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Andrea Petkovic jubelt beim Fed Cup gegen Australien
Andrea Petkovic jubelt beim Fed Cup gegen Australien © Getty Images

Stuttgart - Eine emotionale Andrea Petkovic repariert im Fed Cup mit einer Energieleistung Angelique Kerbers Fehlstart. Mit ihrem Sieg sorgt sie für den Ausgleich gegen Australien.

Nach dem Tennis-Krimi von Stuttgart liefen Andrea Petkovic die Tränen über die Wangen. Erleichterung und Freude mischten sich, die emotionale Darmstädterin hatte nicht nur ihren persönlichen Negativ-Lauf überwunden, sie hatte ihrem Fed-Cup-Team auch den immens wichtigen Ausgleich im Erstrundenduell mit Australien beschert (SERVICE: Alle Informationen zum Fed Cup).

"Das ist definitiv einer der Momente in meiner Karriere, die ich im Kopf behalten werde", sagte Petkovic nachdem sie ihren ersten Matchball gegen Samantha Stosur nach 3:13 Stunden zum 6:4, 3:6, 12:10 verwandelt hatte. Nur wenige Minuten später analysierte sie in der Pressekonferenz gefasst: "Dieses Match, diese Art und Weise mit dieser Stimmung hat mich für den Anfang der Saison entschädigt."

Graf verfolgt Petkovic' großen Kampf

Drei Spiele hatte die Weltranglistenzwölfte bis zu diesem Zeitpunkt bestritten, dreimal, in Brisbane, Sydney und Melbourne, hatte sie verloren. "Ich glaube, dieser Erfolg wird ihr viel Ruhe und Selbstvertrauen geben", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner, nachdem sie Steffi Grafs Glückwunsche aus dem fernen Las Vegas entgegen genommen hatte. Die deutsche Tennis-Legende hatte Petkovics Kampf im Internet verfolgt.

Rittner war sichtlich erleichtert, dass das "Horror-Szenario von Prag" abgewendet war. Beim Stand von 4:5 im dritten Satz hatte Petkovic einen Matchball der früheren US-Open-Siegerin Stosur mit einem, "beidhändigen Super-Mario-Volley" abgewehrt. Wäre der Ball an der Netzkante gelandet, hätten die deutschen Tennis-Frauen wie beim Finale im vergangenen November gegen Tschechien beinahe aussichtslos 0:2 zurückgelegen.

Kerber verpatzt Auftakt

Denn: Ausgerechnet die deutsche Nummer eins Angelique Kerber (Kiel) hatte zum Auftakt gepatzt. Mit 6:4, 2:6, 4:6 verlor die Weltranglistenzehnte vor 4000 Zuschauern überraschend gegen Jarmila Gajdosova und spielte dabei kaum wie eine Top-10-Spielerin. Nach ordentlichem ersten Satz knüpfte Kerber nahtlos an die Verunsicherung der Erstrunden-Niederlage bei den Australian Open an. Später suchte die Linkshänderin Ausflüchte in der vermeintlichen Stärke ihrer Gegnerin. Gajdosova, die Nummer 54 im Ranking, habe "unglaublich gespielt", sagte Kerber.

Rittner ordnete die Leistung ihrer Nummer eins realistischer ein. "Sie hat heute einfach nicht ihr Tennis gespielt", sagte die Teamchefin: "Nach dem Break zum 1:0 im dritten Satz war sie zu passiv, erst bei 1:4 hat sie wieder das gespielt, was sie kann." Da war es allerdings schon zu spät.

Bei Sieg warten Scharapowa und Co.

Kerber muss sich im Spitzeneinzel am Sonntag (ab 12.30 Uhr in den LIVESCORES) gegen Stosur dringend steigern, sollte Rittner ihr weiter das Vertrauen schenken. Auf der Bank wartet schon Julia Görges (Bad Oldesloe), die bei den Australian Open im Achtelfinale gestanden hatte, auf ihren Einsatz. "Sie ist eine Option, aber ich muss jetzt abwarten und mit den Spielerinnen sprechen", sagte Rittner.

Auch Petkovic war sich nicht sicher, ob sie nach dem Krimi schnell genug regenerieren kann: "Es ist sehr schwierig, auf diesem Boden zu spielen. Es kommt auch drauf an, wie es Jule (Görges, d. Red.) geht."

Fed Cup 2015 - Deutschland Australien, Andrea Petkovic weint
Andrea Petkovic (M.) weint vor Rührung bei der Hymne © Getty Images

Bei einer Niederlage gegen Australien müssen die Vorjahresfinalistinnen in die Relegation (18./19. April). Dort droht gegen mögliche Gegner wie die USA mit Serena und Venus Williams oder Rumänien mit Simona Halep der Abstieg aus der Weltgruppe. Bei einem Sieg dürfte es im Halbfinale nach Moskau gehen.

Nach den ersten beiden Einzeln führt Russland um Superstar Maria Scharapowa vor 17.000 Zuschauern in Krakau gegen Gastgeber Polen 2:0.

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