erfahrenen deutschen Gegnern, bereiteten ihnen jedoch phasenweise große Probleme. 

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