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SPORT1-Redakteur Julian Ignatowitsch kritisiert die Turnierplanung von Petkovic und Kerber vor dem Fed-Cup-Halbfinale © SPORT1 / dpa

München - Die Deutschen brocken sich das erneute Scheitern im Fed Cup selbst ein. Planung und Aufstellung stehen im Widerspruch zum vermeintlich großen Traum des Teams.

Nach dem Halbfinal-Aus im Fed Cup in Russland müssen sich die Deutschen fragen: Wie ernst ist es ihnen tatsächlich mit dem Mannschaftswettbewerb? 

Stets haben Teamchefin Barbara Rittner und ihre Spielerinnen Angelique Kerber, Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Julia Görges den Fed Cup-Sieg als ihren großen Traum verkauft. 

Unvergessen die Pressekonferenz nach dem verlorenen Finale in Prag gegen Tschechien, als die Fünf gemeinsam auf dem Podium emotional verkündeten: Wir gewinnen diesen Pokal - koste es, was es wolle!

Taten sind aber vor dem tränenreichen 2:3 in Sotschi nicht gefolgt. Eine erneute Finalteilnahme hat die Mannschaft selbst aus der Hand gegeben. Mitleid ist fehl am Platz.

Kerber und Petkovic verschwendeten noch eine Woche zuvor beim vergleichsweise unbedeutenden Turnier der zweitniedrigsten Kategorie in Charleston/USA Körner.

Ja, Tennis ist Einzelsport. Ja, die Reise von Kerber verlief nicht planmäßig (verlorenes Gepäck, zwei Tage unterwegs). Aber für die Vorbereitung auf den Fed Cup war die Turnierplanung der Beiden schädlich.

Genau wie die Aufstellung von Teamchefin Rittner. Sie hat sich schlichtweg verzockt. Die beiden nominellen Einzelspieler Kerber und Petkovic am Samstag draußen zu lassen, war ein Fehler und brachte Deutschland nach dem ersten Tag unnötig in Rückstand.

Trotz der Reisestrapazen hätte es für Kerber und Petkovic gegen die formschwachen Svetlana Kuznetsova und Anastasia Pavlyuchenkova höcht wahrscheinlich zum Sieg gereicht, was sich am Sonntag bei ihren Einzelsiegen deutlich zeigte.

Zumindest eine der beiden hätte auch am Samstag spielen müssen. Noch dazu auf Sand, wo Kerber und Petkovic gegenüber Lisicki und Görges einfach eine Klasse besser sind.

Zumal die Entscheidung, Kerber und Petkovic zu schonen, so wie sie umgesetzt wurde, nicht logisch war. Kerber wirkte am Sonntag bei ihrem überdeutlichen Sieg (6:1, 6:0) alles andere als erschöpft. Petkovic hätte zwar nach eigener Aussage nicht Samstag und Sonntag spielen können, wurde dafür am Sonntag aber gleich zweimal eingesetzt, aufeinanderfolgend im Einzel und Doppel.

Rittner begründete die Wahl knapp über ihr "Bauchgefühl", nicht die beste Entscheidungsgrundlage.

Keine Frage: Die deutschen Frauen sind und bleiben Sympathieträger, halten sie doch im Tennis die deutsche Fahne hoch. Die vergebene Chance aufs Finale in Deutschland ist jedoch umso ärgerlicher, hätte der Sport doch hierzulande positive Schlagzeilen gut gebrauchen können.

Von denen hätte auch jede Einzelne mehr profitiert als von Weltranglistenpunkten beim Family Circle Cup.

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