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Novak Djokovic kämpfte im Finale der Australian Open gegen Andy Murray mit körperlichen Problemen
Novak Djokovic kämpfte im Finale der Australian Open gegen Andy Murray mit körperlichen Problemen © getty

Melbourne - Im Finale von Melbourne wirkt Novak Djokovic entkräftet - fertigt dann den irritierten Andy Murray ab. Dabei kannte der die Masche. Presse und Pat Cash beziehen Stellung.

Als Novak Djokovic über das Glück als Familienvater philosophierte und an den noch fehlenden French-Open-Titel dachte, war die Diskussion über die Gummibeine von Melbourne schon voll entbrannt.

Ausgerechnet nach seinem Rekordtitel bei den Australian Open stand der Branchenführer aus Serbien am Pranger.

"War das Oscar-reif...oder hatte er wirklich Probleme?", fragte nicht nur die Daily Mail, nachdem Djokovic während des 3:39-stündigen Finals gegen den Briten Andy Murray (7:6, 6:7, 6:3, 6:0) mehrfach hingefallen war und zeitweise völlig entkräftet gewirkt hatte.

"Das macht er doch immer"

"Das hat mich schon irgendwie ein bisschen abgelenkt, als er ein paarmal zu Boden ging", meinte der geschlagene Murray, gab sich aber selbstkritisch: "Es nervt mich am meisten, dass ich mich davon habe stören lassen."

Eine gute Stunde zuvor hatte sich das auf dem Centre Court der Rod-Laver-Arena noch ganz anders angehört.

Nachdem Djokovic vor allen Dingen Ende des zweiten Satzes, Anfang des dritten Durchgangs zeitweise wie ein "angeschlagener Boxer" (The Age) an der Grundlinie taumelte und "dem Kollaps nah schien" (Daily Mail), hatte Murray zu sich selbst gesagt: "Das macht er doch immer. Versuch' es auszublenden."

Doch dem Weltranglisten-Vierten, der auch sein viertes Melbourne-Finale seit 2010 verlor, gelang dies nicht.

Auch Becker gewann als Papa in Melbourne

Sein Jugendfreund Djokovic indes war sich keiner Schuld bewusst. "Man konnte sehen, dass ich Ende des zweiten, Anfang des dritten Satzes eine Krise hatte.

Ich habe mich sehr erschöpft gefühlt und brauchte einfach Zeit, mich zu erholen. Und das habe ich geschafft", meinte der fünfmalige Australian-Open-Champion, der seinen ersten Major-Titel als Vater holte.

Boris Becker, Novak Djokovic
Boris Becker, Trainer von Novak Djokovic (l.), gewann als Vater nur ein Grand-Slam-Turnier © Getty Images

Auch Becker hatte 1996 in Melbourne seinen Debüt-Grand-Slam als Papa gewonnen. Es blieb allerdings auch sein letzter.

Erst mausetot, dann wieselflink

"Daddy Cool" Djokovic hatte darauf verzichtet, beim Wechsel einen Physio rufen zu lassen.

"Ich hatte ja keine Krämpfe. Meine Oberschenkel und Waden haben sich nur nicht gut angefühlt - und ich spürte Schwäche", erklärte der Schützling von Boris Becker, als er um 1.25 Uhr in der Nacht zur Pressekonferenz erschien.

Die Zeitung The Age titelte am Morgen darauf: "Der Joker und seine Gummibeine." Und die Kritiker des zweimaligen Wimbledonsiegers verwiesen auf einige Matches in der Vergangenheit, in denen Djokovic eigentlich schon mausetot war - aber dann wie von Wunderhand wieder laufen konnte wie ein Wiesel.

In Gedanken bei Gencic

"Das hat Murray zerstört", behauptete Australiens Tennis-Ikone Pat Cash nach dem zu Beginn so engen und intensiven Finale, in dem Djokovic die letzten neun Spiele in Folge gewann.

Der Serbe indes wollte lieber über seinen Erfolg sprechen. Als ihm der "Norman Brookes Challenge"-Pokal in den Pressekonferenz-Raum nachgebracht wurde, sagte er: "Mein Baby."

Djokovic gedachte auch seiner Mitte 2013 verstorbenen Jugend-Trainerin Jelena Gencic. `So wie mir, gehört auch ihr diese Trophäe. Ich denke nicht nur heute an sie, sondern auch sonst ganz oft", meinte der 27-Jährige.

Djokovic will nun French Open gewinnen

Nun peilt er seinen noch letzten fehlenden Major-Titel an: "Ich werde alles dafür geben, die French Open zu gewinnen. Und ich glaube, dass ich es schaffen kann."
Für Coach Becker indes steht der dritte Wimbledoncoup von Djokovic ganz oben auf der To-do-Liste.

"Und wenn man einen Spieler wie Novak trainiert, ist das ultimative Ziel immer die Nummer eins. Das bleibt auch dieses Jahr so", sagte der 47-jährige Becker.

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