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Benjamin Becker schlägt einen Ball
Benjamin Becker liegt in der Weltrangliste auf Platz 41 © getty

Melbourne - Benjamin Becker fliegt in der dritten Runde gegen Milos Raonic raus. Der Kanadier macht kurzen Prozess, Becker blickt jetzt auf den Davis Cup.

Benjamin Becker saß nach dem verlorenen Aufschlag-Quiz von Melbourne im kleinen Presseraum 3 und war restlos bedient. "Wenn man so glatt verliert, ist das natürlich enttäuschend. Gerade am Anfang habe ich seinen Aufschlag gar nicht lesen können, da habe ich einfach nur geraten", sagte der 33-jährige Becker nach dem 4:6, 3:6, 3:6 bei den Australian Open gegen Milos Raonic (Kanada/Nr. 8).

Kein Deutscher mehr im Feld

Der verpasste Achtelfinal-Einzug beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres setzte Becker sichtlich zu. Selbstvorwürfe allerdings konnte sich der Weltranglisten-41. aus Orscholz, der am sechsten Turniertag als letzter deutscher Spieler ausschied, kaum machen. "Ich habe gar nicht schlecht gespielt", meinte Becker. Wohlwissend, dass auf der anderen Seite des Netzes ein Mann mit einer besonders zermürbenden Waffe gestanden hatte.

"Milos hat so viele Variationen bei seinem Aufschlag", sagte Becker mit Blick auf die 22 Asse des 1,96-m-Hünen. Raonic, Wimbledon-Halbfinalist von 2014, gewann mit seinem ersten Service 43 von möglichen 52 Punkten (83 Prozent).

Was die deutsche Nummer zwei zu folgender Prognose veranlasste: "So ein Aufschlag ist ein Riesen-Vorteil. Wenn man so eine Gabe hat, kann man auf jeden Fall ein Grand-Slam-Turnier gewinnen", sagte Becker über Raonic, den großen Stillen mit den montenegrinischen Wurzeln und dem Spitznamen "Missile" (Rakete).

Damit steht von den 17 im Hauptfeld gestarteten deutschen Profis nur Julia Görges (Bad Oldesloe) im Achtelfinale. Die Fed-Cup-Spielerin trifft am Sonntag auf die an Position zehn gesetzte Linkshänderin Jekaterina Makarowa (Russland).

Erst einmal im Achtelfinale

Becker hatte mit seinem Drittrunden-Einzug das schlechteste Abschneiden der deutschen Männer im Melbourne Park seit vier Jahren verhindert. Gegen Publikumsliebling Lleyton Hewitt (Australien) hatte er am Donnerstag erstmals in seiner Karriere ein Fünfsatzmatch gewonnen und dabei einen 0:2-Satz-Rückstand aufgeholt.

Bislang hatte Becker erst einmal das Achtelfinale eines Grand-Slam-Events erreicht - 2006 bei den US Open. Gegen Raonic allerdings stand der Routinier in der 10.000 Zuschauer fassenden Hisense Arena trotz der Anfeuerung einiger deutscher Schlachtenbummler auf verlorenem Posten.

Mit seinem ersten Break holte sich der Kanadier den ersten Satz nach nur 30 Minuten. Unmittelbar danach nahm Becker seinem Kontrahenten zum ersten und einzigen Mal den Aufschlag ab. Der Wahl-Amerikaner mit Wohnsitz Dallas stemmte sich in der Folge zwar gegen die Niederlage, doch der vierte Matchball brachte bei 30 Grad Celsius die Entscheidung.

Bereit für den Davis Cup

Becker machte danach deutlich, dass er für einen Einsatz im Erstrundenspiel des Davis Cups gegen Frankreich in Frankfurt (6. bis 8. März) zur Verfügung stünde. "Ich bin einer, der nicht nein sagen kann und will, wenn er gefragt wird", meinte Becker, der im Einzel zuletzt 2010 für das DTB-Team im Einsatz war.

Die neuerliche Posse um Teamchef Carsten Arriens und Philipp Kohlschreiber (Augsburg/Nr. 24) betrachtet Becker mit Sorge. "Es wäre gut, wenn ein bisschen Ruhe reinkommt", erklärte er. Wenn die Stimmung gut sei, "ist das die beste Möglichkeit, gut zu spielen".

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