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Roger Federer spielt den SABR - seinen Return direkt hinter der T-Linie © Getty Images

Ein bislang unbekanntes Flugobjekt namens "SABR" ging Boris Becker bei den US Open gewaltig auf den Geist. Kein Wunder, dass der Trainer von Novak Djokovic deutliche Worte für den von Finalgegner Roger Federer als Return geschlagenen Halb-Volley von der T-Linie fand.

"Hätte er diesen Schlag gegen John McEnroe, Ivan Lendl, Jimmy Connors oder gar mich ausgepackt, hätten wir gesagt: 'Roger, ganz ehrlich, ich mag dich sehr, aber noch einmal, und ich ziele voll auf dich'", stellte Becker im Big Apple unmissverständlich klar.

Die sogenannte "Sneak Attack by Roger" (SABR) spaltete ausgerechnet vor dem Finale zwischen dem serbischen Branchenführer Djokovic und Grand-Slam-Rekordgewinner Federer (Schweiz/Nr. 2) am Sonntagnachmittag Ortszeit (22.00 Uhr MESZ) die Tennis-Welt.

Respektlosigkeit von Federer?

Becker warf Federer sogar indirekt Respektlosigkeit vor. Der dreimalige Wimbledonsieger meint, der Weltranglistenzweite nehme den Aufschlag seiner Gegner nicht ernst. Und so etwas mag Becker überhaupt nicht. "Es gibt im Fußball ungeschriebene Regeln, und es gibt im Tennis ungeschriebene Regeln", sagte der 47-Jährige.

Der formstarke Federer selbst, der bis zum Finale noch keinen Satz abgegeben hatte, konnte die allgemeine Aufregung nicht nachvollziehen und wehrte sich vor seinem ersten Flushing-Meadows-Endspiel seit sechs Jahren. "Nein, dieser Schlag ist nicht respektlos", betonte der 34-Jährige und versprach lächelnd: "Ich werde ihn weiter einsetzen."

Doch Becker steht mit seinen Vorwürfen nicht allein. Auch US-Ikone McEnroe ließ keinen Zweifel daran, dass er "beleidigt" wäre, wenn jemand "SABR" gegen ihn einsetzen würde. Glaubt man Becker, dann regen sich viele Profis über den vermeintlich so dreisten Kunstschlag von Federer auf. Hinter vorgehaltener Hand in der Umkleidekabine, versteht sich.

Die Ergebnisse der US Open

Djokovic hält sich zurück

Das nervt Becker, deshalb hat er Tacheles geredet und sieht sich als Sprachrohr der Kritiker. "Keiner traut es sich zu sagen, weil es Roger Federer ist. Zu der Sparte gehöre ich nicht." Die Verdienste des 17-maligen Major-Gewinners erkennt Becker neidlos an. Er habe großen Respekt vor ihm, "Roger ist der größte Spieler aller Zeiten".

Und trotzdem sieht Becker seinen Schützling Djokovic gegenüber Publikumsliebling Federer ungerecht behandelt. "Wenn es jeder andere Spieler außer Roger Federer machen würde, würde er kritisiert werden", behauptete der Coach des Branchenführers, der in der Gunst der Fans klar hinter Federer und Rafael Nadal (Spanien) steht.

Djokovic hatte während der vergangenen Wochen wenig zum Thema gesagt. Erst nach seinem klaren Halbfinal-Erfolg gegen Titelverteidiger Marin Cilic aus Kroatien (6:0, 6:1, 6:2) sprach der New-York-Sieger von 2011 von einem "spannenden Schlag für Roger". Für die Gegner allerdings sei "SABR" nicht so aufregend.

Die Fans stehen hinter Federer

Bei den US Open jedenfalls lieben sie ihren Roger - die Zuschauer ebenso wie die namhaften Promis aus Film und Fernsehen. Vogue-Chefin Anna Wintour zum Beispiel zählt in der Federer-Box längst zum Inventar. Und Hollywoodstar Bradley Cooper ist inzwischen zum Edel-Anhänger des smarten Schweizers avanciert.

Becker weiß, wie konträr die beiden Rivalen sind. Und wie sich das auf die Publikumsgunst auswirkt. "Du bist entweder Federer-Fan, oder Du bist Djokovic-Fan. Du bist nicht beides", meinte Becker: "Das geht gar nicht."

Für McEnroe wird der Serbe gegen Federer immer einen schweren Stand haben. Djokovic sei "der Bösewicht", der nichts falsch gemacht habe. "Federer aber lieben sie." "SABR" hin oder her.

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