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Fühlt sich auf Sand immer wohler: Angelique Kerber © Imago

München - Nach den jüngsten Erfolgen auf Sand sollen die French Open in Paris für Angelique Kerber endlich Erfolge bringen. Bei SPORT1 spricht sie auch über die Trainerfrage.

Der Stadt der Liebe stand Angelique Kerber bislang eher norddeutsch unterkühlt gegenüber. Paris, das war für die Kielerin bislang kein gutes Pflaster.

Das Viertelfinale von 2012 stellte für Kerber in Roland Garros bislang schon das Höchste der Gefühle dar. Letztes Jahr machte das kanadische Starlet Eugenie Bouchard im Achtelfinale schon nach 52 Minuten mit ihr Schluss.

"Sand war bisher nie so mein Lieblingsbelag", erklärte Kerber bei SPORT1 ihr schwieriges Verhältnis zu Paris.

Wie für Sand gemacht

Doch seit diesem Frühling scheint auch sie ihre Gefühle für das rote Ziegelmehl entdeckt zu haben: Nach aufeinanderfolgenden Turniersiegen auf Sand in Charleston und Stuttgart geht die Weltranglistenelfte selbstbewusst wie nie ins zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres. Roland Garros und Kerber - geht da doch noch was?

"Für mein Spiel ist Sand nicht so schlecht. Das habe ich jetzt auch mitbekommen", freute sich die 27-Jährige nach den Erfolgserlebnissen im April bei SPORT1. Denn einer defensivstarken Konter-Spielerin wie ihr kommt der langsamere Sandbelag definitiv entgegen.

Neben dem Titel als WTA-Spielerin des Monats haben die zwei Turniersiege auch das Vertrauen in das eigene Spiel zurückgebracht: "Für mich persönlich war Charleston sehr wichtig. Ich habe dort viele Matches noch gedreht und Selbstbewusstsein getankt."

Schlussstrich nach schwachem Start

Und das war dringend nötig für Kerber: Bei den Australian Open war schon in Runde eins Endstation und in den darauffolgenden fünf Turnieren gewann die frühere Weltranglistenfünfte insgesamt nur zwei Partien.

Logische Konsequenz waren der Absturz aus den Top Ten und nagende Zweifel. An sich selbst, aber auch am eingeschlagenen Weg mit Trainer Benjamin Ebrahimzadeh. Im März zog Kerber einen Schlussstrich, beendete die Zusammenarbeit und kehrte zu ihrem früheren Trainer Torben Beltz zurück, zumindest vorerst.

"Ich gucke jetzt erst einmal. Bis Paris werde ich mit Torben weiterreisen, aber ich lasse mir noch alles offen. Es ist noch nichts Endgültiges entschieden", sagte Kerber am Rande des Turniers in Stuttgart zu SPORT1. Inzwischen haben beide ihre Übereinkunft bis Wimbledon verlängert.

Achtungserfolge mit Kämpferherz

Mit dem neuen Coach kam die Wende - präziser gesagt im Match gegen die Russin Jewgenia Rodina in Charleston, das Kerber nach verlorenem ersten Satz noch drehte. "Durch diesen Erfolg bekam ich meine Leidenschaft, mein Spiel und mein Selbstvertrauen zurück", so Kerber.

Danach zeigte sie sich wie verwandelt: In Stuttgart triumphierte sie sogar gegen die Topspielerinnen Maria Scharapowa und Caroline Wozniacki.

Dazu fand sie ihre alten Kämpferqualitäten wieder. Denn bei ihren Turnierensiegen in Charleston und Stuttgart stand sie in beiden Finals im dritten Satz mit dem Rücken zur Wand (Charleston 1:4, Stuttgart 3:5). Steffi Grafs früherer Trainer Heinz Günthardt lobte sie danach als "momentan beste Sandplatzspielerin der Welt".

Der Rücken macht Sorgen

Doch das ist jetzt einen Monat her. Seitdem ebbte die Siegesflut merklich ab: Bei den hochkarätigen Turnieren in Madrid und Rom setzte es frühe Niederlagen gegen Samantha Stosur und Irina-Camelia Begu.

Beim schwächer besetzten Turnier in Nürnberg direkt vor den French Open erreichte sie immerhin das Halbfinale, das sie jedoch wegen muskulärer Probleme im rechten unteren Rückenbereich absagen musste.

"Es ist nicht einfach, aber ich will nichts riskieren, weil ich nicht bei 100 Prozent bin. Ich habe auch gestern mit Schmerzmitteln gespielt", sagte Kerber im BR und meinte mit Blick auf Roland Garros: "Es ist die beste und schlauste Entscheidung."

So ist der Körper vor Paris das größte Fragezeichen. Optimistisch bleibt Kerber dennoch: "Ich fühle mich gut auf Sand und werde mit viel Selbstvertrauen nach Paris fahren." Vielleicht wird es dort ja die große Liebe auf den zweiten Blick. 

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